Autor
Weneta Nikolowa
Nachricht
Bulgaren in Patagonien bewahren Traditionen und Erinnerung
Zenka Genowa: Ich kann in Argentinien nicht leben, ohne an Bulgarien zu denken
Sonntag 31 Mai 2026 16:15
Sonntag, 31 Mai 2026, 16:15
FOTO Facebook /Asociación Búlgara "Kiril y Metodii"
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Im argentinischen Patagonien, am Ende der Welt, bewahrt die Stadt Comodoro Rivadavia die Geschichte bulgarischer Siedler, deren Nachkommen Bulgarien bis heute im Herzen tragen. Eine von ihnen ist Zenka Genowa, gebürtig aus Trojan, die bereits als Kind im Jahr 1956 gemeinsam mit ihrer Familie nach Argentinien kam. Ihr Leben steht beispielhaft für die Verbundenheit sowohl mit der neuen Heimat, in der sie Medizin studierte und eine erfolgreiche Laufbahn als Chefärztin in staatlichen Krankenhäusern einschlug, als auch mit dem fernen Bulgarien. Gegenüber Radio Bulgarien erzählte sie, wie Sprache und familiäre Traditionen sie stets zu ihren Wurzeln hingezogen hätten.
Zenka Genowa
FOTO Privatarchiv
„Zu Hause wurde immer Bulgarisch gesprochen. Damals gab es viele bulgarische Familien, die sich hier niedergelassen hatten. Es war üblich, dass wir uns fern der Heimat trafen. Heute sind nur noch die Nachkommen geblieben – zweite oder dritte Generation. Sehr wenige sind Kinder der ersten Einwanderergeneration. In Comodoro Rivadavia gibt es keine neuen Einwanderer nach dem Ende des Kommunismus in Bulgarien. Alle stammen aus der ersten Welle. Ich glaube, ich bin die Einzige, die noch als echte Bulgarin, in Bulgarien geboren, hier lebt“, sagte Zenka Genowa.
FOTO Bulgarischer Verein „Kyrill und Method“ – Comodoro Rivadavia
Heute wird diese lebendige Verbindung durch die Tätigkeit des bulgarischen Kulturvereins „Kyrill und Method“ gepflegt, der bereits 1989 gegründet wurde. Zu den Gründern gehörte auch Zenkas Vater. Der Verein ist das Herz der Gemeinschaft – ein Ort, an dem selbst junge Menschen, die die Sprache nicht beherrschen, versuchen, das Erbe ihrer Vorfahren durch Musik, Tanz und Traditionen zu erforschen und zu bewahren. „Sie haben sogar gelernt, wie man bulgarische Kebaptsche, Fleischbällchen oder Sauerkraut mit Speck und Gewürzen zubereitet“, erzählte Zenka. Auch sie selbst beteiligt sich aktiv am Vereinsleben und berichtete über dessen Initiativen:
FOTO Facebook /Asociación Búlgara "Kiril y Metodii"
„Wir feiern im Verein vor allem den 3. März, verteilen Martenizas an die Gäste dieser Feste. Wir erklären den Brauch, seine Bedeutung und unsere Geschichte, denn früher war Bulgarien hier kaum bekannt. In den letzten Jahren haben soziale Netzwerke neue Möglichkeiten zur Popularisierung geschaffen. Wir sind auch Teil der Föderation ausländischer Vereine geworden. Das wichtigste Ereignis ist der 4. September – der Tag der Einwanderer, an dem eine Königin unter den Mädchen aller Vereine der Stadt gewählt wird“, so Genowa.
FOTO Facebook /Asociación Búlgara "Kiril y Metodii"
In letztem Jahr wurde Bulgarien bei dem Fest würdig von den jungen Kulturvertretern des Vereins, Ezequiel Quintero und Erika Perales, repräsentiert – einer Urenkelin bulgarischer Einwanderer, die eine Tanzgruppe für bulgarische Folklore leitet und Mitglied der vokal-instrumentalen Formation „Orpheus“ ist. Auch Zenkas Tochter Dona leitete einst die Tanzgruppe. Trotz der tausenden Kilometer Entfernung bleibt die Liebe zu Bulgarien stark und unverändert:
FOTO Facebook /Asociación Búlgara "Kiril y Metodii"
„Was bedeutet Bulgarien für mich? Ich bin sowohl Bulgarin als auch Argentinierin. Ich kann hier in Argentinien nicht leben, ohne an Bulgarien zu denken. Und wenn ich in Bulgarien bin, träume ich von Argentinien. Einwanderer können die Verbindung zu ihrer Heimat nie ganz abbrechen. Wir sind stolz auf dieses scheinbar kleine Land. Bulgarien gilt als der älteste Staat Europas, und wir besitzen den ältesten Goldschatz, der in der Nähe von Warna entdeckt wurde. Außerdem haben wir mit Plowdiw die älteste Stadt Europas, einst Philippopolis genannt. Wir müssen dafür sorgen, dass Bulgarien bekannter wird und man weiß, wie viel es der Welt gegeben hat“, sagte Zenka Genowa abschließend.
FOTO Facebook /Asociación Búlgara "Kiril y Metodii"
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov