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Dessislawa Semkowska
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Donnerstag 9 April 2026 10:15
Donnerstag, 9 April 2026, 10:15
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Die traditionelle bulgarische Ostertafel ist reichhaltig und symbolträchtig und markiert das Ende der Fastenzeit. Zu den obligatorischen Elementen, die Auferstehung und neues Leben symbolisieren, gehören Eier, Lammfleisch und frischer Frühlingssalat. Doch reicht die Produktion in Bulgarien aus – und werden wir uns qualitativ hochwertige einheimische Produkte leisten können?
Lammfleisch – unzureichende Produktion und hohe Preise
Den deutlichsten Preisanstieg gibt es beim Lammfleisch. Während der Preis pro Kilogramm Lebendgewicht auf den Farmen etwa auf dem Niveau des Vorjahres bleibt, haben sich die Verkaufspreise im Handel nahezu verdoppelt.
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„Auf den Farmen liegt der Preis zwischen 5 und 7 Euro pro Kilogramm Lebendgewicht“, erklärte Simeon Karakolew, Ko-Vorsitzender der Nationalen Vereinigung der Schaf- und Ziegenzüchter. „Im Einzelhandel beobachten wir jedoch eine große Spanne – von 13 bis 18 Euro pro Kilogramm, mancherorts sogar bis zu 20 Euro, was spekulativ ist. Der Preisanstieg im Vergleich zum Vorjahr liegt, insbesondere in den letzten Tagen durch die gestiegenen Kraftstoffpreise, bei fast 30 Prozent. Das sorgt für Unzufriedenheit in der Gesellschaft und dämpft den Konsum.“
Nach dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche im vergangenen Jahr und der anschließenden Tötung vieler Tiere erwarten die Viehzüchter, nur etwa 40 Prozent des Binnenbedarfs decken zu können.
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„Die Nachfrage nach bulgarischem Lammfleisch ist groß, und der Mangel liegt in diesem Jahr bei rund 70.000 Tieren. Deshalb rechnen wir mit Importen von etwa 800 Tonnen“, prognostizierte Karakolew. „Importiertes Fleisch wird günstiger sein – gekühltes aus Nordmazedonien und Rumänien etwa 10 bis 20 Prozent billiger, tiefgefrorenes aus Neuseeland sogar bis zu 30 Prozent. Angesichts steigender Preise in allen Lebensbereichen werden die Menschen zwangsläufig nach günstigeren Alternativen suchen.“
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Bei einem Mindestlohn von 620 Euro und einer Mindestpension von 322 Euro wird sich ein großer Teil der Bulgaren Lammfleisch zu Ostern kaum leisten können. Eine ähnliche Situation zeigt sich bei Gemüse.
Gemüse – unlautere Praktiken und fehlende Politik
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„Es ist sehr schwer zu sagen, wie hoch der Anteil bulgarischer Gemüse auf dem Markt sein wird, aber ich hoffe, dass es zumindest zu Ostern mehr einheimische Produkte geben wird. Obwohl es derzeit nicht einmal für Gewächshausprodukte Saison ist – außer für Gurken –, sehe ich viele Waren, die als ‚bulgarisch‘ gekennzeichnet sind, was ich bezweifle“, sagte Mark Zekow, Generalsekretär der Nationalen Branchenkammer „Obst und Gemüse“ gegenüber Radio Bulgarien.
Er erwartet, dass erste heimische Gewächshausprodukte zu Ostern die Preise für importierte Ware senken werden. Ein großes Problem seien jedoch unlautere Praktiken:
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„Dazu gehören falsche Kennzeichnung, Herkunftstäuschung und das Umpacken importierter Produkte, die dann als bulgarisch verkauft werden. Alle Waren müssen bestimmte Kriterien erfüllen, die auf den Etiketten oft fehlen. Das wird so bleiben, solange es Kompromisse in der Agrarpolitik gibt“, betonte Zekow.
Eier – stabile Preise und ausreichende Produktion
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Deutlich optimistischer zeigt sich die Lage auf dem Eiermarkt. Iwajlo Galabow, Vorsitzender des Verbandes der Geflügelzüchter in Bulgarien, erklärte, dass die heimische Produktion den Bedarf zu Ostern vollständig decken könne.
„Ich erwarte keinen Preisanstieg. In den letzten Wochen sind die Preise in Bulgarien und der EU stabil geblieben. Laut Eurostat liegt der jährliche Anstieg im EU-Durchschnitt bei 19 Prozent, und Bulgarien bewegt sich in diesem Rahmen“, sagte Galabow gegenüber Radio Bulgarien.
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Bulgarische Eier gehören zu den günstigsten in der EU. Importierte Eier aus Drittländern gebe es nicht, lediglich begrenzte Mengen aus EU-Staaten wie Polen oder Rumänien.
„Ich bin überzeugt, dass sowohl heimische als auch importierte Eier dank der Kontrollen der Bulgarischen Agentur für Lebensmittelsicherheit von hoher Qualität sein werden“, betonte Galabow.
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov