Autor
Joan Kolew
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Denka Zanewa und ihr Leben zwischen Chile und München – mit Bulgarien im Herzen
Mittwoch 17 Juni 2026 15:03
Mittwoch, 17 Juni 2026, 15:03
FOTO estorium.org
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Das Leben unserer Landsfrau Denka Zanewa gleicht einem spannenden Roman, dessen Kapitel auf zwei Kontinenten geschrieben werden – stets jedoch mit Bulgarien im Herzen. Heute zählt sie zu den aktiven Mitgliedern der bulgarischen Gemeinschaft in München, wo sie sich mit viel Engagement und Hingabe für die Bewahrung der bulgarischen Sprache und Traditionen unter den Jüngsten einsetzt. Sie unterrichtet an den beiden bulgarischen Schulen der bayerischen Landeshauptstadt.
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„Die Schule ,Paisij Hilendarski‘ ist die erste bulgarische Schule in München und besteht seit mehr als 15 Jahren. Die Schule ,Dora Gabe‘ feierte vor zwei Jahren ihr zehnjähriges Bestehen. Bemerkenswert ist, dass sich beide Einrichtungen, die einst mit kleinen Gruppen begannen, inzwischen auf jeweils rund 300 Kinder entwickelt haben. Wir wachsen weiter und hoffen, dass sich diese Entwicklung fortsetzt. An beiden Schulen gibt es zahlreiche außerschulische Aktivitäten mit Bezug zu Bulgarien – Volkstänze für Kinder und Erwachsene, Volkskunst, Theater und Musik sowie eine gemeinsame Gruppe beider Schulen. Ihr Leiter, Herr Julian Sotirov, ist Musiker und Direktor der Schule ,Paisij Hilendarski‘. Die Gruppe interpretiert viele schöne bulgarische Lieder, darunter auch das bekannte ,Mein Land, mein Bulgarien‘. Sie tritt bei allen wichtigen Veranstaltungen auf, auch bei jenen des Generalkonsulats Bulgariens in München.“
FOTO Bulgarische Schule "Dora Gabe" in München
Ihre Arbeit reicht vom Unterricht in bulgarischer Sprache, Literatur, Geschichte und Geografie für ältere Schüler bis zur Betreuung der Vorschulkinder. Auch ihre Kreativität kommt in den außerschulischen Aktivitäten zum Ausdruck, wo sie den Kindern traditionelle Handwerke wie Stricken, Weben, Spinnen und Sticken vermittelt.
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„Es zeigt sich, dass diese Kinder außerordentlich kreativ sind und gerne singen, tanzen und Theater spielen. Dadurch konnten wir erstmals in der Geschichte der Schule eine Theateraufführung nach dem bulgarischen Märchen ,Das goldene Mädchen‘ auf die Bühne bringen. Die Aufführung verlief sehr erfolgreich, und die Eltern waren äußerst zufrieden“, berichtet Denka Zanewa und ergänzt über die emotionale Bedeutung dieser Begegnungen: „Die Eltern versuchen über die bulgarische Schule ihre Verbindung zur Heimat zu bewahren. Das ist für sie sehr wichtig – nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Eltern selbst. Es geht um die Verbindung zur Vergangenheit, zu ihrer eigenen Kindheit“, sagte Zanewa.
FOTO Bulgarische Schule "Dora Gabe" in München
Im Zusammenhang mit dem Theaterstück ließ sich Denka zu einer aufwendigen Kulisse inspirieren, die ein traditionelles bulgarisches Haus darstellte. „Denkas Haus“, wie sie es nannte, wurde auch zu einem Höhepunkt des größten Folkloretreffens der Bulgaren im Ausland – des Festivals „Auf dem Platz des anderen Bulgariens“, das Mitte Mai in München stattfand.
FOTO Bulgarische Schule "Dora Gabe" in München
„Ich entschied mich für ein Projekt aus Recyclingmaterialien – Kartonkisten aus einem nahegelegenen Supermarkt. Daraus gestaltete ich eine Ecke eines alten bulgarischen Hauses mit kleinen Fenstern, Gardinen, Regalen und Schränkchen. Von früheren Präsentationen hatten wir bereits eine Feuerstelle, die wir zur Ergänzung des Interieurs nutzten, ebenso einen Brunnen. Nachdem die Hausecke fertig war, setzte ich sie als Bühnenbild ein. Der Innenbereich stellte das Haus der Familie des Goldenen Mädchens dar, der Außenbereich das Haus der Großmutter im Wald. Um die Szene lebendiger wirken zu lassen, ergänzte ich einen Zaun mit blühenden Sonnenblumen und Dahlien. Außerdem fügte ich ein Schwalbennest hinzu, das für mich eine direkte Verbindung zu unserer Heimat symbolisiert. Besonders stolz bin ich auf die Truhe mit der Aussteuer meiner Großmutter. Ich verwendete Teppiche und Tücher, die ich von ihr geerbt habe, sowie einen traditionellen Trinkkrug aus der Zeit meines Vaters. Viele dieser Gegenstände sind zwischen 50 und 100 Jahre alt“, so Zanewa.
FOTO Bulgarische Schule "Dora Gabe" in München
Bevor sie sich in München niederließ, führte Denkas Lebensweg nach Südamerika. Fast zehn Jahre lebte sie in Chile, wohin die Arbeit ihres Mannes, des Astronomen Valentin Ivanov an der Europäische Südsternwarte die Familie führte. Dort wurden ihre drei Kinder geboren, denen sie bereits zu Hause Bulgarisch beibrachte.
„In Chile zu leben ist interessant, aber dafür braucht man Geld. Chile ist ein recht armes Land, und wenn man keine gute Arbeit mit ausreichendem Einkommen hat, ist das Leben dort alles andere als einfach.“
Das Leben in Lateinamerika stellte sie vor große Herausforderungen, darunter das verheerende Erdbeben der Stärke 7,9 im Jahr 2010. Diese Erfahrung hinterließ tiefe Spuren und zeigte ihr die Kraft menschlicher Solidarität.
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„Es war ein außergewöhnliches Erlebnis. Wenn ein Teil des Landes in Trümmern liegt und viele Menschen ihr Zuhause verloren haben, dann zu sehen, wie sich Menschen zusammenschließen, die sich sonst kaum füreinander interessieren, und gemeinsam etwas erreichen, was sie allein niemals geschafft hätten – das war beeindruckend. Wir sammelten Hilfsgüter aller Art. Und wenn man in einer solchen Situation jemanden trifft, fühlt man sich ihm wie einem Bruder verbunden, weil er dasselbe erlebt hat wie man selbst.“
Mit ihrem unermüdlichen Einsatz und ihrer Kreativität beweist Denka Zanewa, dass Bulgaren ihre Wurzeln überall auf der Welt mit sich tragen – manchmal in einer Truhe voller geerbter Teppiche, manchmal im Geschichtsunterricht, immer aber mit einer Liebe zur Heimat, die sie an die nächste Generation weitergeben.
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov