„Ich bin eine Frau aus Kjustendil“: Casey aus New York fand ihre Heimat

Sonntag, 5 Juli 2026, 14:50

„Ich bin eine Frau aus Kjustendil“: Casey aus New York fand ihre Heimat

FOTO Facebook /Casey Angelova

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Eine Amerikanerin, die sich mit einem Lächeln als „Frau aus Kjustendil“ bezeichnet: Casey Angelowa wurde in Brooklyn, New York, geboren, entschied sich jedoch vor mehr als 15 Jahren für Bulgarien als neue Heimat. Gemeinsam mit ihrer Familie ließ sie sich in der Region Kjustendil im Südwesten Bulgariens nieder. Dort entdeckte sie eine neue Lebensaufgabe – nachhaltige Landwirtschaft, gesunde Lebensmittel und die enge Verbindung zur Natur. 

Auf dem Familienhof im Dorf Schipotschano verwirklichen Casey und ihr Ehemann verschiedene Projekte, die von den lokalen Traditionen und den natürlichen Gegebenheiten der Region inspiriert sind, die als „Kirschgarten Bulgariens“ bekannt ist. Dazu gehören eine Trüffelplantage, die Herstellung von handwerklich gebranntem Kirschrakija sowie ihre neueste Leidenschaft – die Produktion von Kastilienseife aus ausschließlich natürlichen Zutaten. 

FOTO Facebook /Angelove Estate

Schon kurz nach ihrer Ankunft in Bulgarien entdeckte Casey etwas, das ihr im Leben in New York sehr gefehlt hatte – die unmittelbare Nähe zur Natur. 

„In New York besteht alles aus Beton, und es ist schwer, eine Verbindung zur Natur zu spüren. Als ich nach Kjustendil kam, haben mich die Kirschbäume entlang der Straßen sehr beeindruckt. Nach der Schule gingen die Kinder an ihnen vorbei und pflückten Kirschen. In New York wäre das unvorstellbar. Gerade diese Nähe zur Natur hat dazu geführt, dass ich mich hier wohlgefühlt habe. In New York arbeitete ich von morgens bis abends und hatte kaum Zeit für die Familie. In Bulgarien habe ich die Balance zwischen Arbeit und Privatleben gefunden. Hier haben die Menschen Zeit füreinander, sie setzen sich in Ruhe zum Mittagessen zusammen. Das war für mich anfangs ein Kulturschock, doch heute bin ich überzeugt, dass das Leben in diesem Rhythmus besser ist“, sagte Casey. 

Der Weg in ihr neues Leben führte sie auch über die Küche. Erst in Bulgarien entdeckte Casey ihre Liebe zum Kochen, zum Gärtnern und zum Landleben. Im Jahr 2008 begann sie ihren kulinarischen Blog „Eating, Gardening and Living“, in dem sie über ihre Experimente und Entdeckungen berichtet. Ihre Leidenschaft für die Gastronomie führte sie schließlich auch an das renommierte Culinary Institute of America in Hyde Park, das sie 2011 abschloss. 

FOTO Anelia Dimitrowa

Die ersten Lektionen der bulgarischen Küche erhielt sie jedoch von ihrer Schwiegermutter. 

„Als meine erste Tochter geboren wurde, kam meine Schwiegermutter nach New York und brachte Tschubriza, Basilikum und andere Gewürze aus Bulgarien mit. Sie sprach kein Englisch, und ich konnte kein Bulgarisch, aber sie brachte mir bei, wie man Kjufteta und Moussaka zubereitet. Ich stand mit einem Notizheft neben ihr und zeichnete alles auf – so große Zwiebeln, so große Fleischbällchen … Diese Rezepte bewahre ich bis heute auf. Ich koche zwar nicht viele bulgarische Gerichte, weil ich die internationale Küche bevorzuge, aber Tarator und Schopska-Salat liebe ich. Im Sommer besteht meine Ernährung aus Tomaten und Gurken aus dem Garten, guter Schafskäse und Tarator, erzählte Casey.  

Ihre gastronomische Entdeckungsreise endete jedoch nicht dort. Während einer kulinarischen Reise nach New York begeisterte sie sich für die Welt der Trüffel und der handwerklichen Destillerien – Ideen, die sie später ausgerechnet in Bulgarien verwirklichte. 

FOTO Facebook /Angelove Estate

Heute bezeichnet sich Casey als Schriftstellerin, Landwirtin, Köchin, Beraterin für nachhaltigen Gartenbau, Kompostexpertin und Weinliebhaberin. Sie engagiert sich aktiv für Initiativen rund um gesunde Lebensmittel und nachhaltige Lebensweisen und wirkt am Aufbau des Jugendnetzwerks von Slow Food in Bulgarien mit. 

Für Casey ist Bulgarien längst mehr als nur ein Wohnort. Es ist ihre Heimat geworden – ein Ort, an dem sie ihre Berufung gefunden hat und an dem die Ruhe des Dorfes und die Arbeit in der Natur ihre größte Inspirationsquelle sind. 

„Manche Menschen gehen zur Therapie. Meine Therapie ist der Garten. Dieser einfache Lebensstil tut der Seele gut. Wenn ich Freizeit habe, bin ich bei den Pflanzen, beobachte die Tomaten und höre den Vögeln, den Fröschen und den Bienen zu. Dieses Leben gefällt mir sehr, denn in der Stadt verstummt der Lärm nie, während man hier die Natur hören kann. Das schenkt einem wirkliche Ruhe, so Casey.  

FOTO Facebook /Angelove Estate

Nach fast zwei Jahrzehnten in Bulgarien fühlt sich Casey längst nicht mehr als Gast. Im Gegenteil – mit einem Lächeln sagt sie, sie sei inzwischen eine echte Frau aus Kjustendil geworden. 

„Wenn die Leute sagen, ich komme aus New York, antworte ich: Nein, ich bin eine Frau aus Kjustendil. Ich bin weder Amerikanerin in Amerika noch Bulgarin in Bulgarien, aber ich fühle mich als Frau aus Kjustendil. Nach so vielen Jahren ist Bulgarien meine Heimat geworden, und ich träume davon, hier etwas aufzubauen, das auch nach uns bestehen bleibt“, sagte Casey.  

Heimat ist nicht immer der Ort, an dem man geboren wurde – und die Geschichte von Casey Angelowa beweist genau das. Manchmal ist Heimat dort, wo man seine Berufung findet, Menschen begegnet, die zur Familie werden, und einen Lebensstil entdeckt, der einen wirklich glücklich macht. Vom Lärm New Yorks bis zur Ruhe der Region Kjustendil hat Casey ihren Weg in der Nähe der Natur und zu den einfachen menschlichen Werten gefunden. Sie zeigt, dass Bulgarien für jeden zur Heimat werden kann, der bereit ist, das Land ins Herz zu schließen. #

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov