Autor
Zwetana Tontschewa
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Meisterwerke bulgarischer Musikkultur
„Hoch“ von Ewtim Ewtimow und FSB – ein Lied, das die Seele erhebt
Freitag 19 Juni 2026 20:00
Freitag, 19 Juni 2026, 20:00
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In der zweiten Hälfte des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts gehörte Ewtim Ewtimow (28.10.1933–08.06.2016) zu den beliebtesten bulgarischen Dichtern. Als Meister der Liebeslyrik berührte er mit seinen einfühlsamen und aufrichtigen Gedichten die Herzen Tausender Bulgaren. Seine Werke, die zwischen 1959 und 2013 in mehr als 40 Gedichtbänden erschienen, dienten vielfach als Texte für erfolgreiche Lieder, die von den größten Stars der bulgarischen Popmusik interpretiert wurden.
Ewtim Ewtimow (1933 – 2016)
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1989 verwandelte eine Gruppe herausragender Musiker eines der auf den ersten Blick schlichtesten Liebesgedichte Ewtimows in einen unvergesslichen Hit. Das ursprünglich offensichtlich einer geliebten Frau gewidmete Gedicht lautete:
Steh hoch,
über Neid und Kränkung,
über kleinliche Gerüchte,
steh hoch, damit ich dich sehe.
Sei heute über allem,
du blauäugige Liebe.
Die Sterne sind Sterne,
weil sie hoch stehen.
Doch bereits in den ersten Takten des Liedes erhält der Text eine neue Dimension. Mit markanten melodischen Sprüngen und der wiederholten Betonung des Wortes „hoch“ erklingt: „Hoch, hoch, hoch … steh hoch!“. Die Hervorhebung einzelner Worte und die ständige Wiederholung von „hoch“, verbunden mit einer bewegenden Melodie und einem meisterhaften Arrangement, machen aus der Miniatur „Hoch“ von Rumen Bojadschiew und Konstantin Zekow eine wahre Hymne auf Würde und geistige Erhebung.
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Wenn man beneidet wird, feindselige Blicke spürt oder ungerecht beschuldigt und verleumdet wird – dann soll man sich aufrichten, über den Dingen stehen. Die Musik der legendären Band FSB verleiht den Versen Ewtim Ewtimows eine tiefere philosophische Bedeutung und hebt sie weit über ihre ursprüngliche Intention hinaus.
Der Erfolg des Liedes war überwältigend. „Hoch“ gilt bis heute als zeitloser Klassiker der bulgarischen Musik.
Die Band FSB im Jahr 1976 während Aufnahmen im Studio von Balkanton.
FOTO facebook.com/fsb.bg
Als die damals 22-jährigen Rumen Bojadschiew, Konstantin Zekow und Alexandar Bacharow 1975 das Projekt „Formation Studio Balkanton“ ins Leben riefen, sorgten ihre ersten Coverversionen für Aufsehen. Das junge Rocktrio begeisterte Publikum und Fachleute gleichermaßen und eröffnete dem damals in Bulgarien noch wenig bekannten Progressive Rock neue Perspektiven. Schon früh erkannten die Musiker das Potenzial, Elemente der einzigartigen bulgarischen Folklore in ihre Musik einzubinden.
1979 wurde FSB mit dem Gitarristen Iwan Letschew und dem Schlagzeuger Petar Slawow zum Quintett. Aus einer Studioband entwickelte sich die wohl attraktivste Konzertformation Bulgariens. Neben eindrucksvollen Liedern mit starken Melodien und sorgfältigen Arrangements überzeugte die Gruppe durch kompromisslosen Klang, erstklassige Instrumentierung sowie aufwendige Licht- und Lasershows.
Die Band FSB heute (von links nach rechts): Rumen Bojadschiew, Iwan Letschew und Konstantin Zekow.
FOTO facebook.com/fsb.bg
Bis heute gelten die Musiker von FSB als Maßstab für musikalische Qualität und genießen besonders bei der bulgarischen Intelligenzija hohes Ansehen. Sie sind nicht nur eine Band, sondern eine Gemeinschaft künstlerischer Interessen, musikalischer Vorlieben und außergewöhnlicher Fähigkeiten – ein Symbol für Professionalität, Erfahrung und Können.
Zu den wichtigsten Textautoren der Gruppe gehörten der unvergessene Liedermacher Michail Beltschew und die Musikwissenschaftlerin Daniela Kusmanowa. Hinzu kamen namhafte bulgarische Dichter wie Georgi Konstantinow, Dobri Schotew, Kalin Donkow, Ewtim Ewtimow und Viktor Samuilow. Ihre Texte vertonte FSB mit einer unverwechselbaren Klangsprache, die oft durch bulgarische Volksinstrumente, authentische Stimmen von Volksmusikinterpreten sowie für den Rock ungewöhnliche Instrumente wie Marimba oder Xylophon bereichert wurde.
Das Lied „Hoch“ mit dem einzigartigen Dudelsackklang im Finale ist ein perfektes Beispiel für das Bestreben von FSB, Tradition und Innovation miteinander zu verbinden. Mit diesem unverwechselbar bulgarischen Klang scheint die Band, die heute als Symbol des bulgarischen Rock gilt, zu sagen: „Steht hoch, Bulgaren! Die Sterne sind Sterne, weil sie hoch stehen.“
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov