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Unser Verein „L bulgaricus“ ist ein Zentrum der Bulgaren in Thüringen
Sonntag 3 Mai 2026 16:20
Sonntag, 3 Mai 2026, 16:20
FOTO L. BULGARICUS JENA E.V
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Das Leben von Deniza Kißler, Tochter unserer Kollegin Diana Tschakarowa, ist eng mit dem Deutschen Sprachgymnasium in Sofia und der Kunstgeschichte verbunden, in der sie mit einer Arbeit über „Bulgarisch-deutsche Beziehungen in der bildenden Kunst“ promoviert hat. 15 Jahre ihres Lebens widmete sie verschiedenen Kunstprojekten, darunter auch eines zu einem bedeutenden Jubiläum. Ende 2008 wurde in Bulgarien anlässlich des 450-jährigen Bestehens der Münchner Kunstakademie eine Ausstellung eröffnet, die bulgarischen Künstlern gewidmet war, die dort ausgebildet wurden – darunter Jan Mrkvička, Jaroslav Věšín, Boris Denew, Detschko Usunow und Georges Papazoff. Kuratorin war unsere Landsfrau, deren Leben von zahlreichen Herausforderungen geprägt ist.
Alles begann 1993, als Kißler, damals Studentin an der Kunstakademie in Sofia, erstmals nach Berlin reiste. In einem Saal des Schlosses Charlottenburg begegnete sie dem Mann, der später ihr Ehemann wurde.
Deniza Kißler
FOTO Privatarchiv von Deniza Kißler
Er schlug ihr vor, das Geburtshaus des bekannten deutschen Grafikers Wilhelm Heinrich Otto Dix im nahegelegenen Gera bei Jena zu besuchen, danach Dresden und den Museumskomplex Zwinger. So begann ganz unbemerkt ihre Beziehung, die viele Herausforderungen überstand und inzwischen seit mehr als 30 Jahren besteht. Seit 2009 lebt Deniza mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Jena – einer Stadt, von der sie schon als Kind gehört hatte:
Jena
FOTO Privatarchiv von Deniza Kißler
„Jena ist keine sehr bekannte Stadt, eher klein und eine Universitätsstadt. Dort wirkte jedoch Carl Zeiss, und dort entstand auch die Firma für Jenaer Glas. Außerdem gab es dort den bekannten Pädagogen Peter Petersen, der die Methode des gegenseitigen Lernens entwickelte, die bis heute angewendet wird. Mein Großvater promovierte während des Zweiten Weltkriegs bei ihm und entwickelte das System in Bulgarien weiter. Sein Name war Najden Tschakarow“, sagte Kißler.
Nach einigen Jahren knüpfte die Bulgarin Kontakte zu Dozenten an der Universität, die sie herzlich aufnahmen und ihr bald eine Tätigkeit anboten:
Treffen mit Georgi Gospodinow im Rahmen der Tage der Bulgarischen Kultur, die 2019 von dem Verein organisiert wurden.
FOTO Privatarchiv von Deniza Kißler
„2014 wandte sich die Bulgaristin Gergana Bürger an mich und fragte, ob ich sogenannte Aufsatzübungen übernehmen möchte – eine Art kreatives Schreiben. Ich entwickelte Themen, die mich interessierten: Kultur, Geschichte und die Beziehungen zwischen Bulgarien und Deutschland. Später wurde ich gefragt, ob ich auch Bulgarisch unterrichten möchte. Daraus entstand eine wunderbare Zusammenarbeit“, erzählte Kißler.
2017 wurde auf Initiative der Forscherin Dr. Tanja Dimitrowa, die nach Jena kam, um über die bulgarische Emigration in Deutschland zu sprechen, ein Verein der Bulgaren in Jena gegründet – einer Stadt, in der ein Teil der insgesamt 4.960 Bulgaren in Thüringen lebt.
FOTO Privatarchiv von Deniza Kißler
„Die Bulgaren in Jena kommen aus verschiedenen Gründen – zum Studium, als Fachkräfte oder aus persönlichen Motiven. Tanja brachte damals viele von uns zusammen und schlug vor, den Verein zu gründen. Wir nannten ihn ‚L bulgaricus‘ und arbeiteten im ersten Jahr mit der Sonntagsschule ‚Nikola Wapzarow‘ in Erfurt zusammen. Wir organisierten die ersten ‚Bulgarischen Kulturtage in Thüringen‘, mit dem Ziel, verschiedene Facetten der bulgarischen Kultur zu präsentieren“, so Kißler.
FOTO Privatarchiv von Deniza Kißler
Inzwischen wurde das Festival siebenmal veranstaltet. Es umfasst ein klassisches Konzert, eine Folkloreveranstaltung – neben dem Verein existiert auch die Folkloregruppe „Gisdawa Moma“ –, eine Lesung mit einem bulgarischen Autor, eine Ausstellung sowie die Vorführung eines bulgarischen Films. Auf diese Weise hat sich Jena zu einem organisierten Zentrum der Bulgaren in Thüringen entwickelt.
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov