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Haus Wittgenstein – Bulgariens Kulturadresse im Herzen Wiens

Der neue Direktor Pawel Najdenow: Kultur ist ein Instrument, um den Gemeinschaften und ihren Bedürfnissen mehr Gehör zu verschaffen

Samstag, 6 Juni 2026, 17:30

Haus Wittgenstein – Bulgariens Kulturadresse im Herzen Wiens

FOTO Elena Karkalanowa

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Im Herzen Wiens zählt das Haus Wittgenstein seit Jahren zu den wichtigsten Orten für die kulturelle Präsenz Bulgariens in Europa. Das Bulgarische Kulturinstitut befindet sich in einem Meisterwerk der modernen Architektur, das vom Philosophen Ludwig Wittgenstein entworfen wurde. Seit Jahrzehnten präsentiert es bulgarische Kunst einem österreichischen und internationalen Publikum.

Seit Kurzem steht das Institut unter der Leitung von Pawel Najdenow – Kurator kultureller Veranstaltungen und Musiker. Er hat sich zum Ziel gesetzt, auf den bisherigen Erfolgen aufzubauen und die Institution noch stärker für die österreichische Öffentlichkeit, die bulgarische Gemeinschaft und aktuelle kulturelle Entwicklungen zu öffnen. 

FOTO Elena Karkalanowa

In den ersten Tagen seiner Amtszeit begrüßte er in der Wiener Parkgasse 18 Vertreter bulgarischer Organisationen aus ganz Europa, die an einem Fachseminar teilnahmen. Damit setzte er zugleich ein Zeichen für die Zusammenarbeit des Bulgarischen Kulturinstituts mit den Organisationen der bulgarischen Diaspora in Österreich, darunter auch die älteste noch aktive bulgarische Vereinigung Europas – die vor 80 Jahren gegründete Kultur- und Bildungsorganisation „Hll. Kyrill und Method“ in Wien. 

Pawel Najdenow

FOTO Elena Karkalanowa

„Was ich übernehme, ist eine gewachsene Kultur des Dialogs, und diesen Dialog möchte ich vertiefen, weil ich an Partnerschaften glaube. In Zeiten wirtschaftlicher und kultureller Krisen müssen wir uns mehr denn je gegenseitig unterstützen. Die Türen des Hauses Wittgenstein werden für eine solche Kommunikation offenstehen. Ich möchte erfahren, welche Bedürfnisse die verschiedenen Vereine haben und wie wir ihnen helfen können. Manche Mechanismen wurden bislang vielleicht nicht entwickelt, die Welt verändert sich, und es gibt viele Möglichkeiten, wie wir einander unterstützen können“, sagte Pawel Najdenow in einem Interview für Radio Bulgarien. 

Bilder aus der Ausstellung von Huben Tscherkelow im Haus Wittgenstein

FOTO Elena Karkalanowa

Die neue Leitung übernimmt das Institut zu einem Zeitpunkt, an dem Wien weiterhin zu den aktivsten Kulturzentren Europas zählt. In diesem anspruchsvollen Umfeld könne Bulgarien nur mit hochwertigen und zeitgemäßen Kulturveranstaltungen sichtbar bleiben, ist Najdenow überzeugt. 

„Mit viel Arbeit sowie Veranstaltungen, die programmatisch präzise und aktuell sind. Wir leben in einer Zeit, in der es nicht genügt, nur schöne Worte zu sagen. Man muss Themen aufgreifen, die die Gesellschaft bewegen, Interesse wecken und Publikum anziehen. Das bedeutet aktuelle Themen, zeitgenössische Ausdrucksformen und den Mut, den Anforderungen unserer Zeit zu begegnen“, so Najdenow. 

FOTO Elena Karkalanowa

Zu den wichtigsten Prioritäten Najdenows gehört es, das Institut als Raum für zeitgenössische Kunst und neue Ideen zu etablieren, ohne dabei die Verbindung zum kulturellen Erbe zu verlieren. 

„Für mich ist das Gebäude des Kulturinstituts nicht einfach Architektur mit Fenstern und einem Dach, sondern ein Ausdruck einer Philosophie und eines neuen Denkens. Das Programm, das hier präsentiert wird, muss dieser Modernität entsprechen. Die Besucher des Hauses Wittgenstein werden künftig noch mehr zeitgenössische Künstler und Werke sehen. Ich glaube an die Tradition und ihre Fortführung, doch auf einem soliden Fundament müssen wir uns weiterentwickeln“, erzählte Najdenow. 

Rajna Mandschukowa, Leiterin der Exekutivagentur für die Auslandsbulgaren, und der neue Direktor des Bulgarischen Kulturinstituts in Wien, Pawel Najdenow

FOTO Elena Karkalanowa

Obwohl sein Name in Bulgarien bislang weniger bekannt ist, verfügt Pawel Najdenow über umfangreiche internationale und interdisziplinäre Erfahrung. Er studierte Chordirigieren an der Akademie für Musik-, Tanz- und Bildende Kunst in Plowdiw und spezialisierte sich später auf Social Design an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Er arbeitet im Bereich der zeitgenössischen Kunst und kuratorischen Praxis und beschäftigt sich insbesondere mit der Rolle der Kultur als Instrument gesellschaftlichen Engagements und sozialen Wandels. 

FOTO Construction Choir Collective

Fast zehn Jahre lang war er zudem Mitglied des internationalen Chors Construction Choir Collective, in dem Menschen aus mehr als 27 Nationen zusammenwirken. Ziel des Ensembles ist es, Musik aus den traditionellen Konzertsälen herauszutragen und unterschiedliche Gemeinschaften in den Randgebieten der Stadt zu erreichen. 

Seine Vorstellung von bulgarischer Kultur ist daher eng mit dem aktiven Dialog mit den Menschen und den gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden. 

„Ich bin überzeugt, dass Kunst immer ein Mittel war, um die Gegenwart zu reflektieren. Viele der Projekte, an denen ich arbeite, sind gesellschaftlich engagiert und durch Geschichten und Situationen inspiriert, die ich in Bulgarien erlebt oder beobachtet habe. Deshalb bin ich der Meinung, dass Kultur und Kunst die moralische Verantwortung tragen, die Erzählung der Zeit zu sein, in der wir leben“, sagte Najdenow abschließend.  

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov 

Gestaltet von Lyubomir Kolarov