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Kosmopolitischer Geist und orthodoxer Glaube
Die Geschichte von Schiwka Agov aus Zürich
Samstag 20 Juni 2026 15:50
Samstag, 20 Juni 2026, 15:50
Schiwka Agov
FOTO Alexandra Karamichalewa
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Schiwka Agow ist eine Persönlichkeit mit einem beeindruckenden, kosmopolitischen Lebensweg. Mit gerade einmal 14 Jahren verließ sie Bulgarien, um ihrem Vater zu folgen - einem Arzt, dessen Beruf die Familie nach Äthiopien und in die Schweiz führte.
„Ich habe Bulgarien im Alter von 14 Jahren verlassen. Zunächst lebten wir in Afrika, da mein Vater Arzt ist“, erzählt sie. Der Weg der Familie führte über Äthiopien, die Schweiz und schließlich wieder nach Südafrika. Die Bulgarin schloss ihr Finanzstudium in der Schweiz ab, wo sie ihren Ehemann kennenlernte, einen Bulgaren, der aus Plowdiw emigriert war, und blieb dauerhaft in der Eidgenossenschaft leben.
Da ihre Kindheit in Bulgarien in die Zeit des atheistischen sozialistischen Regimes fiel, fand Schiwka Agow erst später den Weg zum Glauben. Erst in der Schweiz ließ sie sich in einer griechischen Kirche taufen, kurz bevor sie ihren Ehemann heiratete. Als sie sich endgültig in der Schweiz niederließen, war sie 25 Jahre alt. Sie hat eine erfolgreiche Karriere aufgebaut und im Finanz- und Verwaltungsbereich großer Unternehmen gearbeitet.
FOTO Facebook/Jivka Agov
Nach 40 Dienstjahren ist sie weiterhin aktiv. Inzwischen Rentnerin, führt sie die Firmen ihres verstorbenen Ehemannes. Ihre zwei erwachsenen Söhne haben studiert und sind selbständig und sie hat genügend Zeit, um die bulgarische Kirche in Zürich zu unterstützen.
Ihre gesamte, im Laufe der Jahre gesammelte Erfahrung im Bereich Finanzen und Management setzt sie als Vorsitzende des Kirchenvorstands der bulgarischen orthodoxen Kirchengemeinde „Heiliger Georg der Siegreiche“ in Zürich für die bulgarische Sache ein.
FOTO Facebook/Jivka Agov
Die bulgarische Kirchengemeinde in Zürich wurde 2009 gegründet. Das Herz der Gemeinde ist für Schiwka schon immer Pater Jordan gewesen.
„Die Laien kennen ihn schon seit sehr langer Zeit. Er ist eine Konstante in der Geschichte der bulgarischen Kirchengemeinde und der authentischste und herzlichste Mensch, den ich je gesehen habe“, beteuert Schiwka Agow. „Seine Seele ist vollkommen rein. Alles, was er tut, kommt aus seinem Innersten. Er ist so hingebungsvoll und arbeitet Tag und Nacht für diese Organisation.“
FOTO Facebook/Jivka Agov
Schiwka Agov beschreibt den bulgarischen Priester als eine Persönlichkeit, die Frieden stiftet und die Menschen zusammenbringt. Pater Jordan ist Mitglied des örtlichen Verbandes der orthodoxen Kirchen, dem Russen, Griechen, Serben und andere Gemeinschaften angehören. Ihren Worten zufolge gelingt es dem Pfarrer, alle zwischen ihnen auftretenden Meinungsverschiedenheiten beizulegen und sie zu vereinen, weshalb er ständig gebeten wird, an gemeinsamen Gottesdiensten teilzunehmen.
FOTO Facebook/Jivka Agov
Auf die Frage, ob Ausländer und Gläubige anderer orthodoxer Konfessionen die Gottesdienste in der bulgarischen Kirche besuchen, merkt sie an, dass dies selten vorkommt, da die Sprache ein wesentliches Hindernis darstellt. Ähnlich sei die Situation ihrer Meinung nach auch bei den Ehepartnern von Bulgaren in Mischehen im Ausland. „Bei den Mischehen ist die Sprache definitiv ein Problem, es geht nicht nur um den Glauben. Die Orthodoxen in der Schweiz sind auch nicht gerade zahlreich.“
FOTO Facebook/Jivka Agov
In vielen bulgarischen orthodoxen Kirchengemeinden im Ausland ist es üblich, wesentliche Teile des Gottesdienstes – wie das liturgische Evangelium, den Apostelbrief, das „Vaterunser“ und das Glaubensbekenntnis – in zwei Sprachen (auf Bulgarisch und in der Landessprache) vorgetragen werden, damit alle Anwesenden sie verstehen können. Auch die Predigt wird oft von jemandem in Echtzeit für die Ausländer übersetzt. Die bulgarische Gemeinde in Zürich steht jedoch noch am Anfang dieses Weges.
Derzeit nutzen die Bulgaren für ihre Gottesdienste eine kleine Kapelle neben einer großen katholischen Kirche in Leimbach, einem Stadtteil von Zürich, die ihnen seit einigen Jahren unentgeltlich zur Verfügung gestellt wird.
Auch wenn sich die bulgarische Gemeinde in Zürich noch im Aufbau befindet, zeigt ihr Beispiel etwas Wichtiges: Jeder Christ hat seinen ganz eigenen Dienst im Leib der Kirche. Gott schenkt jedem unterschiedliche Gaben – dem einen geistliche Weisheit, die Fähigkeit zuzuhören, zu unterstützen und zu trösten, dem anderen organisatorische Fähigkeiten und das Geschick, Finanzen zu verwalten, dem dritten kulinarisches Talent... Wenn ein Mensch seine Talente in den Dienst Gottes und des Nächsten stellt, vermehren sie sich und bringen gute Früchte hervor. Genau wie im evangelischen Gleichnis von den Talenten.
Übersetzung: Georgetta Janewa
Gestaltet von Georgetta Janewa