Marta Petkowa: Über das bulgarische Ballett muss man mehr sprechen

Sonntag, 2 August 2026, 16:15

Marta Petkowa: Über das bulgarische Ballett muss man mehr sprechen

FOTO Privatarchiv von Marta Petkowa

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Seit vier Spielzeiten ist die Primaballerina Marta Petkowa künstlerische Leiterin des Ballettensembles der Sofioter Oper. Die in Sofia geborene Tänzerin wurde bereits im Alter von neun Jahren an der Nationalen Choreografieschule aufgenommen. Nur vier Jahre später stand sie bereits im Finale internationaler Ballettwettbewerbe in Estland und Luxemburg. Mit 14 erhielt sie ein Angebot für ein Studium an der renommierten Kirov Academy of Ballet in Washington. 2002 gewann Marta Petkowa den Hauptpreis des Internationalen Ballettfestivals im italienischen Fivizzano und wurde anschließend Mitglied des Ensembles der Sofioter Oper und des Balletts. 

Marta Petkowa: Über das bulgarische Ballett muss man mehr sprechen

FOTO Privatarchiv von Marta Petkowa

Seit 2007 ist sie Primaballerina und verkörperte Hauptrollen in Giselle, Don Quijote, Das Ziegenhorn, Schwanensee, La Bayedère, Dornröschen, La Sylphide, Le Corsaire, Der Feuervogel und vielen weiteren Produktionen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten war Marta Petkowa regelmäßig auf europäischen Bühnen zu Gast. Sie wurde in Moskau und Wladiwostok, Palermo und Neapel, Oslo, Helsinki und Magdeburg sowie in Abu Dhabi und Dubai gefeiert. Sie tanzte mit internationalen Stars wie Vadim Muntagirov, Denis Rodkin und Swetlana Sacharowa. Zudem wurde sie zweimal mit der renommierten bulgarischen Auszeichnung Kristallleier geehrt – für ihre Rolle in Schwanensee und für ihr Lebenswerk im Ballett.

Marta Petkowa: Über das bulgarische Ballett muss man mehr sprechen

FOTO Privatarchiv von Marta Petkowa

Das Gespräch mit Marta Petkowa beginnt mit Glückwünschen: Eine Woche zuvor wurde sie mit einem der ersten Thrakischen Preise für klassische Musik ausgezeichnet, die von der bulgarischen Opernweltstar Sonja Jontschewa ins Leben gerufen wurden. 

Marta Petkowa: Über das bulgarische Ballett muss man mehr sprechen

FOTO Privatarchiv von Marta Petkowa

„Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn die eigene Arbeit gewürdigt wird – und dann auch noch von einer Persönlichkeit wie Sonja Jontschewa. Für mich war es ein großes Privileg, mit ihr auf derselben Bühne zu stehen. Die gesamte Veranstaltung war großartig und von hohem künstlerischem Wert“. 

Marta Petkowa wurde im Januar geboren – Sternzeichen Steinbock, Element Erde. Welche Energie spürt sie selbst am stärksten, und ist sie tatsächlich ein typischer Steinbock? 

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„Wenn Sie meine Familie fragen, dann bin ich sogar ein überaus typischer Steinbock. Absolut ein Erdzeichen – ich bin ein bodenständiger Mensch und ein ausgesprochener Workaholic, was seine Vor- und Nachteile hat. Mein Denken und mein Ziel waren immer die Arbeit. Aber nicht, um anderen zu gefallen oder damit meine Familie stolz auf mich ist, sondern weil jede Aufgabe so perfekt wie möglich erfüllt werden muss. Ich sage oft, dass Ballett eine sehr egoistische Kunst ist. Auf der Bühne kämpfe ich nur mit mir selbst und mit niemand anderem. Das Schönste ist der Moment, wenn man sich bis an seine Grenzen gebracht, sie überwunden hat und spürt, dass man gewachsen ist. Diese Kunst mache ich in erster Linie für mich selbst“, so Petkowa. 

Marta Petkowa verfolgt aufmerksam die internationale Ballettszene und ihre großen Solisten. 

Marta Petkowa: Über das bulgarische Ballett muss man mehr sprechen

FOTO Privatarchiv von Marta Petkowa

„Besonders beeindruckt mich Marianela Núñez, die ich im vergangenen Jahr im Royal Ballet in London live erleben durfte. Ich schätze nicht nur makellose Technik. Fünf Pirouetten oder ein spektakulärer Sprung beeindrucken mich nicht, wenn mich die Tänzerin oder der Tänzer emotional nicht berührt. Es geht nicht nur um Körperbeherrschung und Technik – man braucht Intelligenz und emotionale Tiefe. Ich wage zu behaupten, dass Ballettkünstler intelligente Menschen sind. Ohne Intellekt kann man kein Ballett tanzen – und das sieht man auf der Bühne“, sagte Petkowa. 

In zahlreichen Interviews betont Marta Petkowa, dass das Ballett in Bulgarien noch immer zu wenig Aufmerksamkeit erhält. 

Marta Petkowa: Über das bulgarische Ballett muss man mehr sprechen

FOTO Privatarchiv von Marta Petkowa

„Ich tanze sowohl in Bulgarien als auch im Ausland und kann mit voller Überzeugung sagen: Das Ensemble der Sofioter Oper und des Balletts ist außergewöhnlich! Es ärgert mich wirklich, dass so wenig über uns gesprochen wird. Unsere Tänzerinnen und Tänzer hätten es verdient. Wir sind einfach zu bescheiden und zurückhaltend. Die Mädchen sind unglaublich diszipliniert. Wir gehören nicht zu den Menschen, die ständig sagen: ‚Wir sind großartig, wir sind die Besten.‘ Stattdessen zweifeln wir oft an uns selbst. Dieser Mangel an Selbstvertrauen vieler Bulgaren macht mich traurig, denn wir haben so viele talentierte Menschen, die nicht an sich glauben. Unser Land sollte stolz auf dieses Ensemble sein! Diese Kunst verdient Unterstützung – sie ist es wert“, erzählte Petkowa. 

Marta Petkowa: Über das bulgarische Ballett muss man mehr sprechen

FOTO Privatarchiv von Marta Petkowa

Zum Abschluss wird Marta Petkowa nach ihrem persönlichen Lebensmotto gefragt. Ihre Antwort kommt ohne Zögern: 

„Ich kann es! Ja – man muss an sich selbst glauben. Bevor ich auf die Bühne gehe, sage ich mir immer: ‚Marta, du kannst alles. Geh hinaus und genieße den Moment.‘“ 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov 

Gestaltet von Lyubomir Kolarov