Opernprimadonna Mariana Pentschewa: Wir müssen unsere Spiritualität bewahren!

Sonntag, 19 Juli 2026, 16:20

Opernprimadonna Mariana Pentschewa: Wir müssen unsere Spiritualität bewahren!

FOTO Staatsoper Plowdiw

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„Bemerkenswert – sowohl stimmlich als auch schauspielerisch!“ Mit diesem knappen Urteil fasste die Zeitung Kultura im Jahr 2002 die meisten Kritiken über die Auftritte von Mariana Pentschewa zusammen. Sie zählt zweifellos zu den großen bulgarischen Opernstars des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Doch selbst als sie auf den renommiertesten Bühnen der Welt Triumphe feierte, stand ihr Name selten im Mittelpunkt der bulgarischen Medien. Dabei ist ihr Beitrag zum Ruhm des „bulgarischen Opernwunders“ beträchtlich. 

Die in Plowdiw geborene Sängerin absolvierte die Musikakademie in Sofia. Anschließend spezialisierte sie sich in Verona und wurde Preisträgerin mehrerer renommierter Gesangswettbewerbe in Italien. Ihren größten Erfolg errang sie jedoch 1992 beim Luciano-Pavarotti-Wettbewerb in Philadelphia. 

Opernprimadonna Mariana Pentschewa: Wir müssen unsere Spiritualität bewahren!

FOTO operasofia.bg

Ihre Karriere begann an bedeutenden italienischen Opernhäusern wie dem Teatro Comunale di Firenze und dem Teatro La Fenice in Venedig. Ihr Debüt an der Mailänder Scala gab sie in Spontinis Oper La Vestale unter der Leitung des großen Riccardo Muti, mit der die Spielzeit 1993 eröffnet wurde. Wenig später in derselben Saison sang sie auch in Rigoletto – erneut unter Mutis Dirigat. 

Es folgten Engagements auf den bedeutendsten Opernbühnen der Welt: in London, Barcelona, Berlin, Paris, Leipzig, München, Düsseldorf, Bremen, Graz, Zürich, Lausanne, Brüssel, Monte Carlo, Nizza, Madrid, Athen, Melbourne, Sydney, Buenos Aires, Las Palmas, Montevideo, San Diego, Tokio und Seoul. Sie arbeitete mit den größten Dirigenten und Regisseuren ihrer Zeit zusammen. Ihr Leben war geprägt von Herausforderungen und Optimismus. 

Opernprimadonna Mariana Pentschewa: Wir müssen unsere Spiritualität bewahren!

FOTO Staatsoper Plowdiw

Mariana Pentschewa gilt als äußerst energiegeladen und positiv. Sie betonte oft, dass sie keine Angst vor Risiken habe und sich immer wieder „kopfüber ins kalte Wasser gestürzt“ habe. Auf ihrem glanzvollen Weg begegnete sie vielen außergewöhnlichen Künstlern. 

„Der erste Name, der mir sofort einfällt, ist Luciano Pavarotti. Ich hatte mehrere Begegnungen mit ihm. Die erste war beim Pavarotti-Wettbewerb, den ich glücklicherweise gewann. Es war interessant, denn während ich ihm zuhörte und wusste, was ich selbst am Gesang schätze, sagte ich mir: ,Es gibt keine Möglichkeit, dass er mich nicht mögen wird.‘ 

Beim Finale in Philadelphia wollte Pavarotti von jeder Mezzosopranistin die Arie aus La Favorita hören, allerdings nicht die gesamte Arie, sondern speziell den langsamen Teil. Da dachte ich: ,Ich weiß, was Pavarotti hören möchte!‘ Ich spürte, dass er hören wollte, wie gut eine Mezzosopranistin Legato singen kann“, sagte Pentschewa.  

Opernprimadonna Mariana Pentschewa: Wir müssen unsere Spiritualität bewahren!

FOTO Staatsoper Plowdiw

Mariana entschied sich deshalb, die Arie aus La Favorita als erste Vorsingarie zu wählen – sehr zu Pavarottis Zufriedenheit. Nach dem Wettbewerb wurde Donizettis Oper mit den Preisträgern an der Opera Philadelphia aufgeführt, wobei Mariana die Rolle der Leonora übernahm. 

Wie gelangte ein bescheidenes Mädchen aus Plowdiw, dessen Mutter Volkssängerin und dessen Vater Gewichtheber in der Nationalmannschaft war, auf die großen Bühnen der Welt und an die Seite von Künstlern wie Pavarotti? 

„Die Wahrheit ist, dass man an sich selbst glauben muss. Man muss wissen, dass wir alle auf dieselbe Weise geboren werden, unabhängig davon, in welchem Luxus jemand lebt. Entscheidend ist, was man selbst will. Wenn ein Sänger die nötigen Fähigkeiten besitzt, an sich glaubt, psychisch stabil ist und starke Nerven hat, kann er Wunder vollbringen“, sagte Mariana Pentschewa. 

Der große Dirigent Riccardo Muti entdeckte sie für die Scala. Mit ihm gab sie dort ihr Debüt und gehörte anschließend lange Zeit zu seinen bevorzugten Solistinnen. 

Opernprimadonna Mariana Pentschewa: Wir müssen unsere Spiritualität bewahren!

FOTO Staatsoper Plowdiw

„Maestro Muti ist ein Titan unter den Dirigenten. Er arbeitete sehr gern mit jungen Sängern. Acht oder neun Spielzeiten lang sang ich unter seiner Leitung, er engagierte mich immer wieder. Ich verehre Maestro Muti! Ich habe nie einen anderen Dirigenten erlebt, der eine solche Kraft, Emotion und gleichzeitig eine solche Beherrschung dieser Emotionen ausstrahlte. 

Die Arbeit mit ihm war äußerst verantwortungsvoll, aber zugleich ein großes Vergnügen. Er war kein Dirigent, der nur scherzt und die Beine hochlegt, aber er hatte einen großartigen Sinn für Humor. Ich gehörte sogar zu denen, die auf seine Scherze antworteten – ich scherzte ebenfalls mit ihm“, so Pentschewa. 

Opernprimadonna Mariana Pentschewa: Wir müssen unsere Spiritualität bewahren!

FOTO Staatsoper Plowdiw

Seit 2015 unterrichtet Mariana Pentschewa an der Musikakademie in Sofia. Sie entschied sich bewusst für Bulgarien und nicht für Italien, weil hier ihre Wurzeln liegen und die Menschen leben, die sie am meisten liebt. 

Ihren Studenten möchte sie vermitteln, ihr ganzes Herz und ihre ganze Seele in ihren Beruf zu legen und auf der Bühne glücklich zu sein. Wenige Tage nach ihrem Geburtstag wünschte sie sich vor allem „Gesundheit und inspirierte Studenten“.

Opernprimadonna Mariana Pentschewa: Wir müssen unsere Spiritualität bewahren!

FOTO Oper Stara Sagora

Für Bulgarien und die Bulgaren hat sie einen besonderen Wunsch: 

„Wir sollten lernen, zivilisierter miteinander umzugehen, toleranter zu sein und einen reicheren inneren Horizont zu entwickeln. Deshalb ist Kultur so wichtig. Ich hoffe, dass unser Volk seinen Geist nicht verliert. Wir müssen unsere Spiritualität bewahren.“ 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov