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Bulgarisch als Fremdsprache lernen – Bedarf und Herausforderung

Prof. Dr. Krassimira Tschakarowa

Prof. Dr. Krassimira Tschakarowa

FOTO Krassimir Martinow

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Wo kann man in Bulgarien Bulgarisch als Fremdsprache lernen, sich auf ein Studium vorbereiten oder eine spezielle Fortbildung für Lehrkräfte bulgarischer Sonntagsschulen im Ausland absolvieren? Eine mögliche Antwort lautet: Plowdiw – die zweitgrößte Stadt Bulgariens im Süden des Landes. 

Seit mehr als 20 Jahren vermittelt die Universität Paisij Hilendarski Plowdiw über ihr Departement für Sprach- und Fachausbildung ausländischer Studierender Kenntnisse der bulgarischen Sprache. Die Einrichtung wurde 2005 gegründet, ist assoziiertes Mitglied der Association of Language Testers in Europe und hofft, bald den Status eines Vollmitglieds dieser renommierten europäischen Vereinigung zu erhalten. 

Plovdiver Universität „Paisij Hilendarski“

FOTO uni-plovdiv.bg

Das Departement bietet verschiedene Programme zum Erlernen der bulgarischen Sprache an. Ausländische Staatsangehörige, die in Bulgarien studieren möchten, können einen einjährigen Vorbereitungskurs absolvieren, der die notwendigen Sprachkenntnisse für einen erfolgreichen Studienbeginn vermittelt. Zum Programm gehören zudem Aktivitäten zur Vermittlung der bulgarischen Geschichte und Kultur, darunter Kreativwerkstätten, Filmvorführungen, Exkursionen, Museumsbesuche sowie Theater- und Opernaufführungen. Am Ende des Kurses sollen die Teilnehmer das Niveau B2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens erreichen. 

FOTO Departement für Sprach- und Fachausbildung ausländischer Studierender Kenntnisse der bulgarischen Sprache

Darüber hinaus bietet die Universität einen Intensivkurs für praktisches Bulgarisch an. Dieser richtet sich an ausländische Staatsbürger, die bereits in Bulgarien leben, oder an Studierende, die Bulgarisch auf dem Niveau B2 beherrschen und ihre sprachlichen Kompetenzen weiter ausbauen möchten. Mit diesem Kurs können sie das Niveau C1 erreichen. 

FOTO Departement für Sprach- und Fachausbildung ausländischer Studierender Kenntnisse der bulgarischen Sprache

Das Team des Departements besteht aus hochqualifizierten Dozenten, die die Lehrprogramme regelmäßig aktualisieren, Prüfungsverfahren weiterentwickeln und Lehrbücher sowie Unterrichtsmaterialien erarbeiten, erklärt die Direktorin des Departements, Prof. Dr. Krassimira Tschakarowa. Auf die Frage, womit ausländische Studierende beim Erlernen des Bulgarischen die größten Schwierigkeiten haben, antwortete sie: 

FOTO Departement für Sprach- und Fachausbildung ausländischer Studierender Kenntnisse der bulgarischen Sprache

„Besonders komplex ist für sie die bulgarische Grammatik. Unser Tempussystem ist sehr anspruchsvoll. Schwierigkeiten bereitet auch die Verbaspektbildung, vor allem für Studierende, deren Muttersprache keine Aspektunterscheidung kennt. Viele können zunächst nicht verstehen, wie ein Verb perfektiv sein und gleichzeitig im Imperfekt stehen kann. Dann erkläre ich ihnen, dass es sich um unterschiedliche grammatische Kategorien handelt. 

Auch der Aorist, eine im Bulgarischen sehr gebräuchliche Vergangenheitsform, bereitet Probleme, da er je nach Verbklasse unterschiedlich gebildet wird. Seine Beherrschung erfordert bewusstes Lernen. Herausforderungen entstehen ebenfalls bei der Verwendung der Partizipien. Nicht immer wird zwischen Aorist- und Imperfektpartizip unterschieden. 

Auch die Wiedergabe fremder Aussagen in der sogenannten Renarrativform ist für manche Studierende ungewohnt. Sie fragen oft: ‚Warum sollte man die Worte eines anderen wiedergeben? Wozu ist das nötig?‘ Das hat viel mit Ethnopsychologie zu tun. Für sie ist es etwas völlig Neues. 

Wir haben Slawen, viele Griechen und Studierende aus anderen Ländern unterrichtet. Die einzigen, die mit der Renarrativform keine Schwierigkeiten haben, sind türkische Studierende, da es in ihrer Sprache ein ähnliches Phänomen gibt. Chinesische Studierende wiederum tun sich anfangs schwer mit der Aussprache des Lautes ‚r‘. Doch mit genügend Übung gelingt auch das. Jede Sprachgemeinschaft begegnet beim Erlernen des Bulgarischen eigenen Herausforderungen. Der Wunsch, die Sprache zu beherrschen, ist jedoch groß – und deshalb sind die Studierenden erfolgreich“, sagte Tschakarowa.  

Welche weiteren Programme bietet das Departement an? 

FOTO Departement für Sprach- und Fachausbildung ausländischer Studierender Kenntnisse der bulgarischen Sprache

Hinter Prof. Dr. Krassimira Tschakarowa und ihrem Team liegt bereits der erste einjährige Fortbildungskurs für Lehrkräfte bulgarischer Sonntagsschulen im Ausland. Das Programm wurde in zwei Gruppen gegliedert – für Pädagogen mit Lehramtsabschluss und für Lehrkräfte ohne pädagogische Qualifikation. Die Ergebnisse des ersten Jahrgangs seien beeindruckend gewesen, betont die Professorin. 

FOTO uni-plovdiv.bg

Zudem hat das Departement die Unterlagen vorbereitet, die für die Zertifizierung mit dem Qualitätssiegel „Q Mark“ der ALTE erforderlich sind. Damit wäre die Einrichtung künftig berechtigt, Sprachprüfungen abzunehmen und international anerkannte Zertifikate auszustellen.

„Das wäre eine erfreuliche Nachricht, denn wir würden erst die zweite Universität in Bulgarien sein, die nicht nur assoziiertes, sondern reguläres Mitglied der ALTE mit zertifizierter Qualitätssicherung wird. Im Bewerbungsprozess hat uns die Assoziation der Bulgarischen Schulen im Ausland sehr unterstützt. Die Erprobung unserer ALTE-Tests erfolgte mit Schülerinnen und Schülern bulgarischer Sonntagsschulen im Ausland. Die Kinder haben mit großem Engagement teilgenommen“, so Tschakarowa. 

FOTO „Hll. Kyrill und Method“-Schule in Athen

Für Vertreter bulgarischer Gemeinschaften im Ausland, die gemäß den staatlichen Regelungen für Studierende bulgarischer Herkunft (Ministerratsbeschlüsse Nr. 103 und Nr. 228) zum Studium zugelassen werden, bietet die Universität Paisij Hilendarski in Plowdiw außerdem einen ganzjährigen Bulgarischkurs während des ersten Studienjahres an. Je nach Ergebnis eines Einstufungstests werden die Teilnehmer einer Anfänger- oder Fortgeschrittenengruppe zugeordnet. 

Darüber hinaus veranstaltet das Departement Sprachkurse für Studierende und Dozenten, die im Rahmen internationaler Austauschprogramme wie Erasmus+, CEEPUS oder Fulbright-Programm an der Universität studieren oder lehren. Die Kurse werden mit einer Prüfung abgeschlossen, deren Ergebnis in die akademische Leistungsübersicht aufgenommen wird. 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov