Autor
Gergana Mantschewa
Artikel
In Sofia gibt es bereits einen „Klima-Schutzort“ vor der sommerlichen Hitze
Bulgarien liegt nach Spanien an zweiter Stelle in Europa bei der Zahl der Opfer extremer Sommerhitze, erinnert Sewdalina Wojnowa von der Assoziation für die Entwicklung Sofias
Donnerstag 16 Juli 2026 15:41
Donnerstag, 16 Juli 2026, 15:41
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Ende Juni wurden in weiten Teilen Westeuropas Temperaturen von 40°C gemessen, und Meteorologen warnen vor neuen Hitzewellen im Juli. Während der rekordverdächtigen Hitzewelle im Juni wurden in Frankreich, Deutschland, Tschechien, Großbritannien und anderen Ländern über 10.000 Todesfälle registriert – mehr als für diesen Zeitraum üblich. Das belеgen Daten von EuroMOMO, einem von der Weltgesundheitsorganisation WHO unterstützten Netzwerk zur Überwachung der Sterblichkeit.
Ein Großteil der Opfer, mehr als 9.000 Menschen, war 65 Jahre alt oder älter. Extreme Hitze kann tödlich sein, da sie Hitzschläge auslöst oder bestehende Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen verschlimmert. Dadurch ist die ältere Bevölkerung des Kontinents besonders anfällig für die Auswirkungen der Hitze, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters in einer Analyse des Phänomens.
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Während sich der menschliche Körper an die neuen, durch die globale Erwärmung verursachten Bedingungen anpasst, empfiehlt die WHO den Behörden in Großstädten, sich selbst um ihre Bewohner und Gäste während der Hitzeperioden zu kümmern und sogenannte „Klima-Schutzorte“ oder Klimaoasen einzurichten. Dabei handelt es sich um begrünte, schattige Bereiche, die Menschen vor der Hitze schützen. In diesen Klimaoasen werden künstliche Wassernebel erzeugt, und in einigen warmen Hauptstädten schweben sogar künstliche Schneeflocken durch die Luft.
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Die Assoziation für die Entwicklung Sofias hat den ersten solchen Klima-Schutzort auf dem Gebiet der bulgarischen Hauptstadt geschaffen. Er befindet sich ganz in der Nähe der Löwenbrücke, am Anfang der Straße „Weslez“. Eine Umfrage der Reporterin des BNR-Inlandsprogramms „Horizont“, Kalina Stojanowa, ergab jedoch, dass er den Bürgern bislang kaum bekannt ist.
Der Standort wurde bewusst in diesem Wohnviertel gewählt, da es gleichzeitig dicht besiedelt ist, einen sehr intensiven Verkehr aufweist und durch den nahe gelegenen Fluss eine starke Verdunstung entsteht. Darüber hinaus leben hier viele Menschen aus den sogenannten gefährdeten Gruppen. Nicht zuletzt kreuzen sich an diesem Ort zahlreiche Linien des öffentlichen Nahverkehrs, die täglich von Tausenden Einwohnern der Hauptstadt genutzt werden. Es ist ein Gebiet, das dringend einen Ort benötigt, an dem man der Hitze entkommen kann, erklärte Sewdalina Wojnowa von der Assoziation für die Entwicklung Sofias:
Sewdalina Wojnowa
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„Alle wissen, dass der Klimawandel zu immer größeren und länger andauernden Hitzewellen führt. Darüber hinaus gibt es jedoch ein spezifisches Phänomen, das in Städten auftritt. Der Grund dafür ist, dass sie stark bebaut sind, der größte Teil ihrer Oberfläche durch Asphalt, Beton und andere bodenversiegelnde Materialien bedeckt ist. Aber auch die hohe Bevölkerungsdichte, der starke Verkehr der öffentlichen Nahverkehrsmittel und vieles mehr spielen eine Rolle. Dadurch kommt es dazu, dass die Temperatur an bestimmten Orten in den Städten im Schatten um 5 bis 7 Grad höher ist als an anderen Orten im Land oder am Stadtrand. Man darf dabei nicht vergessen, dass die Temperatur nicht direkt an der Erdoberfläche gemessen wird, sondern in etwa eineinhalb Metern Höhe und ebenfalls im Schatten. Das bedeutet, dass ein Mensch, der auf der Straße unterwegs ist, diese Temperatur nicht so erlebt, wie sie am Boden ist, sondern dass die Temperatur um ihn herum deutlich höher ist.“
Weltweit gibt es verschiedene Arten von „Klima-Schutzorten“ – sowohl in Innenräumen als auch im Freien. Die kleine „kühle Insel“, die uns hilft, mit der städtischen Hitze in Sofia umzugehen, ist ein Klima-Schutzort im Freien, erklärte Sewdalina Wojnowa:
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„Im Grunde ist das ein Ort, zu dem man gerne gehen möchte, um sich hinzusetzen, auszuruhen und abzukühlen, neue Kräfte zu sammeln und anschließend seinen Weg durch die heißen Straßen fortzusetzen“, sagte sie weiter.
„Was wir gemacht haben: Wir haben einen vernachlässigten Hof, der Eigentum eines städtischen Krankenhauses ist, in einen kleinen Park verwandelt, der gleichzeitig als Klima-Schutzort funktioniert. Damit er diese Funktion erfüllen kann, muss er Schatten und eine Wasserkühlung bieten. Wir haben ein System für Wassernebel eingerichtet. Unbedingt notwendig ist auch der Zugang zu Trinkwasser – es gibt einen Trinkbrunnen, wo man seine Flasche auffüllen und anschließend seinen Weg fortsetzen kann. Hier kann man nicht nur arbeiten und sein Gerät mit dem kostenlosen Internet verbinden, sondern auch Wasser trinken, ohne dafür bezahlen zu müssen. In unserem Schutzort gibt es außerdem Brettspiele und einen kleinen medizinischen Bereich, in dem man den Blutdruck messen kann. Darüber hinaus gibt es einen kleinen Garten, in dem Gemüse, Gewürzpflanzen und Blumen angebaut werden. Man kann sich also auch etwas von den Kräutern aus dem Garten pflücken oder, wenn man möchte, selbst etwas pflanzen. Die Idee dieses Ortes ist, dass Menschen ihn besuchen und dort während der heißen Tage angenehme Zeit verbringen können – insbesondere diejenigen, die zu Hause keine Klimaanlage haben.“
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Vorzugsweise sollte dort immer eine Person anwesend sein, die auf Ordnung und den guten Zustand dieser grünen Fläche achtet. Bislang habe es keine Probleme gegeben, heißt es von der Assoziation für die Entwicklung Sofias. Geplant ist, weitere ähnliche Klima-Inseln an anderen Orten in Sofia einzurichten.
„Ich gehe davon aus, dass bis Ende des Jahres mindestens zwei weitere fertiggestellt werden“, sagte Sewdalina Wojnowa. „Sehr wichtig ist, welche soziale Wirkung diese Räume haben. Allein die Tatsache, dass Menschen kostenlos trinken und ihre Wasserflasche auffüllen können, hat bereits eine große soziale Wirkung. Deshalb dürfen diese Orte nicht nur als Investitionen bewertet werden. Ihr Wert liegt in ihrer sozialen Wirkung auf die Menschen.
So sehr wir auch versuchen, den Ort derzeit bekannt zu machen, stoßen wir noch auf etwas Misstrauen. Aber wer einmal hier war und ihn genutzt hat, kommt wieder. Es ist gut, solche Pilotprojekte zu haben, um zu zeigen, dass die Idee es verdient, weit verbreitet zu werden.
Dies ist eine Gelegenheit, Firmen und Organisationen mit geeigneten Flächen dazu zu ermutigen, solche Schutzorte einzurichten. Öffnen Sie einen kleinen Teil Ihres Hofes, machen Sie die Zugänge für Menschen frei, bieten Sie Passanten Wasser, Kühlung und einen Platz zum Ausruhen. Öffnen Sie auch Teile von Foyers für diejenigen, die Schutz vor der Hitze suchen.
Wir in Bulgarien liegen in Europa an zweiter Stelle nach Spanien bei der Zahl der Opfer, die wir im Sommer verzeichnen – bei vorzeitigen Todesfällen, die genau durch die Hitze verursacht werden“, sagte Sewdalina Wojnowa abschließend.
Übersetzung: Rossiza Radulowa
Gestaltet von Rossiza Radulowa