Wer schrieb den Eintrag zu Method im Reichenauer Verbrüderungsbuch?

Sonntag, 24 Mai 2026, 16:50

Der Codex der Bruderschaft von Reichenau

Der Codex der Bruderschaft von Reichenau

FOTO ZB.UZH.CH

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Im Verbrüderungsbuch des Klosters Reichenau – der sogenannten Konfraternitätsliste – finden sich auf Seite 40 (bzw. 53 in der digitalen Version der Zentralbibliothek Zürich) unter den „Namen der tätigen Brüder des ehrwürdigen Klosters“ die Einträge Method, Leon, Ignatios, Joakim, Simeon und Dragais. Wie kam es zu diesem Eintrag – und wie gelangte der Heilige Method in das Kloster? 

Historischer Hintergrund und die großmährische Mission 

Ende des 8. und Anfang des 9. Jahrhunderts verschwand das Awarenkaganat in Mitteleuropa unter dem Druck der Franken und schließlich auch der Bulgaren. An seiner Stelle entstanden slawische Fürstentümer, formal den Franken unterstellt, darunter Großmähren. 

Im Jahr 863 wurden die Brüder Kyrill und Method auf Bitte des großmährischen Fürsten Rostislaw entsandt, um das Land zu christianisieren. 

„Kyrill und Method kommen in Velehrad an“, Autor Josef Mathauser

„Kyrill und Method kommen in Velehrad an“, Autor Josef Mathauser

FOTO wikipedia.org

In dieser Zeit stand der Patriarch von Konstantinopel, Photios, im Konflikt mit Papst Nikolaus I. über die Christianisierung Bulgariens. Da die Mission in Gebieten unter päpstlicher Jurisdiktion stattfand, entsandte Photios bewusst keine Bischöfe. Kyrill war damals etwa 35 Jahre alt und Gelehrter, Method, Abt eines Klosters am Olymp, etwa 47 Jahre alt. 

Nach Abschluss ihrer Mission und der Ausbildung einheimischer Geistlicher machten sich die Brüder auf den Weg nach Rom, um die Anerkennung ihrer Arbeit zu erlangen. 

Kyrill und Method bringen die Reliquien des hl. Klemens nach Rom, Fresko in der Basilika „San Clemente“

Kyrill und Method bringen die Reliquien des hl. Klemens nach Rom, Fresko in der Basilika „San Clemente“

FOTO zb.uzh.ch

In Rom und danach 

Im Jahr 868 wurden sie in Rom von Papst Hadrian II. empfangen. Kyrill starb dort und wurde in der Basilika „San Clemente“ beigesetzt. Die päpstliche Kurie erkannte die slawische Liturgie an. Method setzte die Mission fort und wurde zum Erzbischof von Sirmium ernannt. 

Gefangenschaft und Verbannung 

Nach politischen Umwälzungen in Großmähren wurde Method 870 von deutschen Bischöfen gefangen genommen und vor Gericht gestellt. Ihm wurde vorgeworfen, ohne Erlaubnis in fremden Diözesen zu predigen. Anschließend wurde er für zwei Jahre auf die Insel Reichenau im Bodensee verbannt. 

Die Alte Kapelle in Regensburg mit einer Gedenktafel zur Gefangenschaft des hl. Method

Die Alte Kapelle in Regensburg mit einer Gedenktafel zur Gefangenschaft des hl. Method

FOTO Archiv

Der Eintrag im Kloster Reichenau 

Aus dem dortigen Benediktinerkloster ist ein einzigartiges schriftliches Zeugnis erhalten geblieben: Im Verbrüderungsbuch sind die Namen Methods und seiner Begleiter verzeichnet. Ob der Eintrag von Method selbst oder von einem seiner Schüler stammt, lässt sich nicht eindeutig klären. 

Das Kloster auf der Insel Reichenau

Das Kloster auf der Insel Reichenau

FOTO Archiv

Auffällig ist, dass die Namen in einer anderen Schrift und nicht auf Latein verfasst sind. Während bei einigen Namen diskutiert wird, ob sie griechisch oder slawisch geschrieben sind, gilt der Name „Dragais“ eindeutig als slawisch – und zwar in kyrillischer Schrift, nicht in Glagoliza. 

Diese Tatsache stützt die These des britischen Historikers Steven Runciman, wonach Glagoliza und Kyrillisch möglicherweise gleichzeitig von Kyrill und Method geschaffen wurden – noch vor ihrer Mission nach Großmähren.

Wer schrieb den Eintrag zu Method im Reichenauer Verbrüderungsbuch?

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Späte Jahre und Vermächtnis 

Nach seiner Freilassung im Jahr 873 begann die fruchtbarste Phase von Methods Wirken. Er bildete über 200 Priester aus, setzte seine Übersetzungsarbeit fort und missionierte unter Polen, Tschechen und Ungarn. 

Im Jahr 885, nachdem er seinen Nachfolger Gorasd bestimmt hatte, nahm Method letztmals am Gottesdienst in der großmährischen Hauptstadt Velehrad teil. Zwei Tage später verstarb er. 

Das Denkmal der Hll. Kyrill und Method in Třebíč, Tschechische Republik

Das Denkmal der Hll. Kyrill und Method in Třebíč, Tschechische Republik

FOTO wikipedia.org

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov