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Joan Kolew
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Familiengeschichte – der Schlüssel zur bulgarischen Herkunft und Identität
Sonntag 28 Juni 2026 16:40
Sonntag, 28 Juni 2026, 16:40
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Genealogie ist nicht nur eine historische Wissenschaft, sondern auch eine Reise in die Vergangenheit, die uns hilft, unsere Wurzeln und unsere Geschichte besser zu verstehen. Wer seine Familiengeschichte erforscht, kann neue Verwandte entdecken, mehr über seine Vorfahren erfahren und die Erinnerung an die Familie für kommende Generationen bewahren.
Deshalb verdienen Initiativen, die Menschen mit diesem Interesse zusammenbringen, besondere Aufmerksamkeit. Genau dieses Ziel verfolgte die kürzlich in Sofia veranstaltete wissenschaftliche Konferenz „Neue Forschungen und Herausforderungen in der Genealogie“, organisiert von der genealogischen Föderation „Rodosnanie“.
Dort wurden zahlreiche umfangreiche Familienforschungen vorgestellt. Manche davon nahmen mehrere Jahre in Anspruch, da die Erstellung oder Erforschung von Stammbäumen und historischen Dokumenten für die meisten Beteiligten ein Hobby ist. Es erfordert Geduld, intensive Recherche und die systematische Auswertung von Informationen, die bei erneuter Durchsicht oft zu neuen Erkenntnissen führen.
Zu den besonders interessanten Familiengeschichten gehörte jene der Föderationssekretärin Swetlana Djakonowa-Arsen.
Swetlana Djakonowa-Arsen
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Obwohl sie Wirtschaftswissenschaftlerin ist, gilt ihre große Leidenschaft der Geschichte. Ihr Großvater stammte aus Bansko, dem heutigen Wintersportzentrum, das einst ein bedeutendes Handels-, Handwerks- und Kulturzentrum mit ausgeprägtem nationalem Bewusstsein war. Djakonowa-Arsen begann, die Familiengeschichte ihrer mütterlichen Linie zu erforschen, die auf die für Bansko bedeutende Familie Hadschiwaltschew zurückgeht – eine Familie, die mit dem Autor der „Slawisch-bulgarischen Geschichte“, dem Begründer der Bulgarischen Wiedergeburt, verbunden ist.
„Der Vater meiner Mutter stammt aus der Familie Sirleschtow, einer sehr alten Familie. Ihr Stammvater wurde 1620 geboren, seine Mutter gehörte zur Familie Hadschiwaltschew. Hadschi Waltscho gilt als einer der Brüder von Paisij Hilendarski. Bereits vor mir haben Familienmitglieder die Geschichte erforscht, aber auch ich konnte viele neue Entdeckungen machen. Zu Ostern besuchte ich mit meiner Schwester das Grab unseres fünffachen Urgroßvaters Arsen Hadschinikolitsch, der im Zentrum von Budapest hinter der Kirche Mariä Himmelfahrt begraben liegt – der größten orthodoxen Kirche der ungarischen Hauptstadt“, sagte Djakonowa.
Dabei stellte sich heraus, dass Informationen über diesen Vorfahren bereits in den 1940er Jahren veröffentlicht worden waren.
Stifterporträt des Hadschi Waltscho aus Bansko in der Kapelle des Heiligen Johannes von Rila im Kloster Hilandar
FOTO paisij.blogspot.com
„In den 1940er Jahren entdeckte der Gesandtschaftspriester der bulgarischen Botschaft diese Dokumente und veröffentlichte sie in der damaligen Zeitung Mir. Ich stieß später darauf, veröffentlichte die Informationen erneut, und einige Verwandte reisten sogar vor mir nach Budapest. Schließlich gelang es aber auch meiner Schwester und mir, das Grab zu finden“, so Djakonowa.
Eine weitere bedeutende Persönlichkeit in ihrer Familiengeschichte ist Neofit Rilski (1793–1881), dessen Bildungs- und Schriftstellertätigkeit eng mit der Entwicklung der neuzeitlichen bulgarischen Kultur verbunden war.
„Die Familie von Neofit Rilski war entschieden dagegen, dass er Mönch wird. Man betrachtete seine Entscheidung als großen Verlust. In frühen Briefen spürt man deutlich die Enttäuschung und Verärgerung seiner Angehörigen.“
Ihre Erkenntnisse gewann Djakonowa-Arsen im Zuge ihrer Forschungen über die Geschichte Banskos aus der Perspektive der Händler von Wolle, Leder und Baumwolle. Besonders der Baumwollhandel machte die Einwohner von Bansko wohlhabend, da Baumwolle eine stark gehandelte und steuerpflichtige Ware war. Über dieses Thema arbeitet sie derzeit an einem Buch, das kurz vor der Fertigstellung steht.
Eine weitere interessante Entdeckung stellte die bulgarische Journalistin, Schriftstellerin und Gesellschaftsaktivistin Sdenka Todorowa vor. Sie berichtete über eine bulgarische Spur im serbischen Dorf Ježevica.
Ihre Forschungen zu den Kultstätten in den Westlichen Randgebieten sowie zur Steinmetzschule von Ginzi führten sie zufällig auf dieses Thema.
Sdenka Todorowa
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„Bei meinen Recherchen stieß ich auf ein Buch, das 1995 vom serbischen Institut für Denkmalschutz veröffentlicht wurde. Darin fand ich Hinweise auf eine bulgarische Spur in Zentralserbien nahe der Stadt Čačak. Besonders beeindruckte mich, dass ein serbischer Autor diese Geschichte dokumentiert hatte“, sagte Todorowa.
Im Mittelpunkt steht ein Bulgare namens Iwan der Bulgare, der 1849 im Dorf Ježevica starb. Seine Söhne Blagoj und Stoju ließen für ihn einen Grabstein anfertigen.
„Auf dem Grabstein befinden sich zahlreiche Rosetten – ein typisches protobulgarisches Symbol. Die Inschrift lautet auf Bulgarisch: Iwan M. – der Bulgare.“
Nationale wissenschaftliche Konferenz „Neue Forschungen und Herausforderungen in der Genealogie“
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Nach Ansicht Todorowas gehörte die Familie zu den vielen Bulgaren, die während der osmanischen Herrschaft nach Serbien flohen und nach der Befreiung Bulgariens teilweise wieder in ihre Heimat zurückkehrten.
Solche Forschungen und persönlichen Familiengeschichten zeigen deutlich, dass Genealogie weit mehr ist als die Suche nach Namen und Daten. Sie ist ein lebendiger Prozess der Wiederentdeckung von Erinnerung, Herkunft und nationaler Identität.
Durch die Arbeit von Forschern wie Swetlana Djakonowa-Arsen und Sdenka Todorowa werden nicht nur die Schicksale einzelner Familien sichtbar, sondern auch bedeutende Kapitel der bulgarischen Geschichte, die weit über die heutigen Landesgrenzen hinausreichen.
Einen wichtigen Beitrag dazu leisten Initiativen wie die Konferenz der Föderation „Rodosnanie“, die Gleichgesinnte zusammenbringen, genealogische Forschung fördern und das familiäre Gedächtnis zu einem gemeinsamen kulturellen Wert machen.
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov