Bulgarien zählt die Schäden nach den Überschwemmungen infolge von Starkregen

Dienstag, 26 Mai 2026, 15:39

Bulgarien zählt die Schäden nach den Überschwemmungen infolge von Starkregen

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In den vergangenen Tagen wurde Bulgarien von einigen der schwersten Überschwemmungen der letzten Jahre heimgesucht. Nach sintflutartigen Regenfällen traten Flüsse über die Ufer, Stadtviertel wurden überflutet, Straßen und Brücken zerstört, und Hunderte Menschen blieben mit überfluteten Häusern zurück. Besonders schwer betroffen sind die Regionen Weliko Tarnowo, Gabrowo, Sewliewo und Aprilzi im zentralen Teil Bulgariens.

In Sewliewo wurde ein Teil der Hauptwasserleitung zerstört, so dass die Menschen in der Stadt in in umliegenden Dörfern ohne Wasser blieben. Nach Arbeiten rund um die Uhr gelang es den Einsatzteams, die Wasserversorgung wiederherzustellen. Die örtlichen Behörden erwarten, dass der Katastrophenzustand in der Region Gabrowo nach der endgültigen Stabilisierung der Lage aufgehoben wird.

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Zu den Betroffenen gehört auch Wanja Watewa, deren Haus schwer beschädigt wurde. Ihren Angaben zufolge übersteigen die Schäden 20.000 Euro, und dies sei von den zuständigen Behörden dokumentiert worden. Die Frau aus Sewliewo wirft den Institutionen mangelnde Wartung und fehlende Prävention vor:

Warum ist es so weit gekommen? Weil die Behörden und Institutionen fahrlässig sind und die Kanalisation nicht rechtzeitig reinigen. Das Flussbett wurde im vergangenen Jahr gereinigt, aber die nicht urbanisierten Gebiete wurden nicht gesäubert – dort steigt der Wasserstand des Flusses an und die Flutwelle erreicht die Stadt. Ich bin 43 Jahre alt und habe bis heute keine Überschwemmung in einem solchen Ausmaß gesehen“, sagte Wanja Watewa, deren Haus infolge der heftigen Regenfälle der vergangenen Tage und des über die Ufer getretenen Flusses Rossiza überflutet wurde. Sie fügte hinzu, dass das Leben weitergehe – „mit Kampf, um die beschädigten Dinge wiederherzustellen“.

Weliko Tarnowo

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Auch die alte Hauptstadt Weliko Tarnowo gehört zu den von den starken Regenfällen betroffenen Orten. „Es gibt keine Menschen in Notlage. Alles wurde bereits gereinigt. Wir haben es geschafft, alle Straßen, die geräumt werden mussten, sowie die Häuser der Betroffenen gründlich zu säubern“, erklärte der stellvertretende Bürgermeister Georgi Nedew. Bis Ende dieser Woche werde eine Analyse der Schäden erwartet: „Wir sind bereit, sie dem Staat vorzulegen. Leider wurde bisher noch keine Kommission für Katastrophen und Notfälle gebildet. Ich hoffe, dass eine solche so schnell wie möglich eingerichtet wird. Um diese Krise zu bewältigen, ist es notwendig, dass sich alle im Staat beteiligen“, betonte Georgi Nedew.

Aprilzi

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Im Balkanstädtchen Aprilzi wurden rund 50 Häuser überflutet, eine Fußgängerbrücke zerstört und Teile der Straßen von den Wassermassen weggerissen. Die Katastrophe führte auch zur Absage der Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Stadterklärung sowie zum 150. Jahrestag des Aprilaufstands.

Der Bürgermeister Tichomir Kukenski erklärte gegenüber dem Bulgarischen Nationalen Rundfunk, dass die unmittelbare Gefahr unter Kontrolle sei, nun die Wiederherstellung aber erst beginne: „Die Lage hat sich inzwischen normalisiert. Jetzt beginnt der Kampf mit den Folgen.“

Von den Überschwemmungen betroffen war auch die nahegelegene Stadt Trojan. „Die Schäden waren deutlich geringer, obwohl auch wir ernsthafte Schäden haben, deren Behebung viele Mittel erfordern wird“, betonte die Bürgermeisterin Donka Michajlowa, die zugleich stellvertretende Vorsitzende des Nationalen Gemeindeverbands der Republik Bulgarien ist. Ihrer Meinung nach sei die gesamte Infrastrukturplanung der Städte Teil des Problems.

Trojan

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Nach Ansicht von Donka Michajlowa sind die Ursachen der Katastrophe komplex – extreme Niederschläge, unzureichende Instandhaltung und Pflege der Flussbetten und fehlende Mittel für Prävention:

Das waren Niederschläge, die kaum beherrscht werden können. Ein Wolkenbruch kann nicht gestoppt oder kontrolliert werden, besonders nicht in Bergregionen wie unseren. Zweitens gibt es zahlreiche Mängel in der gesetzlichen Regelung. Gegenwärtig tragen laut Gesetz die Bürgermeister die Verantwortung für den Zustand der Flussbetten in den urbanisierten Gebieten, während außerhalb der urbanisierten Gebiete die Regionalgouverneure zuständig sind. Die dritte Ursache ist, dass bei den Regionalverwaltungen überhaupt keine Mittel für die Reinigung der Flussbetten vorgesehen sind, während die Mittel in den Gemeinden äußerst unzureichend sind“, schilderte Donka Michajlowa die aktuelle Lage.

In einem Interview für das Inlandsprogramm „Horizont“ des Bulgarischen Nationalen Rundfunks lenkte sie die Aufmerksamkeit auch auf ein weiteres ernstes Problem – den Mangel an finanziellen Mitteln. Schwachstellen bei solchen Klimakatastrophen seien nicht nur die Flussbetten, betonte Michajlowa und weiter sagte sie:

Trojan

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Ein sehr ernstes Problem sind die trockenen Schluchten im bergigen Teil unserer Regionen. Diese trockenen Schluchten sind nicht einmal im Kataster eingetragen, und vielerorts wissen die Bürgermeister nicht einmal von ihrer Existenz. Ein ernstzunehmendes Problem ist zudem die gesetzliche Einschränkung bei der Beseitigung abgestorbener trockener Bäume, weshalb sich diese Bereiche zusetzen und bei starkem Regen einfach zum tiefsten Punkt abrutschen – und das sind gewöhnlich die bewohnten Orte“, so Donka Michajlowa.

Sie erläuterte auch, was die von den Überschwemmungen betroffenen Menschen tun sollten:

Die betroffenen Bürger sollten sich an die Gemeinden wenden. Die Bürgermeister haben Kommissionen eingesetzt, die die Betroffenen vor Ort besuchen werden. Anspruch auf Schadenersatz haben nur Personen, die über eine einzige Wohnung verfügen und dort wohnen. Die Entschädigung kann über die Katastrophenschutzkommission und das Ministerium für Arbeit und Sozialpolitik erfolgen.“

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Bei einem Besuch in den betroffenen Regionen erklärte der Minister für regionale Entwicklung Iwan Schischkow, dass der Staat die Gemeinden über die behördenübergreifende Kommission für Katastrophen und Notfälle unterstützen werde. Zugleich räumte er ein, dass die Katastrophe „die Probleme der Infrastruktur gezeigt hat, die über Jahre hinweg ignoriert wurden“.

Die Überschwemmungen der letzten Tage haben erneut schmerzhafte Fragen zur Bereitschaft Bulgariens für Klimakatastrophen, zum Zustand der Infrastruktur und zum Fehlen langfristiger Prävention aufgeworfen. Für die Menschen in den betroffenen Regionen steht jedoch das Wichtigste erst noch bevor — die langsame Wiederherstellung ihrer Häuser und ihres Lebens.


Nach Interviews von Spas Krajnin, BNR „Horizont“

Redaktion: Elena Karkalanowa

Übersetzung: Rossiza Radulowa