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Paris liebt Christo und Jeanne-Claude

Die französische Hauptstadt würdigt das Erbe des Künstlers mit bulgarischen Wurzeln und erwartet die Eröffnung von JRs „Pont-Neuf-Höhle“

Montag, 15 Juni 2026, 08:33

Paris liebt Christo und Jeanne-Claude

FOTO jr-art.net

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Wer kennt nicht Christo, den in Bulgarien geborenen Weltkünstler, und seine kreative wie lebenslange Partnerin Jeanne-Claude? Wer hat nicht vom „Verhüllten Reichstag“ oder vom Projekt L'Arc de Triomphe, Wrapped in Paris gehört? Kaum ein Bulgare dürfte nicht stolz gewesen sein, als 2016 Hunderttausende Besucher zu den The Floating Piers in Italien strömten – dem letzten zu Lebzeiten realisierten Projekt von Christo. 

FOTO Christo and Jeanne Claude Foundation

Ein ähnliches Gefühl löste auch die Verhüllung des Triumphbogens im Herbst 2021 aus – ein Projekt, das von der Christo-und-Jeanne-Claude-Stiftung und dem Neffen des Künstlers, Vladimir Javacheff, ein Jahr nach Christos Tod und zwölf Jahre nach dem Tod seiner unersetzlichen Partnerin Jeanne-Claude verwirklicht wurde. 

Christo und Jeanne-Claude

FOTO Facebook /Institut Culturel Bulgare à Paris

Sechs Jahrzehnte lang veränderten Christo und Jeanne-Claude die Vorstellungen von Raum, Zeit und Ort in der Kunst. Sie wurden zu Symbolen zeitgenössischen Schaffens, von Liebe, Hingabe und der Fähigkeit zur Veränderung – vor allem aber zu einem Symbol der Freiheit. 

Beide wurden am selben Tag geboren – am 13. Juni 1935: Christo in Gabrowo und Jeanne-Claude in Casablanca. Ihren gemeinsamen Lebens- und Schaffensweg fanden sie in Paris, das sie 1958 zusammenführte. 

FOTO Krassimir Martinow

Heute, mehr als vier Jahrzehnte nach einem ihrer bekanntesten Projekte, würdigt die französische Hauptstadt ihr Werk erneut. Paris erinnert an die Geschichte des „Verhüllten Pont Neuf“ – des schwierigsten und am längsten vorbereiteten Projekts von Christo und Jeanne-Claude, das 1985 nach fast zehnjähriger Vorbereitung verwirklicht wurde. 

Die älteste Brücke über die Seine, erbaut zwischen dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert und mehr als 200 Meter lang, wird erneut zur Bühne einer spektakulären künstlerischen Intervention. Im Juni 2026 verwandelte der französische Künstler JR die Brücke in die „Pont-Neuf-Höhle“ – ein Projekt, das als tiefe Verbeugung vor der Kunst von Christo und Jeanne-Claude gedacht ist, berichtet der Journalist Daniel Nentschew, Leiter der Abteilung Strategische Entwicklung beim Bulgarischen Nationalen Rundfunk. 

Die Idee zur Würdigung des Jahrestages der Verhüllung der Brücke stammte von Vladimir Javacheff und der Christo-und-Jeanne-Claude-Stiftung. Die Geschichte begann 2013 auf der Kunstmesse Art Basel in der Schweiz. Dort lernte Vladimir Javacheff den französischen Fotografen und Street-Art-Künstler Jean-René kennen, weltweit bekannt als JR und oft als „französischer Banksy“ bezeichnet. 

Der französische Künstler JR zeigt das Schild des Platzes „Pont Neuf – Christo et Jeanne-Claude“ in Paris.

FOTO BTA

Allerdings hat das Projekt bislang mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen. JR setzt vor allem auf Luftdruck, um den riesigen Raum über der Brücke zu gestalten. Vorgesehen ist eine gigantische Höhle aus bedruckten Stoffbahnen mit einer Gesamtlänge von rund 120 Metern und einer Höhe von stellenweise mehr als 17 Metern. Schlechtes Wetter machte den Plänen jedoch einen Strich durch die Rechnung. Ein heftiger Sturm beschädigte Teile der Konstruktion und verhinderte die für den 6. Juni geplante offizielle Eröffnung. 

FOTO BTA

Derzeit arbeitet JRs Team, zu dem auch Bulgaren mit Erfahrung aus dem Projekt der Verhüllung des Triumphbogens gehören, an der Wiederherstellung des ursprünglichen Konzepts. Das Wetter in Paris bleibt jedoch unberechenbar. 

FOTO BTA

Die verschobene Eröffnung dürfte zugleich die Freiluft-Laufzeit der Installation verlängern, die ursprünglich bis zum 28. Juni geplant war. 

Trotz aller Wetterkapriolen lebt Paris mit der Idee der Verwandlung seiner symbolträchtigen Brücke – genauso wie vor mehr als vierzig Jahren. Ein Zeichen dafür ist die Entscheidung des Stadtrats auf Vorschlag von Bürgermeisterin Anne Hidalgo, den Platz in der Mitte des Pont Neuf in Place du Pont Neuf – Christo et Jeanne-Claude umzubenennen. 

FOTO BTA

„Die ganze Stadt lebt mit dieser Idee. Bereits am Flughafen erhält man ein kostenloses Magazin über die Initiative mit Interviews mit JR und Vladimir Javacheff, der sich selbst mit einem Lächeln als den ‚Großvater des Projekts‘ bezeichnet. 

Ich zitiere ihn: ‚Ich freue mich über das Projekt, übernehme aber keine Verantwortung dafür.‘ Der Grund ist, dass sich ein großer Teil seiner Arbeit derzeit auf die Vorbereitung des letzten großen Projekts von Christo und Jeanne-Claude konzentriert – die The Mastaba in Abu Dhabi. Das Vorhaben befindet sich in Entwicklung, erfordert aber weiterhin zahlreiche Genehmigungen und enorme organisatorische Anstrengungen. 

Momentan warten jedoch die Pariser und alle Besucher hier auf die Eröffnung der Höhle – und die hängt vollständig vom Wetter ab“, berichtete Daniel Nentschew.

FOTO BTA

Wann genau dies geschehen wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass die Begleitveranstaltungen zum künstlerischen Erbe und zum Geburtstag der beiden Künstler stattfinden werden.

Am 13. Juni, dem Geburtstag sowohl von Christo als auch von Jeanne-Claude, wird JR in der Galerie mit dem Publikum zusammentreffen und über die Entstehung des Projekts sprechen. 

FOTO BTA

Am 18. Juni wird im Bulgarisches Kulturinstitut in Paris die französische Ausgabe der Sammlerausgabe des BTA-Magazins LIK „Christo und Jeanne-Claude – mit 90 in der Ewigkeit“ vorgestellt. Zu den Autoren zählen die Journalistin und Produzentin Eugenia Atanassowa, Margarita Dorowska, Direktorin des Internationalen Christo-und-Jeanne-Claude-Zentrums in Gabrowo, sowie Daniel Nentschew selbst. 

Für Radio Bulgarien erklärte Nentschew, die „Pont-Neuf-Höhle“ habe für ihn eine besondere Bedeutung: 

FOTO jr-art.net

„Weil das Projekt nicht jene Leichtigkeit, Eleganz und Anmut besitzt, die wir aus den Werken von Christo und Jeanne-Claude kennen. Auf den ersten Blick wirkt es etwas rauer, obwohl es bislang niemand vollständig gesehen hat. Gleichzeitig enthält es viele interessante Elemente jenseits des Sichtbaren. 

Es wird nicht nur eine Installation auf der ältesten Brücke von Paris sein. Das Projekt umfasst eine Klanglandschaft von Thomas Bangalter, der einen Hälfte des legendären Duos Daft Punk. Außerdem wird es Augmented Reality geben, die den Besuchern ein völlig neues Raumerlebnis ermöglichen wird“, so Nentschew. 

Viele Pariser empfinden eine emotionale Verbundenheit mit der Kunst von Christo und Jeanne-Claude, sagt Daniel Nentschew. Er erinnert an die Worte Vladimir Javacheffs, wonach zahlreiche Paare und ganze Familien ihre persönliche Geschichte mit dem Verhüllten Pont Neuf im Herbst 1985 verbinden. 

„Das ist die Kraft großer Kunst – einer Kunst, die über die Grenzen der Vernunft hinausgeht, über unsere Vorstellungen von Maßstab, Proportionen und Horizonten“, sagte Nentschew. 

Eine Kunst, die nur für begrenzte Zeit in der Realität existiert, aber in Erinnerung bleibt und Wahrnehmungen, Beziehungen und sogar gesellschaftliche Entwicklungen verändert. 

FOTO jr-art.net

„Paris und die Franzosen lieben Christo und Jeanne-Claude. Sie betrachten sie als Teil der Geschichte und des kulturellen Gefüges dieser Stadt, obwohl beide Paris 1964 verließen und sich in New York City niederließen, wo sie bis zu ihrem Lebensende blieben. 

Paris ist die meistbesuchte touristische Destination der Welt. Die Franzosen stellen das in den Mittelpunkt, was Menschen glücklich macht, sie über ihren Platz in der Welt nachdenken lässt und ihre Neugier auf andere weckt. 

Genau das leisten Kultur und Kunst. Das Ergebnis ist sichtbar: Künstler wie Pablo Picasso, Salvador Dalí und Christo kamen nach Paris und arbeiteten hier. 

Christo und Jeanne-Claude sind Teil dieser Geschichte.“ 

Der in Gabrowo geborene Christo bleibt einer der wenigen Bulgaren, deren Werk die globale Kulturgeschichte nachhaltig geprägt hat. Gemeinsam mit Jeanne-Claude schuf er Arbeiten, die unsere Wahrnehmung von Raum, Freiheit und den Möglichkeiten der Kunst verändert haben. 

FOTO jr-art.net

Heute erinnert Paris erneut an dieses Erbe – nicht nur als Teil seiner eigenen Geschichte, sondern auch als Teil der Geschichte eines Künstlers, der in Bulgarien begann und zu einem weltbekannten Namen wurde. 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov