Gesellschaft

Nachricht

Parlamentswahlen – 19. April 2026

Bulgaren in den USA stimmen weiter ab, obwohl der Wahlsieger bereits feststeht

Montag, 20 April 2026, 01:50

In der Warteschlange zum Wählen – Wahllokal in Las Vegas

In der Warteschlange zum Wählen – Wahllokal in Las Vegas

FOTO Maria Samitschkowa

Schriftgröße

In den USA üben Bulgaren weiterhin ihr Wahlrecht aus. „Hier ist die Hoffnung der Menschen Rumen Radew. Ob er sie erfüllen wird, kann ich nicht sagen“, sagt die BNR-Korrespondentin in Chicago, Elena Zanewa. Ihre Beobachtungen zeigen eine erhöhte Aktivität, schließt jedoch nicht aus, dass dieser Eindruck auch auf die begrenzte Zahl der Wahllokale jenseits des Atlantiks zurückzuführen ist – insgesamt 25. 

Der fast zehnstündige Zeitunterschied zu Bulgarien versetzt die Landsleute in Los Angeles in die Situation, dass sie bereits über die Exit-Poll-Ergebnisse informiert sind, die einen deutlichen Vorsprung der Partei des ehemaligen Präsidenten Rumen Radew und eine nahezu sichere Mehrheit in der 52. Volksversammlung des Landes zeigen.

„Es ist Zeit, dass sich im Land Dinge zu verändern beginnen – wir sind ein europäisches Land geworden, haben den Euro eingeführt, und jetzt müssen sich die Dinge zum Besseren wenden“, sagt Christo Panajotow. Er kommentiert die führende Position von „Progressives Bulgarien“:

„Ich kann nicht genau sagen, wie gut das ist, aber ich denke, es wird irgendeine Veränderung geben. Hoffentlich zum Guten“, sagt ein Landsmann aus Las Vegas gegenüber der Mitarbeiterin von Radio Bulgarien, Maria Samitschkowa. „Ich denke, dass die Bulgaren im Ausland unbedingt wählen sollten. Sie sehen die Dinge ganz anders als die Menschen in Bulgarien, sie sind viel weniger belastet von den Problemen im Land, von der Geldknappheit und der korrupten Verwaltung, und ich glaube, sie sehen sehr klar, wohin sich der Staat entwickelt. Ihre Stimme muss unbedingt gehört werden.“ 

FOTO Maria Samitschkowa

Junge Menschen waren die treibende Kraft der Ereignisse, die zu den aktuellen vorgezogenen Parlamentswahlen im Land führten. Der 17-jährige Teo Gozew wird erst im nächsten Jahr wählen dürfen, steht aber bereits jetzt mit seinem Vater vor dem Wahllokal – allerdings mit der Überzeugung, dass die Wahl keine Alternative bietet:

„Egal, für wen wir stimmen, es wird keine gute Veränderung geben. Das ganze System müsste sich ändern, denn im Moment sehe ich keinen Unterschied. Ob man für eine oder eine andere Partei stimmt, das Ergebnis ist immer gleich. Man sollte mehr auf das Volk hören und auf das, was die Menschen wollen, nicht auf die Politiker“, sagt der Jugendliche, der trotz seines jungen Alters Eindrücke sowohl aus Bulgarien als auch aus Amerika hat. Auf die Frage, in welchem Bulgarien er eines Tages leben möchte, antwortete er: 
„Ich würde gerne in einem Staat ohne Korruption leben, in dem es wirklich Politiker gibt, denen das Volk am Herzen liegt, aber das wird wohl nicht passieren.“

FOTO Maria Samitschkowa

Petko Draganow ist Mitglied der Wahlkommission in Las Vegas und ist eigens aus Bulgarien angereist, um den Prozess zu beobachten. Er sagt, dass die Wahlbeteiligung in der ersten Tageshälfte gut gewesen sei, und zeigt sich beeindruckt von der Verantwortung der Landsleute, von denen einige stundenlang reisen, um zu wählen, aufgrund der begrenzten Zahl der Wahllokale in den USA bei dieser Abstimmung. 

FOTO Maria Samitschkowa

Vor dem Wahllokal seien viele Menschen, viele Familien kämen mit ihren Kindern zum Wählen, berichtet zudem unsere Mitarbeiterin Maria Samitschkowa. Auch die Schriftstellerin und Dozentin Teja Torom kommt mit Hoffnung zum Wahllokal in Las Vegas:

„Wir sind hier zusammen mit vielen Bulgaren, weil wir alle offenbar eine Veränderung bei diesen erneuten Wahlen wollen und sehr hoffen, dass sie nicht mehr so häufig stattfinden wie bisher. Unser Land ist wirklich am Limit, es muss diesmal etwas anderes passieren, und ich drücke die Daumen – wir alle hoffen sehr, dass es geschieht“, sagt unsere Landsfrau. Zu ihren Erwartungen an die neuen Regierenden fügt sie hinzu:

„Bulgarien tragen wir immer in uns, aber wenn wir physisch dorthin zurückkehren, wollen wir Menschen sehen, die glücklicher und zufriedener sind, die eine Perspektive sehen, in Bulgarien zu leben. Und dass alles Bulgarische auch außerhalb unserer Grenzen verbreitet wird – Kultur, Literatur und alles Wertvolle, was wir anbieten können. Meiner Meinung nach sollten diejenigen wählen dürfen, die eine starke Verbindung zu Bulgarien haben und sich tief mit dem Land verbunden fühlen. Es gibt immer Menschen, die keine Veränderung sehen wollen, aber alle, die sich für Bulgarien interessieren und es in sich tragen, sollten dieses Recht haben.“ 

FOTO Maria Samitschkowa

Interviews: Maria Samitschkowa

Text: Elena Karkalanowa

Übersetzung: Lyubomir Kolarov