Autor
Zwetana Tontschewa
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Meisterwerke bulgarischer Musikkultur
„Warum verheiratest du mich nicht, Mutter“ – Lieblingslied von Magda Puschkarowa
Freitag 15 Mai 2026 20:00
Freitag, 15 Mai 2026, 20:00
Magda Puschkarowa (1920 – 2006)
FOTO Petar Papakotschew
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Die mystische Strandscha-Gebirge hat viele Gesangstalente hervorgebracht, die den unschätzbaren Folklorereichtum dieser südostbulgarischen Region für kommende Generationen bewahrt haben. Einige von ihnen – wie die unvergessene Janka Rupkina (1938–2026) – machten mit ihrem Talent das Liedgut der Strandscha weltweit bekannt. Doch die erste Sängerin, die maßgeblich zur Popularisierung der Strandscha-Folklore in ganz Bulgarien beitrug, war Magda Puschkarowa.
Magda wurde rund zwei Jahrzehnte vor Rupkina geboren – im April 1920 in Malko Tarnowo, dem Herzen der Strandscha-Region und Zentrum der Nestinaren-Tradition im Südosten Bulgariens, in eine Familie von Flüchtlingen aus Ostthrakien. In ihrer Familie sangen alle – Eltern, Verwandte, Brüder und Schwestern. Von ihnen lernte sie bereits als Kind einen großen Teil ihres beeindruckenden Repertoires. „Wohin ich auch auf der Welt gereist bin – die Strandscha war immer vor meinen Augen, das Blut der Strandscha pulsierte in meinem Herzen und ich sang stets Lieder aus der Strandscha“, erzählte Puschkarowa in einem Interview.
Der Dichter Assen Raszwetnikow nannte sie „die erste Vestalin der Strandscha“ und „die Zauberin der Strandscha-Lieder“. Ihre Verdienste um die Bewahrung und Verbreitung der Traditionen dieser Region sind enorm, weshalb heute Folklorewettbewerbe und Ensembles ihren Namen tragen. Zu Lebzeiten erhielt sie zahlreiche Titel und Auszeichnungen.
Puschkarowa gehörte zu den Künstlerinnen, die mit Konzertprogrammen durch ganz Bulgarien reisten. Doch sie sang nicht nur die Lieder ihrer Heimatregion mit Leidenschaft – oft erzählte sie auch Legenden und Überlieferungen aus der Strandscha und war besonders stolz darauf, dass ihr Großvater zu den Freiheitskämpfern von Kapitan Petko Wojwoda gehört hatte.
Ihre Familie war kinderreich und arm, weshalb sie nur bis zur vierten Klasse zur Schule gehen konnte. Bereits mit elf Jahren begann sie in einer Tabakfabrik zu arbeiten.
Sie heiratete, wurde jedoch früh Witwe. Später ging sie eine zweite Ehe mit dem jungen Offizier Assen Puschkarow ein. Nachdem sie in die Hauptstadt gezogen waren, nahm sie im November 1944 an einem Vorsingen bei Radio Sofia teil. In der Jury saßen der Komponist Bojan Ikonomow, der Dirigent Iwan Kawaldschiew und der Volkssänger Schetscho Doltschinkow. Sie applaudierten den bis dahin unbekannten Melodien und der einzigartigen Stimme aus der Strandscha. Magda wurde eingeladen, live vor den Mikrofonen des Radios zu singen.
Magda Puschkarowa
FOTO burgasmuseums.bg
1951 gehörte sie gemeinsam mit Walkana Stojanowa und Jordanka Iliewa zu den Gründerinnen des Nationalen Folkloreensembles in Sofia und wurde von Filip Kutew als Leitstimme bestimmt. Sie wurde zum Star der Konzertbühnen. Magda Puschkarowa erreichte ein hohes Alter und starb am 18. Mai 2006. Bis zuletzt genoss sie die große Liebe des Publikums und die verdiente Anerkennung der Fachwelt. Sie hinterließ mehr als 100 Aufnahmen im Archiv des Bulgarischen Nationalen Rundfunks, mehrere Schallplatten und Fernsehaufzeichnungen. Im Archiv der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften werden 200 ihrer Lieder aufbewahrt, aufgenommen von der renommierten Ethnomusikologin Elena Stoin.
Bis zu ihrem letzten Tag trug die große Sängerin Seidenkleider und goldenen Schmuck. Sie blieb würdevoll und stolz, mit majestätischer Ausstrahlung – verliebt in Blumen, die Lieder der Strandscha und Bulgarien.
Der einzigartige Alt von Magda Puschkarowa – leicht gedämpft, samtig, warm und weich – ist unverwechselbar. Ihre Lieder sind schön, zugleich aber voller Trauer, so wie das Leben der Flüchtlinge aus Ostthrakien gewesen ist. „Ich habe viele Lieder und liebe viele Lieder“, sagte sie einst. „Doch zu einem habe ich eine ganz besondere Beziehung: ‚Warum verheiratest du mich nicht, Mutter‘. Ich stamme von Flüchtlingen ab, und dieses Lied erzählt ihr Schicksal – jedes Mal durchlebe ich diese Geschichte aufs Neue.“
In diesem musikalischen Dialog zwischen Mutter und Sohn bittet der junge Mann darum zu heiraten und fragt seine Mutter, ob sie ihn für zu jung und unerfahren halte oder ob ihnen vielleicht das Geld für ein neues Haus fehle. Die Mutter antwortet, sie würde alles verkaufen, um ihrem Kind ein Zuhause zu schaffen. Doch sie seien Flüchtlinge, Fremde in diesem Landstrich, und hätten keine Verwandten, die sie zur Hochzeit einladen könnten, um Geschenke zu bringen und gemeinsam zu feiern.
Gemeinsam mit dem Lied „Tudoro, Tudoro“, das einer schönen Nestinarin gewidmet ist, gehört „Warum verheiratest du mich nicht, Mutter“ zu den bekanntesten Liedern aus dem Repertoire von Magda Puschkarowa.
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov