Autor
Zwetana Tontschewa
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Meisterwerke bulgarischer Musikkultur
„Bulgaren alter Prägung“ – die beliebte und meistgespielte bulgarische Operette
Freitag 17 Juli 2026 20:00
Freitag, 17 Juli 2026, 20:00
FOTO musictheatre.bg
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„Bulgaren alter Prägung“ ist bis heute die bekannteste und meistgelesene Novelle des bedeutenden bulgarischen Dichters, Schriftstellers, Journalisten, Ethnografen und Kämpfers für die nationale Befreiung Ljuben Karawelow (1834–1879).
Die Handlung spielt in den 1850er-Jahren in Karawelows Heimatstadt Kopriwschtiza und erzählt eine humorvolle bulgarische Variante der ewigen Geschichte von Romeo und Julia. Als zwei wohlhabende und angesehene Bürger der Stadt – Hadschi Gentscho und Djado Liben – erfahren, dass sich ihre Kinder Lila und Pawlin ineinander verliebt haben, beschließen sie, die beiden zu verheiraten. Während der Vorbereitungen geraten die beiden Väter jedoch so heftig aneinander, dass sie die Verlobung vor den Augen der ganzen Stadt platzen lassen.
Nach diesem Eklat widersetzen sich die bulgarischen Romeo und Julia, getragen von ihrer leidenschaftlichen Liebe, mutig dem Willen ihrer herrschsüchtigen Eltern und stellen die überkommenen patriarchalischen Traditionen infrage. Wie es sich für eine Komödie gehört, endet die Geschichte glücklich: Mit Hilfe von Djado Liben können die Liebenden heiraten, und der reumütige Hadschi Gentscho nimmt fortan gerne die Gastfreundschaft seines Schwagers und dessen hervorragenden Wein in Anspruch.
Die Operette „Bulgaren alter Prägung“, die eigens für das damalige Staatliche Musiktheater – heute das Nationale Musiktheater „Stefan Makedonski“, das einzige Theater Sofias, in dem seit mehr als 100 Jahren Operetten und Musicals aufgeführt werden – komponiert wurde, erlebte ihre Uraufführung am 24. Januar 1959.
Der Komponist Assen Karastojanow (1893–1976) war ein hervorragend ausgebildeter Musiker und Dirigent. Er absolvierte die Hochschule für Musik in Berlin und vertiefte seine Studien in Komposition und Musiktheorie an der École Normale in Paris sowie am Leipziger Konservatorium. Gemeinsam mit dem Librettisten Kosta Rajnow, einem bekannten Operettendarsteller, schuf Karastojanow die erste bulgarische Operette, die auf einem Werk der nationalen klassischen Literatur basiert.
Assen Karastojanow (1893 – 1976)
FOTO sofiaphilharmonic.com
Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts entwickelte sich „Bulgaren alter Prägung“ zu einem festen Bestandteil des bulgarischen Repertoires. Mit einer Rekordzahl an Inszenierungen und Aufführungen wurde das Werk auch bei Gastspielen in Russland und der damaligen Tschechoslowakei in den 1970er-Jahren von der internationalen Kritik hoch gelobt. Die jüngste Premiere der beliebtesten bulgarischen Operette fand Anfang März 2026 an der Staatsoper Warna statt.
Die literarische Vorlage wurde von Kosta Rajnow geschickt für die Bühne bearbeitet und durch die volksnahe, lebensfrohe Musik Assen Karastojanows bereichert. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen die markanten, zugleich aber gleichermaßen tyrannischen Charaktere der bulgarischen „Montagues“ und „Capulets“. Um ihre unaufhörlichen Auseinandersetzungen ranken sich die Schicksale zweier Liebespaare – ihrer Kinder Pawlin und Lila sowie der Knechte Iwan und Janka.
„Bulgaren alter Prägung“ auf der Bühne der Staatsoper Warna
FOTO BTA
Rajnow orientierte sich eng am Originaltext, nahm jedoch Änderungen an der Handlung vor, um den dramaturgischen Anforderungen der Operette gerecht zu werden und die komische Wirkung zu verstärken. Er ergänzte neue Dialoge, poetische Texte sowie mehrere komische Nebenfiguren. Besonders hervorzuheben ist die Magd Janka, die für Hadschi Gentscho arbeitet. Mit ihrer Schlagfertigkeit, ihrem Witz und ihrer Gewitztheit entwickelt sie sich zu einer der zentralen Figuren des Stücks, während ihre Duette mit Iwan zu den beliebtesten Nummern der Operette zählen.
Die musikalischen und dramaturgischen Qualitäten von „Bulgaren alter Prägung“ reichen weit über die Erwartungen hinaus, die Ende der 1950er-Jahre an das Genre der Operette gestellt wurden. Gerade ihre starke Bühnenwirksamkeit hat das Werk zu einem Klassiker des bulgarischen Repertoires gemacht und jeder neuen Generation von Regisseuren und Künstlern die Möglichkeit eröffnet, immer wieder neue Interpretationen dieses zeitlosen Stoffes zu schaffen.
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov