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Kyrill-und-Method-Kulturweg erschließt über 11 Jahrhunderte europäisches Erbe

Sonntag, 24 Mai 2026, 09:39

Kyrill-und-Method-Kulturweg erschließt über 11 Jahrhunderte europäisches Erbe

FOTO MITROPOLIA-SOFIA.ORG

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Im Jahr 2021 wurde der „Weg der Heiligen Kyrill und Method“ zu einem der 48 europäischen Kulturrouten erklärt. Damit erhielt die kyrillisch-methodische Schrift-, Kultur- und Religions­tradition eine weitere Anerkennung als untrennbarer Bestandteil des kulturellen Erbes Europas. An dieser Reise durch Zeit und Raum können sich insgesamt 21 Länder beteiligen. 

Die Idee für den Kulturweg entstand als Partnerschaftsinitiative mehrerer Gemeinden in der Grenzregion zwischen Tschechien und der Slowakei – auf dem Gebiet des einstigen Großmährischen Reiches. „Die Mission von Kyrill und Method, einschließlich der Schaffung der ersten slawischen Schrift – der Glagoliza –, ist eng mit dieser großmährischen Mission verbunden“, erklärte Dr. Elka Slatewa vom Kyrill-und-Method-Forschungszentrum der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften. 

2019 reichten mehrere Organisationen aus beiden Ländern einen Antrag beim Europarat zur Zertifizierung der Route ein, erhielten jedoch eine Absage mit der Begründung, dass das kyrillisch-methodische Erbe weitaus größere Teile Europas umfasse. Ein Jahr später wurde Bulgarien eingeladen, sich der Initiative anzuschließen, die die slawische Schrift- und Religions­tradition präsentiert. 

Dr. Elka Slatewa

Dr. Elka Slatewa

FOTO Diana Zankowa

Diese Tradition ist äußerst vielfältig – sie umfasst kirchliche und weltliche Feiertage ebenso wie wissenschaftliche und Bildungsprogramme, Kunstfestivals, Volksfeste und Pilgerreisen“, erläuterte Dr. Slatewa. Es handelt sich um ein vielschichtiges Erbe, das sich über mehr als 11 Jahrhunderte auf dem europäischen Kontinent entwickelt hat und Teil der Identität vieler slawischer Völker geworden ist. Für die bulgarische nationale Identität besitzt es eine besonders große Bedeutung.“ 

Welche Spuren des Wirkens von Kyrill und Method sowie ihrer Schüler in Bulgarien Teil dieses europäischen Kulturwegs sind? 

„Es gibt eine große Vielfalt an Objekten – Kirchen, Museen, archäologische Reservate und architektonische Ensembles“, so die Wissenschaftlerin. „Auch das immaterielle Kulturerbe spielt eine wichtige Rolle – in Form von Festen, Bildungsinitiativen und kulturellen Veranstaltungen“. 

In Bulgarien wurden bisher zahlreiche Stätten identifiziert, die mit Kyrill und Method verbunden sind. Da ihre Schüler hier wirkten, ist auch das Erbe der sogenannten Heiligen Sieben weithin präsent. 

Kloster „Hl. Kyrill und Method“ in Gorna Banja

Kloster „Hl. Kyrill und Method“ in Gorna Banja

FOTO MITROPOLIA-SOFIA.ORG

Dazu zählen 115 Kirchen, die den Heiligen Kyrill und Method sowie ihren Schülern gewidmet sind, zwei Klöster mit ihren Namen, 11 Kapellen, rund 100 Kultstätten und ebenso viele Kulturhäuser, 264 Schulen, vier Universitäten sowie die Nationalbibliothek. Bemerkenswert ist zudem, dass auch die bulgarische Diaspora im Ausland das Andenken an die Heiligen bewahrt – 37 Prozent der Sonntagsschulen tragen ihren Namen. 

Kyrill-und-Method-Kulturweg erschließt über 11 Jahrhunderte europäisches Erbe

FOTO BTA

Ausländische Besucher, die Bulgarien im Rahmen dieser Route bereisen, erhalten einen grundlegenden Einblick: 

„Die Rolle Bulgariens bei der Bewahrung und Entwicklung der slawischen Schrifttradition ist außerordentlich bedeutend“, betonte Dr. Slatewa. „Kyrill und Method schufen die erste slawische Schrift – die Glagoliza. Ihre Schüler entwickelten daraus die Kyrillische Schrift weiter, angepasst an die Bedürfnisse des bulgarischen Staates. Heute gehört sie zu den am weitesten verbreiteten Schriftsystemen weltweit – mehr als 300 Millionen Menschen nutzen sie. Mit dem EU-Beitritt Bulgariens wurde sie zudem als europäische Schrift anerkannt. 

Die älteste kyrillische Inschrift aus dem Jahr 921

Die älteste kyrillische Inschrift aus dem Jahr 921

FOTO Miroslaw Georgiew

Touristen entlang der Route besuchen vor allem Regionen ehemaliger bulgarischer Hauptstädte sowie Klöster, die einige der ältesten datierten kyrillischen Inschriften bewahren – etwa die Felsenklosteranlage beim Dorf Krepcha mit einer Inschrift aus dem Jahr 921. Ebenso ziehen Bibliotheken und Museen mit wertvollen glagolitischen und kyrillischen Handschriften großes Interesse auf sich. 

Ergänzt wird das Angebot durch zahlreiche Formen immateriellen Kulturerbes – etwa Kalligrafie-Workshops oder lokale Bildungsinitiativen. 

Kyrill-und-Method-Kulturweg erschließt über 11 Jahrhunderte europäisches Erbe

FOTO KMNC.BG

„Eine Besonderheit dieses Kulturwegs ist, dass er kein klassischer Pilgerweg ist“, fügte Dr. Slatewa hinzu. „Er umfasst auch ein wissenschaftliches Netzwerk aus Instituten und Universitäten sowie Bildungsorganisationen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.“ 

Bulgarien verfüge über gute Voraussetzungen für die Entwicklung eines authentischen Kulturtourismus, doch seien neue, für moderne Reisende attraktivere Formate erforderlich. In den letzten Jahren habe sich insbesondere der Fahrradtourismus als gefragte Alternative etabliert. 

Für den Ausbau entsprechender Routen, die zu bedeutenden historischen und kulturellen Stätten führen, sei jedoch eine bessere Infrastruktur notwendig. 

Historische Stätte Kloster Rawna, Prowadia

Historische Stätte Kloster Rawna, Prowadia

FOTO MUZEI-PROVADIA.COM

„Der Zugang zu vielen wichtigen Objekten aus dem Ersten und Zweiten Bulgarischen Reich sowie aus der Zeit der Wiedergeburt ist derzeit erschwert“, erklärte die Wissenschaftlerin. Trotz dieser Herausforderungen entwickle sich der „Weg der Heiligen Kyrill und Method“ weiter und sein Netzwerk wachse stetig.

„Kulturrouten sind ein interessantes Instrument, um das kulturelle Erbe Europas auf neue Weise zu präsentieren – für einen neugierigen und anspruchsvollen modernen Besucher“, resümierte Dr. Elka Slatewa. 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov