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Meisterwerke bulgarischer Musikkultur

Werka Siderowa – „Bist du eine Tulpe oder eine Hyazinthe“

Die goldene Stimme der Dobrudscha

Freitag, 17 April 2026, 20:00

Werka Siderowa

Werka Siderowa

FOTO dobrich.bg

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Seit jeher sind die Gebiete der geografischen Region Dobrudscha reich und fruchtbar. Nicht zufällig wird ihr bulgarischer Teil als „Kornkammer Bulgariens“ bezeichnet. Ebenso vielfältig und reich ist das volkstümliche Schaffen im ethnografischen Gebiet der Dobrudscha. Die große Vielfalt an Melodien und Texten ist das Ergebnis von Wanderbewegungen von Menschen aus anderen Regionen, insbesondere aus Thrakien. Einige Fachleute betrachten das Lied „Schön ist es, Mutter, in der ebenen Dobrudscha“ als Hymne der Region. Doch das eigentliche Symbol der dobrudschanischen Folklore in ganz Bulgarien ist eine lyrische Miniatur, in der ein junger Edelmann (Tschelebi) einschläft und die Vorbereitung eines festlichen Beisammenseins verpasst. Zunächst ziehen drei Hirten vorbei, die ein Lamm, Wein und eine Hirtenflöte mitbringen, um die Gäste zu bewirten und zu unterhalten, danach folgen drei schöne Mädchen mit Seide, Spinnrocken und Stickrahmen – denn die Frauen vergessen auch bei geselligen Dorftreffen, den sogenannten Sedenki, nie ihre Arbeit. Der bezaubernde Refrain „Lale li si, sjumbjul li si, gjul li si“ („Bist du eine Tulpe, eine Hyazinthe oder eine Rose“) gab dem Lied seinen Titel, das in der unverwechselbaren Interpretation der großen Werka Siderowa zum zeitlosen Klassiker wurde. 

„Jeder liebt seine Heimat, und das ist ganz natürlich“, wandte sich Werka Siderowa an ihr Publikum. „Das Volkslied hat mich mein ganzes bewusstes Leben begleitet – schon in der Wiege hat mich meine Mutter damit gesegnet. Ich habe aus seiner reinen Quelle in vollen Zügen geschöpft. Das wünsche ich auch euch. Doch jeder, der daraus trinken will, muss sich niederknien, denn aus einer Quelle trinkt man kniend…“

Die Präsenz von Werka Siderowa in der bulgarischen Kultur ist so stark, dass sie bis heute spürbar ist. Die Aristokratin unter den Folkloreinterpretinnen, die durch Würde und Herzensgüte beeindruckte, verstarb am 2. Juli 2025 im Alter von 99 Jahren. Geboren in Dobritsch und tief mit ihrer Heimat verbunden, verlieh sie der Folklore der Dobrudscha Glanz und Raffinesse.

FOTO Archiv

„Dobrudscha – der Duft von warmem Brot. Dobrudscha – meine Heimat. Auf ihrer Erde bin ich aufgewachsen, mit ihren Sorgen und Freuden, mit ihren Traditionen, Spielen und Liedern“, schrieb sie in ihrer Autobiografie.

Siderowa erzählte mehrfach, dass sie alle Lieder ihres beeindruckenden Repertoires in ihrem Elternhaus gehört habe – von ihrer Großmutter, ihrer Mutter und ihren Tanten. Zu ihren Lebzeiten war „Godini, godini, usilni godini“ eines ihrer Lieblingslieder, doch in mehreren Interviews bekannte sie, dass das Lied, das als ihr „Pass“ gilt, „Laleto“ („Die Tulpe“) sei: „Wenn man ‚Laleto‘ sagt, sagt man Werka Siderowa, und wenn man Werka Siderowa sagt, sagt man ‚Laleto‘… Ich kenne das Lied von meiner Großmutter Elena.“ Genau mit diesem Lied, das in ihrer Familie von Generation zu Generation weitergegeben wurde, hörte Filip Kutew sie zum ersten Mal und war tief beeindruckt. Es ebnete ihr den Weg zum Staatlichen Folkloreensemble und auf die großen Bühnen der Welt. Kutews Chorfassung gehört zu den Meisterwerken des Genres.

Werka Siderowa (in der ersten Reihe, in der Mitte) mit einigen Sängerinnen des Staatlichen Ensembles, 1968.

FOTO Privatarchiv von Liljana Galewska

Siderowa erzählte mehrfach, dass sie alle Lieder ihres beeindruckenden Repertoires in ihrem Elternhaus gehört habe – von ihrer Großmutter, ihrer Mutter und ihren Tanten. Zu ihren Lebzeiten war „Godini, godini, usilni godini“ eines ihrer Lieblingslieder, doch in mehreren Interviews bekannte sie, dass das Lied, das als ihr „Pass“ gilt, „Laleto“ („Die Tulpe“) sei: „Wenn man ‚Laleto‘ sagt, sagt man Werka Siderowa, und wenn man Werka Siderowa sagt, sagt man ‚Laleto‘… Ich kenne das Lied von meiner Großmutter Elena.“ Genau mit diesem Lied, das in ihrer Familie von Generation zu Generation weitergegeben wurde, hörte Filip Kutew sie zum ersten Mal und war tief beeindruckt. Es ebnete ihr den Weg zum Staatlichen Folkloreensemble und auf die großen Bühnen der Welt. Kutews Chorfassung gehört zu den Meisterwerken des Genres. 

Doch in der solistischen Interpretation von Werka Siderowa, bearbeitet von Krassimir Kjurktschijski, bleibt „Bist du eine Tulpe oder eine Hyazinthe“ eine der akustischen Ikonen Bulgariens. 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov