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Joan Kolew
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Von München nach Zypern:
Gastgeber 2027 für „Dorfplatz der anderen Bulgarien“ bekannt
Danislaw Kechajow: „Das ist das Bulgarien, das ich sehen möchte“
Sonntag 17 Mai 2026 21:15
Sonntag, 17 Mai 2026, 21:15
FOTO Joan Kolew
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Drei Tage und Nächte lang erklangen bulgarische Volkslieder, und schwungvolle Reigentänze erfüllten das Herz von München beim elften Treffen „Auf dem Dorfplatz des anderen Bulgarien“. Nun steht auch fest, wann und wo die nächste Ausgabe stattfinden wird. Das Festival wird vom 11. bis 13. Juli 2027 in Zypern ausgetragen. Gastgeber wird das Folkloreensemble „Sowatschii“ aus Limassol sein.
Zur diesjährigen Ausgabe des Treffens, die vom 15. bis 17. Juni im BMW Park der bayerischen Hauptstadt stattfand, kamen Bulgaren aus 21 Ländern zusammen – aus Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Österreich, Polen, Malta, den USA, Südafrika, den Niederlanden, Zypern, Griechenland, dem Vereinigten Königreich, Irland, Tschechien, der Schweiz, Norwegen, Schweden, Dänemark, Belgien und Bulgarien. Das Motto des Festivals stand diesmal im Zeichen der Liebe und ihrer vielen Gesichter im bulgarischen Volksgut.
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Zwischen den Auftritten zahlreicher Tanzgruppen und Solisten fassten sich heute alle Teilnehmer am Münchner Max-Joseph-Platz an den Händen – für den Höhepunkt des Programms, der Große Bulgarische Reigen.
„Der Große Reigen ist für mich das Symbol und das Herz des Festivals“, sagte Zwjatko Krastew vom Tanzensemble „Balgarska Rosa“ aus Palma de Mallorca vor dem Mikrofon von Joan Kolew. „Eigentlich hat alles genau damit begonnen. Der Reigen auf dem Platz sollte Bulgaren aus aller Welt zusammenbringen. Für mich ist es das Gravitationszentrum dieser Veranstaltung. Hier sind Menschen aus Südafrika, aus den USA und aus ganz Europa – und wir alle kommen wegen dieses Horos hierher. Deshalb ist es für mich das wahre Symbol des Treffens“, so Krastew.
In München beteiligte sich das Ensemble von Zwetko Krastew an der gemeinsamen Formation „Balgarska Rosa po sweta“, die fünf Ensembles mit demselben Namen aus verschiedenen Ländern vereinte.
Zu den Ehrengästen des Festivals gehörte auch der bekannte bulgarische Volkssänger Danislaw Kechajow, der erstmals an diesem Format teilnahm – mit einem Konzert am ersten Tag und mit seiner Teilnahme am heutigen großen Reigen. Über die emotionale Kraft des Treffens sagte der Sänger unserem Reporter:
„Bulgarien ist dort, wo Bulgaren leben. Der Geist, den diese Menschen tragen, und die Emotionen, die sie schaffen, haben mich noch stärker motiviert, mich auf der Bühne ganz hinzugeben. Ich weiß nicht, ob das wirklich das ‚andere‘ Bulgarien ist – aber das ist Bulgarien. Das ist das Bulgarien, das ich sehen möchte und in dem ich leben möchte. Der Geist dieser Menschen hat mich mit unglaublich positiver Energie erfüllt. Und jetzt, hier beim großen Reigen im Zentrum Münchens, sieht man die Schönheit und die Jugend Bulgariens. Hier sind Bulgaren aus mehreren Generationen – und genau so werden Traditionen weitergegeben“, sagte Kechajow.
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Danislaw Kechajow erzählte auch von einem besonders bewegenden Moment, den er miterlebt hatte:
„Am zweiten Tag sah ich unter einer der Gruppen einen jungen Mann, vielleicht zwanzig Jahre alt. Er weinte und wischte sich ständig die Tränen ab. Ich dachte zuerst, es sei etwas Schlimmes passiert. Dann fragte ich die Menschen um ihn herum. Es stellte sich heraus, dass er in Deutschland geboren wurde und nie in Bulgarien gelebt hat, aber Bulgare ist. Er war nur bei Verwandten zu Besuch in Bulgarien gewesen. Jetzt bekam er die Möglichkeit, in einer Jugendformation mitzutanzen, die im Ensemble ‚Trakia‘ vorbereitet wurde. Sie führten einen der emblematischen Tänze des Ensembles auf. Die Emotionen, die er dabei empfand… Er weinte einfach vor Glück, weil er erstmals in einer bulgarischen Tanzformation auf einer so großen Bühne stehen durfte“, erklärte Kechajow.
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Die Vielfalt der Volkstänze war beeindruckend. Jede Gruppe brachte mit viel Liebe ihre eigenen Farben und Nuancen auf die Bühne. Zu den Schöpfern dieser folkloristischen Magie gehörte auch das Tanzensemble „Diwna Bulgaria“ aus Madrid. Iwan Bantschew berichtete unserem Reporter Joan Kolew über den Auftritt der Formation:
Iwan Bantschew
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„Unser Ensemble präsentierte einen Tanz aus Nordbulgarien zum Motto ‚Liebe le, liebe Schönes‘. Wir zeigten den Tanz ‚Wenn es doch geschehen wäre – was wäre dann wohl gewesen‘. Damit wollten wir zeigen, dass eine einzige Entscheidung das ganze Leben eines Menschen verändern kann – wie es in einem alten bulgarischen Sprichwort heißt: ‚Ein kleiner Stein kann den ganzen Wagen umwerfen.‘“
Für viel Stimmung sorgten auch das Blasorchester und die Majorettengruppe „Dimitar Metschew“, die eigens aus Welingrad angereist waren.
Neben der Liebe zur bulgarischen Folklore verband die Teilnehmer des elften „Dorfplatzes“ noch eine weitere gemeinsame Sache – die Unterstützung für die junge Sängerin DARA beim Finale des Eurovision Song Contest 2026. Viele der Anwesenden gaben ihr ihre Stimme, und sie bescherte Bulgarien schließlich einen historischen Sieg bei dem Wettbewerb.
„Die bulgarischen Gemeinschaften im Ausland spielten eine Schlüsselrolle beim Sieg von DARA beim Eurovision Song Contest. Sie schafften es, sich hinter einer gemeinsamen Sache zu vereinen und in Dutzenden Ländern breite Unterstützung zu mobilisieren“, sagte die Direktorin der Exekutivagentur für die Auslandsbulgaren, Rajna Mandschukowa, in einem Interview für die BTA. Ihrer Ansicht nach habe die positive Welle aus dem Ausland auch die gesellschaftliche Stimmung in Bulgarien verändert.
So verging die elfte Ausgabe des „Dorfplatzes“ wie im Flug. Die Teilnehmer reisen nun wieder auseinander – doch viele denken schon jetzt an das nächste Treffen. Bis dahin werden sie die Erinnerung an die gemeinsame Freude und die Liebe zu den bulgarischen Volkstänzen begleiten.
Redakteurin: Miglena Iwanowa
Übersetzung: Lyubomir Kolarov