Autor
Joan Kolew
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Wissenschaftsdiplomatie – der Schlüssel zum Überleben in der modernen Welt
Samstag 23 Mai 2026 13:13
Samstag, 23 Mai 2026, 13:13
Sara Ai Al-Fayez
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Biologische Diplomatie und Bioökonomie standen im Mittelpunkt einer öffentlichen Veranstaltung, die vom Diplomatischen Institut beim Außenministerium Bulgariens und der Jordanischen Vereinigung der Absolventen bulgarischer Universitäten organisiert wurde.
Die Veranstaltung rückte ein neues Kapitel der internationalen Beziehungen in den Fokus. Noch immer werden weltweit Hunderte Milliarden Dollar in Aufrüstung und geopolitische Konflikte investiert, während die Gesellschaften weiterhin unter Epidemien, Armut, Hunger und Klimawandel leiden. Doch nicht Waffen und militärische Stärke werden künftig über die Entwicklung der Gesellschaften und der zwischenstaatlichen Beziehungen entscheiden. Wissenschaftliche Erkenntnisse, Innovationen und die Kontrolle über kritische Technologien werden zunehmend geopolitischen Einfluss, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und nationale Widerstandskraft bestimmen. Das erklärte Dr. Walentin Katrandschiew, Chefexperte am Bulgarischen Diplomatischen Institut.
Dr. Walentin Katrandschiew
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„Eine erfolgreiche Außenpolitik basiert heute nicht mehr nur auf politischem Urteilsvermögen, sondern auch auf wissenschaftlich fundierten Entscheidungen. Genau darin liegt einer der Beiträge der Wissenschaftsdiplomatie – das Bewusstsein dafür zu stärken, dass Wissenschaft ein wichtiges Instrument für fundierte außenpolitische Entscheidungen ist. Wissenschaftliche Erkenntnisse spielen in der multilateralen Diplomatie eine zentrale Rolle, insbesondere bei Verhandlungen zu Klima, Energie, künstlicher Intelligenz, öffentlicher Gesundheit, Biotechnologien und Innovationsmanagement. Diplomatische Tätigkeit erfordert daher sowohl wissenschaftliche Expertise als auch deren Integration in die Gestaltung der Außenpolitik“, so Katrandschiew.
„Das Thema Wissenschaftsdiplomatie wird immer bestimmender“, bestätigte auch Sara Ali Al-Fayez, Genomik-Forscherin und Hauptrednerin zum Thema „Biologische Diplomatie und Bioökonomie: Eine strategische Perspektive auf Macht und Wissen im 21. Jahrhundert“. Sie erinnerte an das prägende Beispiel der Covid-19-Pandemie, „als wir die sogenannte Impfstoffdiplomatie in Echtzeit erleben konnten, bei der der Zugang zu lebensrettenden Impfstoffen genutzt wurde, um neue Allianzen zu schließen und strategische Beziehungen weltweit zu stärken“, sagte Al-Fayez.
Sara Ali Al-Fayez
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„In den kommenden Jahrzehnten werden Analysen biologischer Daten die Vorherrschaft in Medizin, cyberbiologischer Sicherheit und wirtschaftlicher Stärke bestimmen. Sollte ein Gegner oder ein ausländischer Konzern Zugang zu den einzigartigen genetischen Datenbeständen eines Landes erhalten, hätte er den Schlüssel zur Entwicklung gezielter Medikamente, zur Ausnutzung von Schwachstellen im Gesundheitssystem oder zur Kontrolle geistigen Eigentums in der Hand. Deshalb sind biologische Souveränität sowie die aktive Verwaltung und der Schutz nationaler genetischer Datenbanken zu einem zentralen Interesse der nationalen Sicherheit geworden“, so Al-Fayez.
„Die Entwicklung von Innovationen und Biotechnologien prägt zunehmend nicht nur das Gesundheitswesen, sondern auch die Wirtschaft, die Ernährungssicherheit und damit die globale Steuerung gesellschaftlicher und politischer Prozesse“, erklärte die Direktorin des Diplomatischen Instituts, Tanja Michajlowa. Wissenschaftsdiplomatie könne internationale Beziehungen verändern und festigen sowie Brücken zwischen Staaten bauen. Ihren Worten zufolge verfügt Bulgarien über die intellektuellen Traditionen und die Position, um zur regionalen Entwicklung der Wissenschaften und zur transnationalen Zusammenarbeit beizutragen.
Tanja Michajlowa
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Vor Diplomaten stehe heute die Frage, wie eine sichere biologische Zukunft durch ethische Diplomatie und menschenorientierte Führung gestaltet werden könne. Ebenso gehe es um die große diplomatische Herausforderung, sicherzustellen, dass neue wissenschaftliche Entdeckungen den kollektiven Interessen der gesamten Menschheit dienen – und nicht nur den Interessen einzelner Mächte.
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov