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7. Mai – Tag von Radio und Fernsehen
Moderne Medien im Kampf um das Vertrauen des Publikums
Vertrauen bestimmt heute die Qualität der Medien, sagt Sergej Stanowkin von der BBC
Donnerstag 7 Mai 2026 15:23
Donnerstag, 7 Mai 2026, 15:23
FOTO Ani Petrowa
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Über Jahrzehnte hinweg wurde in Bulgarien der 7. Mai als Tag von Radio und Fernsehen begangen – zur Erinnerung an die erste Vorführung eines Radiogeräts durch den russischen Physiker und Ingenieur Alexander Popow im Jahr 1895.
Bis heute betrachten viele Radio- und Fernsehjournalisten diesen Tag als ihren Berufsfeiertag, obwohl der offizielle Welttag des Radios, der von der UNESCO festgelegt wurde, am 13. Februar begangen wird.
Wie sieht jedoch die heutige Welt der elektronischen Medien aus und welche Herausforderungen stehen ihnen gegenüber? Darüber sprachen wir mit Sergej Stanowkin, dem Handelsvertreter von BBC News für die Region Eurasien. Zu seinem beruflichen Werdegang gehört auch die Entwicklung des Bildungsprogramms „Modern Media“ für die BBC Academy, das sich auf die Transformation nationaler Fernsehsender und die Schaffung international wettbewerbsfähiger TV-Kanäle in einer zunehmend globalisierten Medienwelt konzentriert.
„Ich habe an der Fakultät für Physik und Weltraumforschung des Moskauer Instituts für Physik und Technologie studiert. Gleichzeitig habe ich aber immer Zeitungen gelesen und mich dafür interessiert, wie Medien das Bild einzelner Staaten prägen. Mich faszinierte die Frage, warum Medien einen so großen Einfluss auf das Image von Ländern und Unternehmen weltweit haben“, erzählte Sergej Stanowkin.
Sergej Stanowkin
FOTO Krassimir Martinow
Sein Interesse an Nachrichten habe sich schließlich Ende 2005 konkretisiert, als ihm angeboten wurde, zunächst als Vertreter von BBC World News in Moskau zu arbeiten und Partnerschafts- sowie Handelsprojekte für den Fernsehsender umzusetzen.
Auf die Frage nach den größten Herausforderungen der Medien antwortete Stanowkin:
„In jedem Land gibt es unterschiedliche Herausforderungen. In vielen Regionen versuchen Medien vor allem mit negativen Nachrichten Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das stößt das Publikum oft ab. Entscheidend bleibt jedoch überall das Vertrauen – das Vertrauen des Publikums“, sagte Stanowkin.
Um Vertrauen aufzubauen, müsse ein Medium vor allem seine Zielgruppe verstehen:
„Informationen müssen aktuell sein, aber auch in einem Format präsentiert werden, das das Publikum nutzen möchte. Der Wettbewerb in den Medien ist längst global geworden. Für viele Menschen ist die Sprache heute kein Hindernis mehr, weil technische Übersetzungsmöglichkeiten existieren. Entscheidend ist die Qualität der Inhalte und wie konkurrenzfähig deren Präsentation ist. Erst dann entsteht Vertrauen – zunächst in die Information und anschließend in das Medium“, so Stanowkin.
Sergej Stanowkin mit dem Chefredakteur von Radio Bulgarien Krassimir Martinow
FOTO Dessislawa Semkowska
Nach Ansicht von Sergej Stanowkin spielen Unterschiede zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Medien für das breite Publikum eine geringere Rolle:
„Die meisten Menschen denken nicht darüber nach, ob ein Medium vom Staat, einer Region oder privaten Sponsoren finanziert wird. Entscheidend ist, ob das Medium ihre Aufmerksamkeit gewinnt.“
Sergej Stanowkin mit der Journalistin Rossiza Petkowa aus der englischen Redaktion von Radio Bulgarien
FOTO Krassimir Martinow
Zur Situation in Bulgarien erklärte er, das Potenzial des Landes sei groß und noch längst nicht ausgeschöpft:
„Bulgarien hat viele politische und gesellschaftliche Veränderungen durchlaufen. In den letzten Jahren hat sich eine Haltung etabliert: ‚Wir warten erst einmal ab.‘ Gerade unter solchen Bedingungen ist es oft am einfachsten, etwas Neues zu beginnen, weil jedes neue Projekt als etwas Besonderes wahrgenommen wird“, erklärte Stanowkin.
Sergej Stanowkin im Studio 39 des Bulgarischen Nationalen Rundfunks (BNR)
FOTO Krassimir Martinow
Bulgarien nehme zudem eine wichtige geoökonomische Position ein, sei international jedoch noch zu wenig bekannt:
„Über Bulgarien wird meist im Zusammenhang mit innenpolitischen Ereignissen gesprochen, weniger im Kontext wirtschaftlicher oder internationaler Entwicklungen. Gleichzeitig ist das Bildungsniveau hoch und die Start-up-Kultur sehr aktiv. Es gibt enormes Potenzial, die Qualität der Kommunikation zu verbessern – damit sie nicht nur häufig und laut, sondern auch präzise, wettbewerbsfähig und auf die richtige Zielgruppe ausgerichtet ist“, sagte Stanowkin abschließend.
Übersetzung: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov