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Bulgarische Rosenbauern zwischen Klimakrise und unlauterem Wettbewerb
Samstag 18 Juli 2026 17:15
Samstag, 18 Juli 2026, 17:15
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Die ölhaltige Rosa Damascena ist eines der Symbole Bulgariens. Das Rosenöl, das seit jeher in den sonnigen Rosengärten des Landes gewonnen wird, genießt auf den Weltmärkten einen hervorragenden Ruf und gilt als Produkt von höchster Qualität. Während der renommierten Messe „Grüne Woche“ in Berlin wurde jedoch bekannt, dass sich die Ernte der Ölrose in Bulgarien im Jahr 2025 halbiert hat. Eine derart schlechte Saison hat der Rosenanbau seit mindestens 30 Jahren nicht erlebt.
Der Klimawandel treffe die bulgarischen Rosenbauern besonders hart, warnt der Vorsitzende des Berufsverbands der Rosenproduzenten, Petar Simeonow, im Gespräch mit Wesselina Milanowa.
„Das vergangene Jahr war das schwierigste überhaupt. Der warme und milde Winter, gefolgt von einem kalten Frühjahr, führte dazu, dass mehr als 50 Prozent der Anpflanzungen erfroren“, erklärte Petar Simeonow, der selbst Rosengärten besitzt und Biokosmetik mit eigenen ätherischen Ölen herstellt.
Petar Simeonow
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„Eine wirkliche Lösung sehen wir derzeit nicht. Die Erträge könnten jedoch deutlich steigen, wenn ausreichend Wasser zur Bewässerung vorhanden wäre. Die Wassergewinnung über Tiefbrunnen ist für die Rosenbauern jedoch sehr schwierig. Mehr als die Hälfte der Betriebe befindet sich in Gebirgsregionen, die übrigen in Vorgebirgsgebieten. Bohrungen müssen dort oft in Tiefen von über 100 Metern erfolgen. Das bedeutet enorme Investitionen für jeden Produzenten. Der Staat unterstützt uns, darüber können wir uns nicht beklagen, aber im Bereich der Bewässerung muss dringend etwas geschehen. Das betrifft nicht nur den Rosenanbau, sondern auch den Obst- und Gemüsebau, denn genau dort fehlen uns die Erzeugnisse auf dem Markt. Wenn Frostschäden auftreten wie im vergangenen Jahr, brauchen wir Wasser, um die zerstörten Anpflanzungen vollständig wiederherzustellen. Derzeit verfügen nur etwa ein Prozent der Rosenfelder über Bewässerungssysteme. Ein Rosenbauer mit 50 bis 100 Hektar Anbaufläche kann sich kaum eine Investition von 150.000 Euro für Bewässerung leisten. Dabei könnten die Erträge im Folgejahr um 40 bis 50 Prozent steigen“, sagte Simeonow.
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Nach Angaben des Berufsverbands werden in Bulgarien derzeit rund 60.000 Dekar Rosen angebaut. Das entspricht etwa 6.000 Hektar. Unter optimalen Bedingungen könnten bis zu 30.000 Tonnen Rosenblüten geerntet werden. Im vergangenen Jahr lag die Ernte jedoch nur bei rund 6.000 Tonnen. Zum Vergleich: Zwischen 2018 und 2020 wurden auf denselben Flächen jährlich etwa 20.000 Tonnen geerntet. Im Jahr 2024 lag die Produktion noch bei etwas mehr als 10.000 Tonnen. Mit jedem Jahr geht die Erntemenge jedoch weiter zurück.
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„Große Teile der Rosenfelder werden inzwischen aufgegeben. Nach unseren Schätzungen wurden allein im vergangenen Jahr 30 bis 40 Prozent der angelegten Rosenplantagen nicht mehr bewirtschaftet“, erklärte Petar Simeonow. Zudem verweist er auf weitere Probleme, die mit unlauterem Wettbewerb zusammenhängen.
„Viele Kollegen sorgen sich wegen der Konkurrenz. Auch in Bulgarien werden erhebliche Mengen ausländischen Rosenöls importiert, vor allem aus Aserbaidschan und der Türkei. Besorgniserregend ist außerdem der Export von Rosensetzlingen in Länder außerhalb der EU. Dadurch wird der Rosenanbau zunehmend aus Bulgarien verlagert. In Aserbaidschan gelten beispielsweise nicht dieselben strengen Vorschriften wie in der Europäischen Union, etwa bei Düngemitteln oder Pflanzenschutzmitteln. Hinzu kommt, dass die Arbeitskosten dort zehnmal niedriger sind als die eines Rosenpflückers in Bulgarien. Deshalb können die Produzenten dort Rosenöl zu deutlich geringeren Kosten herstellen als wir“, so Simeonow.
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Nach Einschätzung der Rosenbauern exportieren einige Unternehmen bulgarische Setzlinge allein aus Profitgründen nach Aserbaidschan. Das dort gewonnene Öl werde anschließend als aserbaidschanisches Rosenöl nach Bulgarien eingeführt. Problematisch sei dabei die fehlende Rückverfolgbarkeit: Es sei oft nicht nachvollziehbar, wohin das importierte Öl gelange, in welchen Produkten es verwendet werde und ob die Endprodukte schließlich als „Hergestellt in Bulgarien“ vermarktet würden oder als Erzeugnisse aus Aserbaidschan beziehungsweise der Türkei.
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Weitere Herausforderungen wie der Mangel an Arbeitskräften, steigende Ausgaben für Düngemittel und Pflanzenschutz sowie die Kosten für die Teilnahme an Fachmessen bleiben im Rahmen dieses Gesprächs außen vor. Vielleicht wird eines Tages, wenn die brachliegenden Flächen mit diesem schönen Symbol Bulgariens wieder bestellt werden, auch Zeit sein, über die kleineren und lokaleren Probleme des bulgarischen Rosenanbaus zu sprechen.
Interview: Wesselina Milanowa
Text: Gergana Mantschewa
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov