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Bemalte Ostereier – die Tradition lebt in Ichtiman weiter

Kunsthandwerker verwandeln das Symbol der Auferstehung in echte Kunstwerke

Donnerstag, 9 April 2026, 16:27

Bemalte Ostereier – die Tradition lebt in Ichtiman weiter

FOTO Facebook/ Wenina Ljubomirowa Minewa

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Die Tradition, Ostereier mit farbigem Wachs zu verzieren, lebt bis heute fort und wird von Generation zu Generation weitergegeben.

Wie genau diese sehr charakteristischen bulgarischen Symbole der Auferstehung gestaltet werden, können Sie erfahren, wenn Sie die Stadt Ichtiman unweit von Sofia besuchen.

Hier wird die jahrhundertealte Tradition sorgfältig bewahrt, und zur Weitergabe trägt das Geschichtsmuseum der Stadt bei. Im Rahmen der Arbeitsgemeinschaften für Ethnografie und Handwerk werden dort auch Kurse zur Gestaltung von Ostereiern organisiert, die von Kindern im Alter von fünf bis siebzehn Jahren besucht werden. Die Sammlung der angefertigten Ichtimaner Eier weckt die Neugier vieler Besucher des Museums.

Das Verzieren der Eier nach alten Techniken beginnt in Ichtiman jedes Jahr bereits im Januar und dauert bis Ostern an. Allein eine Meisterin gestaltet etwa sechshundert Eier. Anschließend präsentiert das Museum seine Ausstellungen in ganz Bulgarien und sogar im Ausland

„Die Tradition des Verzierens von Ostereiern mit Bienenwachs ist sehr typisch für unsere Region. Sie ist auch in einigen anderen Gegenden Bulgariens verbreitet – in Welingrad, Etropole, Dolna Banja und im Dorf Kostenez“, erklärte Welina Minewa, Direktorin des Geschichtsmuseums und Leiterin einer Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde, Ethnografie und Folklore der Stadt Ichtiman. 

FOTO Zentrum für Persönlichkeitsentwicklung – Ichtiman

„Seit dem 19. Jahrhundert werden in Ichtiman Eier verziert. Wir gestalten die Eier auf zwei Arten – mit geometrischen und mit pflanzlichen Motiven. Die geometrischen Motive tragen wir mit Wachs auf das rohe Ei auf, danach tauchen wir es in Alaun oder Essig. Unsere Urgroßmütter tauchten es in Sauerkrautsaft und kochten es anschließend in einer ‚Baumwollfarbe‘. Wir färben das Ei rot und entfernen danach das Wachs. Später entschieden unsere Großmütter, dass es besser sei, den schwarzen Umriss auf dem weißen Ei zu belassen, und begannen, es mit pflanzlichen Motiven zu verzieren – so entstanden die beiden Arten des Verzierens unserer Eier. Wir stellen immer zuerst das Kreuz dar – ein Symbol, das entweder als Kirchenkreuz oder in Form einer Blume erscheinen kann. Erst danach gehen wir zur Gestaltung der weiteren Elemente auf dem Ei über“, erzählte Welina Minewa der Journalistin Darina Arnaudowa.

FOTO Gemeinde Ichtiman

Beim Verzieren des Eies laden wir es mit positiver Bedeutung auf – sagen Ethnografen, die die alten Traditionen des Bemalens von Eiern mit verschiedenen christlichen Symbolen erforschen. So wird dieses Symbol des Lebens zum Ausdruck unserer Wünsche nach Fruchtbarkeit, Glück, Entwicklung, Fülle und Wohlstand. Gleichzeitig ist das schön bemalte Ei ein rituelles Geschenk für nahe Menschen, Verwandte und geliebte Personen, und diese Symbolik hat sich bis in unsere Tage erhalten.

FOTO Facebook/ Wenina Ljubomirowa Minewa

„In Ichtiman färben viele der einheimischen Frauen auch heute noch die Ostereier mit angeräuchertem Bienenwachs, das sie mit einem speziellen Schreibgerät auf das weiße Ei auftragen“, berichtete Welina Minewa weiter.

„Wir malen mit Bienenwachs, das auf zweihundert Grad erhitzt wird und dabei angeräuchert wird. Wenn jemand ein Ei verziert, sollte er ruhig sein und nur an gute Dinge und Wünsche denken. So haben es uns unsere alten Meisterinnen gelehrt. Jeder wird von einer Meisterin angeleitet. Ich wurde von der Meisterin Wesselka Galabowa unterrichtet. Dies wurde von Generation zu Generation weitergegeben, was wir auch heute durch die Arbeitsgemeinschaft am Museum fortführen möchten. Dieses Handwerk soll in der Stadt Ichtiman erhalten bleiben, und diese Kinder tragen dazu bei, es weiter zu verbreiten. Viele der Kinder kommen gut zurecht, interessieren sich für das Verzieren von Eiern und sind stolz darauf, dass diese Technik aus unserer Region stammt. Für das Verzieren der Eier verwenden wir eine spezielle Paste – eine ‚Wollfarbe‘, die mit Eigelb vermischt wird. Zuerst wird das Ei mit dem Kreuzmotiv verziert und vor die Ikone der Gottesmutter gestellt. Danach beginnen wir mit dem Verzieren der übrigen Eier“, so Welina Minewa.


FOTO Gemeinde Ichtiman

Jedes Jahr um Ostern wird dieses alte Handwerk neu belebt, und die Meisterinnen aus Ichtiman verwandeln Hunderte Eier in kleine Kunstwerke. Ihre Arbeit bleibt als Erinnerung erhalten – als Familienreliquie oder als Exponat hinter den Vitrinen der Museen.


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Übersetzung: Rossiza Radulowa