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Der Dirigent der „Symphonietta – Wraza“, Christo Pawlow, vor Radio Bulgarien:

Publikumsreaktionen ziehen weltbekannte Künstler nach Bulgarien

Sonntag, 26 April 2026, 12:19

Christo Pawlow

Christo Pawlow

FOTO FACEBOOK /VRATSA SYMPHONY

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Der Mangel an Fachkräften – eines der zentralen Probleme auf dem Arbeitsmarkt in Bulgarien – zeigt sich besonders deutlich, wenn man die Zusammensetzung der Symphonieorchester in der Hauptstadt und im Land betrachtet. Im Orchester der Stadt Wraza liegt das Verhältnis zwischen Bulgaren und Ausländern bei etwa 50:50. Obwohl es ein positives Beispiel dafür ist, wie Bulgaren und Ausländer in einem Ensemble zusammenarbeiten und ihr Arbeitsumfeld als Herzensangelegenheit verstehen und dem Dirigenten vertrauen, zeichnet der Dirigent Christo Pawlow im Interview mit Radio Bulgarien eine eher schwierige Entwicklung ab: 



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„Bei uns beginnt das erst jetzt, leider aus der Not heraus, sich zu einer Praxis zu entwickeln, weil es für einige Instrumente praktisch keine Fachkräfte mehr gibt“, sagt der Dirigent. „Vielleicht würde sich das ändern, wenn diese Ausbildung wieder eine staatliche Priorität wird. Meist vergeht mehr als eine Generation, bis man Veränderungen wirklich spürt – etwas kann aufgebaut werden, aber verloren geht es von heute auf morgen. Ich weiß nicht, ob ich noch eine echte positive Wende erleben werde“, sagte Pawlow.  

Seinen Worten zufolge ist dies ein Trend, der auch weltweit zu beobachten ist. Er verweist auf Japan und Südkorea, wo sich die Entwicklung umkehrt – dort werden mehr Musiker ausgebildet, als der Arbeitsmarkt aufnehmen kann. 

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Eine der besonderen Chancen für das Orchester in diesem Jahr war im Februar das Engagement des weltberühmten britischen Geigers Nigel Kennedy, der die Musiker für seine beiden Konzerte in Sofia und Warna auswählte. 

Nigel Kenedy

FOTO Alexander Sandev

„Das war eine außergewöhnlich glückliche Zeit, besonders für die jüngeren Musiker im Orchester, die erst am Anfang ihrer Karriere stehen und zuvor kaum in Orchestern gespielt hatten, bevor sie zu uns kamen. Das Schöne war, dass auch er denselben Eindruck mitnahm und die Zusammenarbeit mit einem so jungen Orchester sehr genoss, das all seine Anforderungen erfüllte“ 

„Und die Anforderungen eines Künstlers seines Formats können sehr vielfältig sein“, betonte Pawlow:

„Er kann alles spielen, weil er musikalisch alles erlebt hat. Heute ist er auch als Komponist aktiv und verbindet in seiner Musik viele Genres auf eine eklektische, aber zeitgemäße Weise. Er ist in seinen Anforderungen sehr überzeugend, weil er sofort vormacht, wie etwas klingen soll, und fast immer erklärt, warum er es genau so will“, so Pawlow.  

Georgi Andreew

FOTO Alexander Sandev

Teil des Programms der beiden Konzerte waren auch Werke des bekannten bulgarischen Komponisten Georgi Andreew, der laut Pawlow ein „regelmäßiger Gast bei Konzerten von Nigel Kennedy ist, mit dem er sich gerne musikalische Duelle liefert“. 

Dozent Pawlow hat nicht persönlich mit Kennedy darüber gesprochen, was ihn nach Bulgarien zieht, doch andere Musiker, die das Land kennen, berichten übereinstimmend: 

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„Alle sind sich einig, dass das Publikum in Bulgarien sehr aufgeschlossen ist. Selbst wenn es jemanden zunächst zurückhaltend empfängt, zeigt es seine Emotionen sehr ehrlich und intensiv. Anders als in weiter entfernten Regionen außerhalb Europas ist es für Musiker seines Formats, die gerne musikalische Grenzen überschreiten, wichtig, dass das Publikum die Zitate aus früheren Kompositionen erkennt. In Bulgarien passiert genau das – die Menschen reagieren auf diese musikalischen Bezüge und erkennen sie wieder. Man merkt, dass sie diesen Dialog zwischen Künstler und Publikum verstehen“, sagte Pawlow abschließend. 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov