Autor
Mladen Petkow
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Die Geschichte einer nachhaltigen Kulturpartnerschaft
Einzigartige bulgarische Publikationen in der Library of Congress
Sonntag 21 Juni 2026 15:35
Sonntag, 21 Juni 2026, 15:35
FOTO Mladen Petkow
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Bulgarien ist in der Library of Congress in Washington mit einer der umfangreichsten nationalen Sammlungen außerhalb des Landes vertreten. Sie wurde durch Austausch, Schenkungen, Ankäufe und eine Partnerschaft aufgebaut, die selbst in Zeiten politischer Spannungen nicht abbrach.
Die ersten drei bulgarischen Druckwerke, die in die Library of Congress gelangten, waren ein Psalter und das Buch Genesis aus dem Jahr 1857 sowie das Neue Testament von 1850. Sie erscheinen bereits 1861 im Katalog der Bibliothek, allerdings ohne genaue Angaben darüber, wie sie nach Washington gelangten. Der eigentliche Austausch begann erst Ende des 19. Jahrhunderts.
„Der wirkliche Beginn liegt in den 1890er Jahren“, sagte die Bibliothekarin Angela Cannon dem Bulgarischen Nationalen Rundfunk.
„Ich habe ein Beispiel für eines unserer frühesten Materialien, das dem Smithsonian Institution von Paul Leverkühn, dem persönlichen Sekretär von Zar Ferdinand I., übergeben wurde: den Sammelband Volksdichtung, Wissenschaft und Literatur von 1897. Das Exemplar trägt sogar das Exlibris des Zaren.“
Sammlung volkstümlicher Gedanken, Wissenschaft und Literatur aus dem Jahr 1897. Das Exemplar trägt das Exlibris von Ferdinand.
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Bulgarien wurde zunächst der Slawischen Abteilung zugeordnet, deren Schwerpunkt vor allem auf Russland lag. Mit dem Zweiten Weltkrieg änderte sich jedoch die Sichtweise der Bibliotheksleitung. Man erkannte, dass mangelndes Wissen über Entwicklungen in einer Region der Welt die Sicherheit anderer Regionen gefährden kann.
„Nach unserer Beteiligung an zwei europäischen Kriegen begann die Bibliothek zu verstehen, dass wir systematisch Informationen über all diese Länder sammeln müssen“, erklärte Cannon.
1946, am Vorabend des Kalten Krieges, unterzeichneten Bulgarien und die USA ein Abkommen über den Austausch offizieller Dokumente, Bücher und Zeitschriften.
Dem Vertrag zufolge sollte die Library of Congress eine Sammlung von Dokumenten der US-Regierung bereitstellen und jeweils ein Exemplar jeder Veröffentlichung der amerikanischen Nationalbibliografie erwerben. Bulgarien verpflichtete sich im Gegenzug, offizielle Regierungsdokumente, sämtliche Publikationen aus der bulgarischen Nationalbibliografie sowie von der Library of Congress ausgewählte Zeitschriften und Zeitungen zu liefern.
Es entstand eine kollegiale Atmosphäre, die sogar fortbestand, als Bulgarien und die USA in den 1950er Jahren infolge des Prozesses gegen Trajtscho Kostow ihre diplomatischen Beziehungen abbrachen.
Diese Entwicklung beschreibt Cannon ausführlich in ihrer 2010 veröffentlichten wissenschaftlichen Studie Die historische Entwicklung der bulgarischen Sammlung in der Library of Congress von 1894 bis heute.
Besonders bemerkenswert war die Korrespondenz zwischen James Bennett Childs und Todor Borow, dem Direktor des Bulgarischen Bibliografischen Instituts. Trotz des Kalten Krieges verband beide Männer ein beinahe freundschaftliches Verhältnis. Aus ihren Briefen geht hervor, dass sie offen über Themen wie die Gehälter von Bibliothekaren sprachen. Childs kritisierte zudem wiederholt die Dominanz Russlands innerhalb der Slawischen Abteilung, die er als fortbestehendes Problem betrachtete.
Angela Cannon und Mladen Petkow
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Zu den wertvollsten Beständen zählt die Privatsammlung des Druckers Todor Plotschew.
„Seine Leidenschaft war das Sammeln seltener Bücher“, erklärt Cannon. „Er reiste durch Bulgarien und sprach mit den Menschen, um herauszufinden, ob sie versteckte Bücher besaßen, die er kaufen oder tauschen konnte.“
Wie die Sammlung in die Vereinigten Staaten gelangte, ist nicht vollständig geklärt. Die Library of Congress kaufte sie 1949 von seinem Sohn für 3.000 Dollar. Sie umfasst rund 700 Titel, darunter Sofronij Wratschanskis Kyriakodromion (1806), den Fischfibel von Petar Beron (1824), die Bulgarische Grammatik von Neofit Rilski (1835) sowie zahlreiche Werke von Georgi Rakowski.
Cannon betont:
„Ich halte diese Sammlung für außerordentlich wichtig für Ihre Kultur und Ihre Geschichte. Jedes Mal, wenn wir diese Bücher bulgarischen Besuchern zeigen, sind sie tief beeindruckt und begeistert.“
Plotschew war Eigentümer des Verlags „Prawo“ in Sofia. Dort arbeitete auch seine Ehefrau Wera Plotschewa, Ärztin und Aktivistin der bulgarischen Frauenrechtsbewegung. Der Verlag wurde um 1918 gegründet, jedoch 1948 verstaatlicht.
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Ein weiterer Schwerpunkt der Sammlung sind Publikationen bulgarischer Einwanderer in den Vereinigten Staaten. Anfang des 20. Jahrhunderts begannen bulgarische Auswanderer, eigene Zeitungen und Bücher herauszugeben. Die erste bedeutende Publikation war Naroden Glas (Volksstimme), die 1907 in Granite City im US-Bundesstaat Illinois erschien – einem Zentrum der frühen bulgarischen Emigration.
Zu den interessanten Exponaten gehört eine bulgarische Übersetzung eines Werkes von Lew Trotzki aus dem Jahr 1918, die über amerikanische Geheimdienste in die Bibliothek gelangte, welche damals Personen mit radikal linken Ansichten in den USA überwachten.
„Viele osteuropäische Einwanderer vertraten solche Überzeugungen, darunter auch zahlreiche Arbeiter in Granite City“, sagte Cannon. „Dieses Exemplar ist in einem so guten Zustand, dass ich glaube, es hat nie jemand gelesen.“
Nicht alle Publikationen der bulgarischen Emigration waren jedoch linksgerichtet. In New York veröffentlichten Bulgaren auch die antikommunistische Zeitung Freies und unabhängiges Bulgarien.
Die Library of Congress bemüht sich aktiv darum, Materialien zu sammeln, die die unterschiedlichen Gemeinschaften Bulgariens widerspiegeln. Auf der Suche nach Quellen zur muslimischen Minderheit versuchte Angela Cannon während eines Bulgarienaufenthalts, Kontakte zum Obersten Muftiat herzustellen, und bat sogar die US-Botschaft in Sofia um Unterstützung – jedoch ohne Erfolg. Schließlich half die langjährige Zusammenarbeit mit der Nationalbibliothek dabei, die Zeitschrift Muslime zu beschaffen.
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Die Partnerschaft, die bereits vor der Aufnahme offizieller diplomatischer Beziehungen zwischen Bulgarien und den USA begann, hat eine lebendige Brücke zwischen beiden Ländern geschaffen.
Jährlich erhält die Library of Congress rund 3.000 Materialien aus Bulgarien. Sie erweitern das Wissen über Themen wie Geschichte, Kultur und Volkscharakter und schließen Wissenslücken weit über die Grenzen Bulgariens hinaus.
Die bulgarische Sammlung kann im Europäischen Lesesaal der Library of Congress eingesehen werden. Weitere Informationen sowie kostenlosen Zugang zu den digitalisierten Beständen bietet die Website der Library of Congress.
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov