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Elena Bejkowa
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Keine Institution kontrolliert die Qualität der Gesundheitsversorgung im Land
Mittwoch 15 Juli 2026 14:24
Mittwoch, 15 Juli 2026, 14:24
Universitätsklinik "Hl. Ekaterina"
FOTO BGNES
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Bulgarien steht innerhalb der EU an erster Stelle, was die Zahl der Krankenhausbetten (870 je 100.000 Einwohner) angeht. Allerdings gehört unser Land bei der Versorgung mit Pflegefachkräften zu den Schlusslichtern: Auf 1.000 Einwohner kommen lediglich 4,4 Pflegekräfte, während der EU-Durchschnitt bei 8,5 liegt. Das geht aus Statistiken hervor, auf die der Bulgarische Verband der Fachkräfte im Gesundheitswesen verweist.
Dieses Ungleichgewicht macht das Gesundheitssystem ineffizient. Der medizinische Standard für den Bereich „Gesundheitspflege“, der eine Mindestzahl an Fachkräften im Verhältnis zur Zahl der Krankenhausbetten garantieren sollte, ist derzeit Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen. Das Fehlen solcher Standards kann nicht eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung für jeden Patienten gewährleisten.
Eines der größten Probleme für die Qualität der medizinischen Versorgung ist das Fehlen einer zentralen Institution, die nicht nur die Dokumentation, sondern auch die Behandlungsergebnisse kontrolliert. Das erklärte Dr. Alexandar Alexandrow vom Nationalen Kardiologischen Krankenhaus.
Dr. Alexandar Alexandrow
FOTO Elena Bejkowa
In Bulgarien gibt es keine Institution, die die Qualität der Gesundheitsversorgung kontrolliert. Wir als Fachgesellschaft für invasive Kardiologie möchten – ich bin wissenschaftlicher Sekretär der Gesellschaft für invasive Kardiologie – ein Register einführen, in dem jeder seine invasiven Eingriffe erfasst. Dann wird es sehr viel schwieriger sein, die sogenannten Scheinbehandlungen abzurechnen“, erklärte der Kardiologe. Seiner Auffassung nach wird dies Manipulationen bei den klinischen Behandlungspfaden erschweren, die von der Nationalen Krankenkasse finanziert werden.
Transparenz ist der Schlüssel, um Missbrauch in medizinischen Einrichtungen zu verhindern. In der Schweiz veröffentlichen Krankenhäuser beispielsweise ihre Sterblichkeitsraten. Liegen diese über den festgelegten Normen, folgen Kontrollen, Nachschulungen der Teams oder sogar die Schließung einzelner Abteilungen. In Bulgarien hingegen fehlt nach Aussage von Dr. Alexandrow häufig bereits die grundlegende Kommunikation zwischen den Institutionen. Und weiter sagte er in einem Interview für das BNR-Inlandsprogramm „Horizont“:
FOTO Facebook / Nationales Kardiologisches Krankenhaus
„Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie gut die verschiedenen Institutionen miteinander vernetzt sind – welche Daten beispielsweise der Nationalen Krankenkasse der Agentur für Medizinische Aufsicht zur Verfügung stehen, die Kontrollen durchführen soll. Ob diese Daten vorliegen oder nicht, weiß ich nicht. Ich glaube, genau hier liegen die Probleme: Wegen der mangelnden Kommunikation zwischen den zahlreichen Institutionen im Gesundheitswesen werden nicht genügend Kontrollen durchgeführt“, bemängelt der Arzt.
Trotz administrativer und finanzieller Defizite gehen bulgarische Ärzte weiterhin Risiken ein, um Menschenleben zu retten. So wie im Fall der 29-jährigen schwangeren Dessi und ihrer Zwillinge, deren Leben durch einen einzigartigen Eingriff an einer gerissenen Aorta gerettet wurde. Die unter Ultraschallkontrolle durchgeführte Operation wurde von Dr. Alexandar Alexandrow vorgenommen. Die Ärzte des Nationalen Kardiologischen Krankenhauses und der Entbindungsklinik „Majtschin Dom“ bewiesen damit, dass die bulgarische Medizin über Spezialisten von Weltniveau verfügt.
Dessi und ihre Zwillinge
FOTO Entbindungsklinik „Majtschin Dom“
„Wenn es um drei Menschenleben geht, versuchen Gefühle wie Aufregung und Angst, die medizinische Einschätzung zu überlagern. Dieser Eingriff musste durchgeführt werden, denn ohne ihn wären alle drei gestorben. Ich bereue keine Sekunde das eingegangene Risiko. Die Herausforderung bestand darin, den Eingriff ohne Röntgenkontrolle vorzunehmen, da sich die Babys noch in der Entwicklungsphase befanden. Deshalb erfolgte die Operation unter Ultraschallkontrolle, und ich gebe zu, dass ich dies zum ersten Mal gemacht habe“, sagte Dr. Alexandar Alexandrow.
Dieser Triumph medizinischer Professionalität vollzieht sich jedoch vor dem Hintergrund gravierender struktureller Mängel, fehlender Qualitätskontrolle und akuten Personalmangels. All dies muss überwunden werden, damit eine hochwertige medizinische Versorgung gewährleistet werden kann, das Vertrauen der Patienten wächst und die Gewissheit entsteht, dass medizinische Wunder nicht länger eine Ausnahme bleiben, die dem persönlichen Heldentum einzelner Ärzte zu verdanken sind, sondern zur Regel werden.
Autor: Elena Bejkowa, BNR-„Horizont“
Übersetzung: Rossiza Radulowa
Gestaltet von Rossiza Radulowa