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Ausstellung im Goethe-Institut behandelt Familie und persönliche Identität

Zwei Bulgarinnen beteiligen sich an der Ausstellung mit der Idee der Kommunikation durch Fotografie

Mittwoch, 24 Juni 2026, 15:06

Ausstellung im Goethe-Institut behandelt Familie und persönliche Identität

FOTO goethe.de

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Wie Fotografie für Kommunikation oder als philosophisches Gespräch über die Ursachen genutzt werden kann, die die Identität jedes Einzelnen von uns prägen – das ist das Thema, mit dem zwei Bulgarinnen unser Land in der Fotoausstellung „Reframing Family: Feminist Perspectives Through the Lens“vertreten werden, die vom Goethe-Institut organisiert wird.

Die Ausstellung, die am 25. Juni im Gebäude des Goethe-Instituts in Sofia eröffnet wird, vereint neun Autorinnen und Autoren aus Indien, Deutschland, Ungarn und Bulgarien – Aydin, Gabriella Vincze-Bába, Ágnes Bihari, Anabelle Moghadam, Arthi Duraisamy, Helia Jafarzadeh, Blagovesta Semkova, Dhivya Ravishankar und Sina Niemeyer. Sie betrachten die Familie nicht als Struktur, in der jeder seine Rolle selbst wählt, sondern als einen Raum, der von Macht, familiärem Gedächtnis und kultureller Zugehörigkeit geprägt ist und in dem Wahrnehmungsmuster von Generation zu Generation weitergegeben werden.

FOTO Privatarchiv Kallina Brailsford

Sehr oft suchen wir nach einer Schwarz-Weiß-Sichtweise und erklären das eine für richtig und das andere für falsch“, meinte im Vorgespräch mit Dessislawa Schapkarowa Dr. Kallina Brailsford, Kuratorin der Ausstellung. Und weiter sagte sie:

Die Familie ist ein Ort der Liebe und des Zusammenhalts, aber sie ist auch der Ort, an dem wir uns selbst definieren und erlernte Verhaltensmuster sowie Vorstellungen vom Leben anwenden. Genau diese beiden Aspekte stellen wir in dieser Ausstellung als Spannungsverhältnis dar, weil sie gleichzeitig existieren. Andererseits ist die Fotografie ein bedeutender Faktor bei der Festigung getrennter Geschlechterrollen, und in dieser Ausstellung nutzen wir sie als Instrument, um einen neuen Blick auf Themen zu schaffen, zu deren Fortbestehen sie selbst wesentlich beigetragen hat.“

Die Probleme von Frauen werden durch den kulturellen Kontext bestimmt, in dem sie entstehen, „doch es gibt auch solche, die sich überall auf der Welt wiederholen. Sie äußern sich jedoch in unterschiedlichem Ausmaß und entfalten sich je nach ihrer Wechselwirkung mit der jeweiligen Kultur unterschiedlich“, erläutert Kallina Brailsford,. Und weiter sagte sie:

FOTO İnsagram/ goetheinstitut_chennai

Eine der beiden Frauen aus Indien beschäftigt sich beispielsweise mit dem Druck auf die Frau und ihren Körper, der mit den Erwartungen hinsichtlich Kindern und Familie verbunden ist. In ihrer Kultur ist die Blume ein Symbol des weiblichen Reifens, und es gibt besondere Rituale zur Vorbereitung auf Ehe und Mutterschaft. Interessant ist, dass eine Frau, die nicht den normativen Rahmenbedingungen entspricht, welche die Ereignisse ihres Lebens bestimmen, einer strengen Verurteilung durch Gesellschaft und Familie ausgesetzt wird. Die andere Inderin betrachtet Identität durch das Haar – ein Symbol der Weiblichkeit, aber auch eine Botschaft an andere. Unter bestimmten Umständen wird erwartet, dass das Haar offen oder gebunden getragen wird, während das Abschneiden als radikale Form des Widerstands gegen gesellschaftliche Erwartungen wahrgenommen wird – ein Thema, das auch in anderen Kulturen existiert, wenn auch in anderer Form.“

Kallina Brailsford, betonte, dass einige Installationen der Ausstellung das Problem der Symbiose zwischen Kulturen behandeln, das in der heutigen globalisierten Welt immer häufiger zu beobachten sei, und erklärte:

FOTO Facebook/ Betul Aydın

Das zeigt sich deutlich in den Themen, die die Frauen aus Deutschland aufgreifen, weil Migration dort stark präsent ist. Eine von ihnen hat türkische Wurzeln und zeigt, wie es ihr gelungen ist, die Kultur des Landes, in dem sie lebt, mit der Kultur ihres eigenen genetischen Ursprungs zu verbinden“, so Kallina Brailsford.

Die Themen der Ausstellung betrachten die Probleme aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Zu den besonders nachdenklich stimmenden Beiträgen zählen jedoch die Arbeiten der beiden Bulgarinnen. Mit ihren Projekten zeigen sie die Möglichkeit, Fotografie als Mittel zu nutzen, um Zugang zur Gefühlswelt des eigenen Kindes zu finden. Oder philosophische Fragen an die Besucher der Ausstellung zu richten, wie etwa: Was bestimmt unsere Identität – die persönliche Entscheidung, das kulturelle Umfeld oder die Gene, mit denen wir auf die Welt kommen?

Eine der Bulgarinnen beschäftigt sich damit, was es bedeutet, Mutter von vier Kindern zu sein“, erläuterte Kallina Brailsford.

FOTO Facebook/ Blagovesta Semkova

Diese Last liegt auf ihren Schultern, und eines ihrer Kinder ist neurodivergent und gehört zum Autismus-Spektrum. Das erfordert eine besondere Bindung und noch spezifischere Fürsorge. Ihr fotografisches Projekt ist außerordentlich interessant und untersucht, wie sie als Mutter die Fotografie nutzt, um eine Verbindung zu ihrem Kind herzustellen. Die andere Frau wurde in Bulgarien geboren, ihr Vater stammt jedoch aus dem Iran. Erst vor Kurzem reiste sie zum ersten Mal in den Iran und stellte fest, dass das, was sie gehört, gelesen oder sich vorgestellt hatte, grundlegend anders war als das, was sie bei der Begegnung mit ihren dort lebenden Verwandten tatsächlich erlebte“, so Kallina Brailsford.


Die Installation wird am 25. Juni in der Galerie des Goethe-Instituts in Sofia eröffnet und kann bis Ende August besucht werden.

Weitere Informationen dazu finden Sie hier


Übersetzung: Rossiza Radulowa