Autor
Wessela Krastewa
Artikel
80. Geburtstag von Pascha Christowa
Die Interpretin von „Eine bulgarische Rose“ blieb für immer 25 Jahre alt – doch ihre Lieder berühren bis heute jeden Bulgaren
Donnerstag 16 Juli 2026 18:03
Donnerstag, 16 Juli 2026, 18:03
Pascha Christowa beim Internationalen Festival „Goldener Orpheus“, 1971
FOTO BTA, Archiv
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Am 16. Juli 1946 wurde am Stadtrand von Sofia in einer bescheidenen, einfachen Familie die noch „ungeschliffene Rose“ der bulgarischen Popmusik geboren – Paraschkewa Christowa Stefanowa. Schon als Kind wurde sie einfach Pascha genannt. Ihr größter Traum war die Musik und die große Bühne. Unterstützung erhielt sie von ihrer Familie jedoch nicht. Diese war überzeugt, dass es für sie in jener Zeit das Beste sei, eine Arbeit zu finden, zu heiraten und Hausfrau und Mutter zu werden. Für die 1960er Jahre im sozialistischen Bulgarien war das durchaus nachvollziehbar.
So schien ihr Lebensweg zunächst auch zu verlaufen. Nach dem Schulabschluss arbeitete Pascha Christowa als technische Zeichnerin am Institut für Elektrostapler. Doch ihr Traum verblasste trotz des sicheren Arbeitsplatzes nie. 1963 wurde ein Wettbewerb für die neu gegründete Ausbildungsstätte für Unterhaltungssänger beim Bulgarischen Nationalen Rundfunk ausgeschrieben. Voller Zuversicht, einen Platz im zweijährigen Ausbildungsprogramm zu erhalten, nahm die junge Pascha Christowa daran teil. Obwohl sie keinerlei musikalische Ausbildung besaß, nahm die Jury sie ohne den geringsten Zweifel in die Klasse des Komponisten Iwan Stajkow auf. Nach Abschluss der Ausbildung entstand 1966 ihre erste Aufnahme – Pascha Christowa war damals gerade einmal 20 Jahre alt.
Bereits im folgenden Jahr gewann sie beim Festival „Goldener Orpheus“ den dritten Preis im Interpretenwettbewerb. Wenig später nahm sie am Festival des Unterhaltungsliedes in Sotschi teil und reiste in die Sowjetunion. Dort gewann sie die Goldmedaille. Die Musiker in Bulgarien waren beeindruckt von der Anerkennung und dem Talent dieser zierlichen jungen Frau, die keinerlei akademische Musikausbildung erhalten hatte.
FOTO Archiv
1968 wurde Pascha Christowa Solistin eines der damals beliebtesten Orchester Bulgariens – des Orchesters „Sofia“. Der Weg, von dem sie immer geträumt hatte, wurde immer klarer und aussichtsreicher. Bulgarische Komponisten vertrauten ihr voller Stolz ihre Lieder an, und die Leidenschaft, mit der sie die bewegendsten musikalischen Geschichten erzählte, schien immer stärker zu werden – als ahnte sie, dass ihre Zeit bald enden würde.
„Pascha Christowa ist eine Ausnahmeerscheinung in der bulgarischen Musik“, sagte Sdrawko Petrow, leitender Musikredakteur des BNR-Inlandsprogramms „Horizont“, im Podcast „Es spricht … Pascha Christowa“. „Sie gehört zu den wenigen bulgarischen Sängerinnen jener Jahre, die den dramatischen Gesang meisterhaft beherrschten.“
Ein Beweis dafür sind zwei der bekanntesten Lieder ihres Repertoires und zugleich der bulgarischen Musikgeschichte: „Powej, Wetre“ (Wehe, Wind) von Jossif Zankow und Dimitar Wassilew sowie „Eine bulgarische Rose“ von Dimitar Waltschew und Najden Waltschew.
Beim „Goldenen Orpheus“ 1970 sang die damals 24-jährige Pascha Christowa beide Titel. „Powej, Wetre“ gewann den Großen Preis für das beste bulgarische Lied, „Eine bulgarische Rose“ den Ersten Preis. Ein absoluter Präzedenzfall in der Geschichte des Wettbewerbs, den bis heute kein anderer Interpret wiederholen konnte.
Im darauffolgenden Jahr brachte ihr das Lied „Dziwny jest ten świat“ („Ach, diese wunderbare Welt“) in polnischer Sprache den Großen Interpretenpreis beim Internationalen Festival in Sopot in Polen ein. Heute gilt diese Auszeichnung als eine der bedeutendsten internationalen Ehrungen, die ein bulgarischer Popsänger während der Zeit des Sozialismus in Bulgarien erhalten konnte. In einer Aufnahme aus dem Goldenen Archiv des Bulgarischen Nationalen Rundfunks sagte Pascha:
„Für die Menschen gebraucht zu werden – das betrachte ich als zentrales Thema meines Repertoires. Ich glaube nicht, dass es junge Menschen gibt, die die Ereignisse in der Welt unberührt lassen. Ich denke, jeder ist verpflichtet, am Puls der Zeit zu sein. Und genau das versuche ich mit meiner Kunst.“
Am 21. Dezember 1971 hob um 23.40 Uhr vom Flughafen Sofia eine bulgarische Delegation nach Algerien ab, um dort an den Tagen der bulgarischen Kultur teilzunehmen und eine Neujahrssendung für das algerische Fernsehen aufzuzeichnen. An Bord befanden sich 73 Menschen. Kurz nach dem Start brachte ein starker Seitenwind das Flugzeug in Schräglage. Eine Tragfläche schlug auf der Startbahn auf, der Rumpf zerberstete und ging in Flammen auf. Bei dem bis heute als nationale Tragödie geltenden Flugzeugunglück kamen 30 Menschen ums Leben. Unter ihnen war auch Pascha Christowa, die für immer 25 Jahre alt blieb.
FOTO BNR, Archiv
In den weniger als sechs Jahren, in denen Pascha Christowa ihren Traum leben konnte, nahm sie rund 60 Lieder für die Archive des Bulgarischen Nationalen Rundfunks, des Bulgarischen Fernsehens und von „Balkanton“ auf. Darüber hinaus machte sie die bulgarische Musik in den Ländern des sozialistischen Blocks – der Sowjetunion, der Tschechoslowakei, Ungarn, Jugoslawien und Deutschland – außerordentlich populär.
Übersetzung: Rossiza Radulowa