„Podkrepa“: Zum 1. Mai fordern wir „Sicherheit, Arbeitsplätze und Löhne jetzt!“

In Bulgarien gibt es noch immer kein Gewerkschaftsgestzt, was den Schutz der Rechte von Journalisten erschwert, sagte Sneschana Todorowa, Vorsitzende des Bulgarischen Journalistenverbands

Freitag, 1 Mai 2026, 12:23

„Podkrepa“: Zum 1. Mai fordern wir „Sicherheit, Arbeitsplätze und Löhne jetzt!“

FOTO BGNES

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Der 1. Mai gilt als Internationaler Tag der Arbeit und der Arbeitersolidarität, offizieller Feiertag und arbeitsfreier Tag in Bulgarien sowie in vielen Teilen der Welt. Der Feiertag ist seit 1939 offiziell anerkannt und wird traditionell mit von den Gewerkschaften organisierten Umzügen und Kundgebungen begangen.

Die bulgarischen Arbeiter sind hoch bewusste Werktätige, die nicht weniger als ihre Brüder jenseits des Ozeans begriffen haben, dass es eine Regelung der mit ihrer Arbeit verbundenen Vorschriften geben muss“, sagte Ing. Ioanis Parteniotis, Vizepräsident der KT „Podkrepa“. Er erinnerte an die gewerkschaftlichen Errungenschaften im Laufe der Jahrzehnte:


Ioanis Parteniotis

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All diese „Selbstverständlichkeiten“ von heute, wie der Achtstundentag, die Fünftagewoche, die Leistungen bei Mutterschaft, Arbeitslosigkeit, Krankengeld, Arbeitskleidung, Arbeitsbedingungen, Urlaub usw., wurden von unseren Vorfahren und auch von einem Teil unserer Generation hart erkämpft. Diese Dinge sind keine Selbstverständlichkeit, sie müssen verteidigt und ausgebaut werden. Die Welt und wir selbst in Bulgarien leben unter völlig anderen Bedingungen – die aktuellen Herausforderungen sind sowohl interner als auch externer Natur. Beispielsweise die militärischen Konflikte, die nicht nur andauern, sondern immer neue Probleme in Bezug auf die Versorgung mit Öl, Rohstoffen und Gütertransport mit sich bringen. Nicht zuletzt die Anforderungen, die sich die EU mit dem sogenannten „Green Deal“ selbst auferlegt, und die damit verbundenen CO₂-Emissionen, die die Strompreise erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen und insbesondere der bulgarischen Industrie im internationalen Vergleich beeinträchtigen. All dies wirkt sich auf das Wohlergehen unserer Gesellschaft aus, zu der auch die arbeitende Bevölkerung gehört“, betonte Ioanis Parteniotis.

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Seit bereits fünf Jahren gibt es in unserem Land eine politische Krise, die zu Instabilität, Unsicherheit und zu einer Einschränkung der Investoren geführt hat, die Kapital in unser Land investieren – so Ing. Ioanis Parteniotis weiter:

Ich hoffe sehr, dass nach den letzten Wahlen (am 19. April) bei unserer politischen Elite ein Umdenken eintritt und sie beginnen, reifer zu denken. Denn seit nunmehr fünf Monaten befindet sich der Staat auf Autopilot – ohne verabschiedeten Haushalt, mit eingeschränkten Möglichkeiten und das unter völlig anderen sozialen, wirtschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen. Wir verzeichnen einen Rückgang des Wirtschaftswachstums, und in einigen Industriezweigen herrscht Stagnation. Dies führt wiederum zu einem Rückgang der Einnahmen und der Investitionsmöglichkeiten, einschließlich solcher zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die arbeitenden Bulgaren. Dies gefährdet die Arbeitsplätze der Menschen, es besteht die Gefahr eines Anstiegs der Arbeitslosigkeit, einer Entwertung der Einkommen der Arbeitnehmer und nicht zuletzt – die Gefahr einer Verarmung der Menschen. Der Beitritt zur Eurozone hat bei den bulgarischen Bürgern zusätzliche Unsicherheit und das Gefühl der Verarmung hervorgerufen. In diesem Zusammenhang stehen wir von der Gewerkschaft „Podkrepa“ am 1. Mai dieses Jahres unter dem Motto „Sicherheit, Arbeitsplätze und Löhne jetzt!“, fügte der Gewerkschafter hinzu.

FOTO socbg.com

Der 1. Mai ist in Bulgarien auch der Tag der linken Presse
Anhänger linker Ideale gehen am 1. Mai auf die Straße, um den Kampf für Gleichberechtigung, Solidarität und Gerechtigkeit in der heutigen Zeit zu unterstützen. Gerade die linke Presse, die heute in Bulgarien durch die Zeitung „Duma“ vertreten wird, war im Laufe der Jahre der Ausgangspunkt dieser Umzüge. Auf Initiative der vom Publizisten Stefan Prodew gegründeten Zeitung fand am 1. Mai stets eine Demonstration statt, die im „Borissow-Garten“ mit Grußworten von Führungspersönlichkeiten und einem Konzert endete. „Seit ich mich erinnern kann, gab es auf der Bühne zu diesem Festtag immer Reden von Journalisten mit dem Aufruf, solidarisch zu sein, zusammenzuhalten und gemeinsam für eine fortschrittlichere, gerechtere Welt zu kämpfen“, sagte Sneschana Todorowa, Vorsitzende des Verbandes der bulgarischen Journalisten – der ältesten und repräsentativsten Journalistenorganisation in unserem Land.

Снежана Тодорова - КТ "Подкрепа": За 1 май искаме "сигурност, работни места и заплати сега!"

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Wir setzen uns weiterhin für unsere Kollegen ein, wenn sie sich an uns wenden. Sie wissen, wie viele Entlassungen es gibt und wie groß der Druck auf Journalisten ist, vor allem politischer Natur. In einer Studie der Vereinigung europäischer Journalisten wurden kürzlich Daten veröffentlicht, wonach über 70 Prozent der befragten Journalisten angaben, dass Druck auf sie ausgeübt werde, und zwar vor allem politischer Art. In Bulgarien gibt es leider noch immer kein Gewerkschaftsgesetz, sodass unsere Arbeit auf den Traditionen basiert, die der Verband seit seiner Gründung im Juni 1955, als er die Rechte von Journalisten verteidigte, über die Jahre hinweg gepflegt hat. Wir machen jetzt weiter, aber ohne den Willen des Gesetzgebers und ohne entsprechende gesetzliche Rechte ist dies nur sehr schwer umzusetzen“, unterstrich Sneschana Todorowa.


Übersetzung: Rossiza Radulowa