Autor
Gergana Mantschewa
Artikel
Der Cellist Nikolaj Kolarow aus den USA spielt während „Sofioter Musikwochen“
Freitag 26 Juni 2026 15:11
Freitag, 26 Juni 2026, 15:11
Nikolaj Kolarow
FOTO sofiaphilharmonic.com
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Über 570 Musiker aus 16 Ländern kommen nach Sofia, um an der 57. Ausgabe des Festivals „Sofioter Musikwochen“ teilzunehmen. Das Festival findet vom 24. Mai bis zum 10. Oktober in verschiedenen Konzertsälen der Hauptstadt statt.
Das Motto der diesjährigen Ausgabe lautet: „Hergestellt in Bulgarien“. Im Mittelpunkt stehen die bulgarischen Künstler Nadeschda Zanowa (Klavier), Rossen Idealow (Klarinette) und Professor Atanas Kurtew (Violoncello).
Die Liste der Musiker, die zur Konzertreihe „Hergestellt in Bulgarien“ eingeladen wurden, ist lang. Es handelt sich um bulgarische Künstler, die im Ausland leben und auf den großen Bühnen der Welt Karriere gemacht haben, nun aber für das Festival nach Bulgarien zurückkehren. Schwerpunktländer sind in diesem Jahr Armenien und Griechenland, während die Holzblasinstrumente im Mittelpunkt des Programms stehen.
FOTO sofiaweeks.com
Im Rahmen des Festivals werden in diesem Jahr außerdem bedeutende Jubiläen berühmter Komponisten gewürdigt, darunter der 250. Geburtstag von Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, der 240. Geburtstag von Carl Maria von Weber, der 150. Geburtstag von Manuel de Falla und weitere Jubiläen. Zudem jähren sich der 130. Geburtstag des bulgarischen Komponisten Petko Stajnow, der 90. Geburtstag von Krassimir Kjurktschijski sowie der 100. Geburtstag des genialen Wasko Abadschiew. Ihnen allen wird während der fast sechs Festivalmonate gedacht.
Auf dem Programm stehen auch bislang unbekannte Werke, die ihre Premiere vor dem bulgarischen Publikum erleben werden. Ein solches Werk möchten wir Ihnen heute vorstellen. Es kommt aus den USA, gemeinsam mit unserem Cellisten Nikolaj Kolarow, der dort seit mehr als 30 Jahren lebt, unterrichtet und konzertiert.
FOTO Facebook/ Nickolai Kolarov
Die Premiere von „Trio Noir“ der amerikanischen Komponistin Libby Larsen ist für Samstag, den 27. Juni, im Kammermusiksaal „Bulgaria“ vorgesehen. Das Konzert vereint das Können und die Instrumente dreier Künstler mit langjähriger Konzerterfahrung – Rossen Idealow (Klarinette), Nikolaj Kolarow (Violoncello) und Ines Simeonowa (Klavier). Es erklingen außerdem Werke von Beethoven, Petar Petrow und Robert Muczynski. Wodurch sich die Werke auszeichnen, die ihre Bulgarienpremiere erleben, erläuterte Nikolaj Kolarow, der seit einem Monat in Bulgarien ist, um gemeinsam mit seinen Kollegen vor Ort zu proben:
„Trio Noir – das ist Musik, die den Filmen im Noir-Stil ähnelt. Nach demselben Prinzip ist das Werk der amerikanischen Komponistin aufgebaut, das sehr theatralisch und zugleich äußerst romantisch wirkt. Genau dieser Effekt war für das gesamte Trio Noir beabsichtigt. Jetzt führen wir in Sofia zum ersten Mal Werke von Libby Larsen auf, sodass dies die Premiere für Bulgarien und überhaupt für die Europäische Union ist. Das Werk wurde erstmals in New York aufgeführt, allerdings ohne die Anwesenheit der Komponistin. Sie hörte das Werk zum ersten Mal live in unserer Interpretation – von den Musikern des Kammermusikorchesters Balkanicus, das ich in Minneapolis gegründet habe. Wir werden außerdem „Dialoge mit der Stille“ von Petar Petrow spielen. Auch dieses Werk ist in Bulgarien bislang unbekannt. Und wer ist Petar Petrow? Er gehört zu den bekannten bulgarischen Komponisten des 20. Jahrhunderts, lebt jedoch leider nicht mehr. Wir haben uns bemüht, im Repertoire genügend zeitgenössische Musik zu haben, die dennoch einem breiteren Publikum zugänglich ist und nichts Schrilles oder übermäßig Avantgardistisches ist. Es ist ein Konzert mit einem sehr sorgfältig zusammengestellten Programm – von Klassik bis zeitgenössischer Musik, mit je einem Werk eines bulgarischen und eines amerikanischen Komponisten zugleich“, sagte der aus Minnesota stammende Cellist bulgarischer Herkunft.
FOTO Facebook/ Nickolai Kolarov
Im Herbst werden die Konzerte, die Nikolaj Kolarow mit Musik bulgarischer Komponisten organisiert, an der Universität Augsburg (Augsburg, USA) stattfinden. Dort unterrichtet er außerdem Violoncello, gibt Meisterklassen an verschiedenen Schulen und leitet ein Ensemble für bulgarische Musik, was sich für die Amerikaner als besonders interessant erwiesen hat.
„Wir wissen, dass diese Art von Musikern – die Cellisten – und, wenn wir ehrlich sind, auch diese Musik, die klassische Musik, nicht die gleiche Aufmerksamkeit erhält wie ein populärer Song. Ich habe nichts gegen „Bangaranga“, aber ein solcher Titel kann natürlich ein viel größeres Publikum anziehen. Und an dieser Stelle sage ich: Bravo an Dara und Bravo an Bulgarien für den Sieg beim „Eurovision Song Contest“ in diesem Jahr“, so Nikolaj Kolarow abschließend.
Übersetzung: Rossiza Radulowa