Autor
Gergana Mantschewa
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Tierhaltungsbetriebe in Bulgarien gehen drastisch zurück
Wie sich Bulgarien vom traditionellen Milchproduzenten zu einem Markt für Importprodukte entwickelt
Dienstag 28 April 2026 15:10
Dienstag, 28 April 2026, 15:10
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Der Rückgang der Produktion im Milch- und Molkereisektor in Bulgarien ist dramatisch. Besonders betroffen sind kleine Betriebe und Tierhaltungsfarmen – zu diesem Schluss kommt die Gewerkschaft KNSB, die monatlich Daten zu Preisen und Produktion analysiert und vergleicht. Der Milchkonsum im Land sinkt jedoch nicht, vielmehr werden die fehlenden Mengen durch importierte Milchprodukte ersetzt. Der Import hält die Preise konstant hoch – ein Problem, das Produzenten wie Verbraucher seit vier Jahren beobachten.
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Nach Angaben der Kommission zum Schutz des Wettbewerbs ist die Zahl der Milchkühe zwischen 2020 und 2025 um 25 Prozent zurückgegangen, die der Mutterschafe sogar um 40 Prozent. Auch die Zahl der Betriebe ist stark gesunken: Die Rinderfarmen haben sich im selben Zeitraum um 66 Prozent reduziert – mehr als die Hälfte ist verschwunden. Das wirke sich auf den gesamten Milchsektor aus, warnte die KNSB und forderte staatliche Schutzmaßnahmen.
Plamen Dimitrow
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„Das Modell der Preisbildung und der Verteilung der Wertschöpfung im Milchsektor hat in den vergangenen fünf bis sechs Jahren zu einer systematischen Unterdrückung der Erzeugerpreise geführt. In der Folge kam es zu einem drastischen Rückgang kleiner und mittlerer Betriebe sowie des gesamten Viehbestands an Büffeln, Schafen und Kühen. Die Produktion bulgarischer Milch ist stark gesunken. Gleichzeitig bleiben die Aufschläge unverändert – in den Handelsketten liegen sie zwischen 90 und 130 Prozent. Das ist skandalös. Die Verbraucher in Bulgarien zahlen weiterhin die höchsten Preise in der EU für Milchprodukte wie Kaschkawal und Käse.“
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Die Probleme, mit denen kleine Betriebe konfrontiert sind, bestätigt auch die Familie Todorow, die im nahe bei Sofia gelegenen Dorf Losen einen Hof mit 60 Kühen und 60 Schafen betreibt. Es handelt sich um ein über Generationen weitergegebenes Familienerbe, das sie trotz aller Schwierigkeiten fortführen.
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„Für uns gibt es keinen freien Tag – die Arbeit auf dem Hof geht jeden Tag im Jahr weiter“, sagte die junge Landwirtin Gabriela Todorowa. Ihrer Ansicht nach ist es für kleine Betriebe nahezu unmöglich, Zugang zum Einzelhandel zu erhalten:
Gabriela Todorowa
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„Weder der Staat noch die EU-Vorgaben helfen uns. Wenn wir etwa Serbien und die Türkei vergleichen, wo es diese Anforderungen nicht gibt, sehen wir dort viel mehr Bauernmärkte, auf denen man Käse, Milch oder Kaschkawal direkt vom Erzeuger kaufen kann. Bei uns kommen mehrere Behörden, belasten den Betrieb, und alles geht rückwärts. Eigentlich ist das, was wir machen, nicht einmal ein richtiges Geschäft – um profitabel zu sein, müsste man viel mehr Tiere halten. Für unsere Tiere erhalten wir Subventionen zwischen 4.000 und 6.000 Euro. Im vergangenen Jahr haben wir keine bekommen, und selbst diese Summe würde nicht einmal anderthalb Monate Futter decken. Ein weiteres großes Problem ist der Mangel an Tierärzten. In unserer Region Pantscharewo gibt es für etwa 20 Dörfer nur einen Tierarzt. Junge Fachkräfte entscheiden sich eher für Haustiere wie Hunde und Katzen und nicht für Nutztiere. Aus all diesen Gründen sterben die landwirtschaftlichen Betriebe in Bulgarien aus“, so Todorowa.
Hinzu kommt: Das Durchschnittsalter der Tierhalter in Bulgarien liegt bei 68 Jahren.
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„Das sind meist ältere Menschen, die oft weder die Möglichkeit noch die Zeit haben, die umfangreichen staatlichen Anforderungen zu erfüllen. Sie schaffen es kaum, sich um ihre Tiere zu kümmern, weshalb der Viehbestand weiter zurückgeht. Alles ist unnötig kompliziert und erschwert die Arbeit der Lebensmittelproduzenten. In Zukunft werden die Menschen zwar nach sauberer, regionaler Nahrung suchen – aber es wird kaum noch jemanden geben, der sie produziert“, warnte Gabriela Todorowa.
Übersetzung: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov