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Diana Zankowa
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Dr. Tota Wenkowa – Bulgariens erste Ärztin soll ein Denkmal erhalten
Samstag 8 August 2026 17:45
Samstag, 8 August 2026, 17:45
Dr. Tota Wenkowa (1855 – 1921)
FOTO mbalgabrovo.com
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In den dunklen Zeiten der Unfreiheit gab es Frauen, die nicht nur zur Befreiung von den Fesseln beitrugen, sondern mit ihrem Intellekt, ihrer Bildung und ihrem unbeugsamen Geist ein persönliches Beispiel gaben. Und als das Vaterland schließlich wieder aufrecht stand, begannen sie gemeinsam mit den Männern mit dem Wiederaufbau des Staates.
Eine dieser herausragenden Bulgarinnen hieß Tota Wenkowa. Sie wurde 1855 in Gabrowo geboren und war die erste Bulgarin mit einem abgeschlossenen Medizinstudium. Am 8. März dieses Jahres, dem Internationalen Frauentag, startete die Frauenorganisation der Partei „Spassi Sofia“ („Rette Sofia“) die Initiative, ihr in der Hauptstadt ein Denkmal zu errichten.
„Alles begann mit der Erkenntnis, dass es in unserer Hauptstadt kein einziges Denkmal für eine historische weibliche Persönlichkeit gibt“, sagte Tanja Penewa von „Spassi Sofia“. „Ich möchte betonen, dass es dabei nicht nur um Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen geht, sondern um die gerechte Anerkennung all jener Menschen, die im Laufe der Jahre Bulgarien verändert haben.“
Tanja Penewa und Severina Gitschewa im Studio von Radio Bulgarien
FOTO Diana Zankowa
Wer ist diese Bulgarin, deren Denkmal einen Prozess längst überfälliger Anerkennung in Gang setzen könnte – zumal die Idee der Frauen von „Spassi Sofia“ darin besteht, jedes Jahr eine würdige Persönlichkeit vorzuschlagen, deren historisches Wirken auf diese Weise sichtbar gemacht wird?
„Dr. Tota Wenkowa verlor früh ihre Eltern und wurde von der Familie ihrer Schwester großgezogen“, erzählte Severina Gitschewa von der Frauenorganisation von „Spassi Sofia“. „Mit Hilfe eines Stipendiums schloss sie die Mädchenschule mit Auszeichnung ab und wurde Lehrerin. Während des Russisch-Türkischen Befreiungskrieges (1877–1878) arbeitete sie als Samariterin in einem Militärlazarett. Dort fasste sie den Entschluss, ihr Leben der Hilfe für Bedürftige zu widmen.
Erneut mit einem Stipendium studierte sie Medizin in Sankt Petersburg und schloss das Studium mit Auszeichnung ab. Während ihrer Ausbildung hatte sie mit schweren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, gab aber nicht auf. Sie spezialisierte sich auf Innere Medizin und Kinderheilkunde und erwarb später in Wien eine zweite Spezialisierung in Geburtshilfe und Gynäkologie.
Nach ihrer Rückkehr nach Sofia praktizierte sie nicht nur als Ärztin, sondern machte die Medizin zu ihrer Lebensaufgabe. Sie eröffnete in ihrem eigenen Haus eine kostenlose Sprechstunde, in der sie arme und verlassene Frauen aufnahm. Außerdem beteiligte sie sich an der Gründung der ersten Hebammenkurse beim Roten Kreuz und unterrichtete dort, wodurch sie zur Entwicklung des Gesundheitswesens beitrug.
Sie arbeitete auch als Schulärztin und setzte sich für die Gesundheit und Prävention bei Kindern ein. Trotz aller persönlichen und gesundheitlichen Herausforderungen gab sie ihren Beruf nie auf und half den Menschen bis an ihr Lebensende.
Da sie keine eigene Familie gründete, vermachte sie in ihrem Testament ihr gesamtes Vermögen dem bulgarischen Volk. Diese Konsequenz und ihre Hingabe an die Menschen sind ein Beispiel für ihren gesellschaftlichen Pflichtsinn, ihre medizinische Ethik und ihre Menschlichkeit.“
Dr. Tota Wenkowa
FOTO gabrovo.bg
Woher kam jedoch dieser unbeugsame Geist, der sie schon in jungen Jahren prägte und sie zu einer Wohltäterin und Beschützerin machte?
„Bei Dr. Tota Wenkowa gibt es kein romantisches Geheimnis weiblicher Stärke, sondern vielmehr einen Charakter, der unter äußerst schwierigen Bedingungen geformt wurde“, antwortete Tanja Penewa. „Der frühe Verlust ihrer Familie zwang sie, schnell erwachsen zu werden und sich auf sich selbst zu verlassen – etwas, das für eine Frau jener Zeit noch viel schwieriger war, als wir es uns heute vorstellen können.
Statt die Einschränkungen ihrer Epoche zu akzeptieren, entschied sie sich für den entgegengesetzten Weg. Durch Bildung und einen Beruf, der damals für eine Frau kaum vorstellbar war, entwickelte sie sich zu einer außergewöhnlich starken Persönlichkeit.
Das zeigt, dass sie eine klare Lebensausrichtung hatte: die Pflicht gegenüber den Benachteiligten, vor allem gegenüber Frauen und Kindern. Meiner Meinung nach liegt der Schlüssel darin, dass sie ihren Blick nicht nach innen richtete, sondern nach außen – auf die Menschen, die Hilfe brauchten.
Es geht also nicht um eine magische weibliche Kraft, sondern um die Stärke eines Charakters, der eine Lebensaufgabe hat und diese erfüllen möchte“, so Penewa.
Die Idee für ein Denkmal der ersten Bulgarin mit einem Medizindiplom wurde bislang noch nicht im Sofioter Gemeinderat eingebracht. Dennoch wird bereits über einen möglichen Standort gesprochen, an dem die würdevolle Gestalt von Dr. Tota Wenkowa Teil des Stadtbildes werden könnte.
Gedenktafel für Dr. Tota Wenkowa an ihrem Haus in der Solunska-Straße in Sofia
FOTO gabrovo.bg
Die Geschichte dieser außergewöhnlichen Bulgarin kann heutigen Frauen – und natürlich auch Männern – viele Lektionen vermitteln. Die wichtigste davon ist, wie man eine Lebensaufgabe findet und nicht nur sich selbst dient, sondern auch jenen Menschen hilft, die eine ausgestreckte Hand brauchen.
„Die größte Lehre aus dem Leben von Dr. Tota Wenkowa ist, dass Erfolg dann einen Sinn bekommt, wenn er mit einem Beitrag für andere verbunden ist“, sagte Severina Gitschewa abschließend. „Sie nutzte ihr Wissen nicht nur zur persönlichen Verwirklichung, sondern machte es zu einem Werkzeug, mit dem sie die Gesellschaft verändern konnte.
Heute leben wir in einer völlig anderen Zeit, aber der Bedarf an Menschen mit einer Mission ist derselbe geblieben. Jeder von uns kann durch seinen Beruf, durch freiwilliges Engagement, gesellschaftliche Aktivitäten oder auch durch einzelne Akte der Hilfsbereitschaft etwas beitragen.
Ihre Geschichte erinnert uns daran, dass sich wahres Vermächtnis nicht an persönlichen Erfolgen messen lässt, sondern daran, was wir hinter uns zurücklassen.“
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov