Autor
Zwetana Tontschewa
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Meisterwerke bulgarischer Musikkultur:
„Dilmano, Dilbero“ – ein scherzhafter Liebesflirt aus der Schopen-Region
Freitag 24 Juli 2026 16:20
Freitag, 24 Juli 2026, 16:20
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Vor Jahrzehnten kursierte in Bulgarien ein Witz, dem zufolge dem Staatlichen Ensemble für Volkslieder und Volkstänze (heute Nationales Folkloreensemble „Filip Kutew“) wohl keine Auslandstourneen mehr erlaubt würden. Auf die Frage „Warum?“ lautete die Antwort: „Weil sie ein Staatsgeheimnis verraten haben – wie man Paprika pflanzt.“
Anlass für diesen Scherz war die enorme Popularität des humorvollen Liedes „Dilmano, Dilbero“ aus der Schopen-Region, das in der Chorfassung des Ensembles zu einem internationalen Hit wurde. Ursprünglich gehörte das Lied zum traditionellen Hochzeitsritual der Schopen und wurde in der Hochzeitsnacht gesungen. Das „Paprikapflanzen“ ist dabei eine Metapher für das, was zwischen Braut und Bräutigam geschehen sollte.
„Wie man Paprika pflanzt“ ist ein alter bulgarischer Ritualtanz mit erotischem Charakter, der den landwirtschaftlichen Vorgang des Pflanzens nachahmt. In diesem traditionellen Frühlings- und Hochzeitsritual wird durch Tanzbewegungen und Gesang der Liebesakt symbolisch dargestellt. Der Tanz wurde von Männern im Rahmen der Hochzeitsbräuche oder geselliger Zusammenkünfte aufgeführt und galt im Volksglauben nicht nur als Unterhaltung, sondern als magisches Ritual für Gesundheit, Fruchtbarkeit und die Fortführung der Familie.
Das Volkslied „Dilmano, Dilbero“ wurde zunächst durch die Sängerin Wassilka Petkowa bekannt, die 1923 im Dorf Jarlowzi (heute ein Stadtteil von Dragoman) nahe der bulgarischen Westgrenze geboren wurde.
Wassilka Petkowa (1923 – 2014)
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In den 1950er Jahren wurde das Lied von Iwan Kawaldschiew (1891–1959) entdeckt – Volksmusikforscher, Leiter von Folkloreensembles, Dirigent und Komponist.
1951 gehörte Kawaldschiew gemeinsam mit Filip Kutew und Margarita Dikowa zu den Gründern des Staatlichen Ensembles für Volkslieder und Volkstänze. In ihrem Erinnerungsbuch Credo. Ein halbes Jahrhundert im Ensemble „Filip Kutew“ schrieb Maria Kutewa:
Iwan Kawaldschiew (1891 – 1959)
FOTO Staatliche Agentur „Archive“
„Dirigent des Orchesters war Iwan Kawaldschiew, den alle herzlich ‚Baj Iwan‘ nannten … Er hatte mit kleinen Ensembles gearbeitet, darunter auch mit ‚Rosna Kitka‘ bei Radio Sofia. Er war ein Praktiker. Obwohl er nur eine Grundschulbildung hatte, verfügte er über einen reichen Erfahrungsschatz im Umgang mit Volksmusikern. Während der Proben fand er auf seine unmittelbare und sympathische Art einen Zugang zu all diesen Musikern – jeder mit seinen Eigenheiten und Vorstellungen. In dieser Zeit schuf er mehrere Werke für das Repertoire: die Musik zur ,Hochzeits-Ratscheniza‘, die ,Hochzeitssuite‘ für Orchester sowie das Chorlied ,Dilmano, Dilbero‘ mit Orchesterbegleitung, das bis heute nicht von den Bühnen verschwunden ist.“
Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts wird immer wieder nach der Bedeutung des Titels „Dilmano, Dilbero“ gefragt. Die Worte wirken archaisch, ihr ursprünglicher Sinn ist im Laufe der Zeit verloren gegangen.
Als erste bulgarische Wissenschaftlerin, die eine plausible Erklärung dafür fand, gilt Dessislawa Petkowa. In ihrer 2009 veröffentlichten Diplomarbeit zur Indologie erklärte sie, dass dilmana im Hindi „Freundin“ und dilbera „Geliebte“ bedeute. Kollegen der Forscherin weisen allerdings darauf hin, dass dil mānnā im Hindi eher „bereit, Wünsche zu erfüllen“ bedeutet, während dilbar tatsächlich „Geliebte“ heißt.
Sollte diese Deutung zutreffen, kommt sie der Bedeutung der Worte im bulgarischen Lied sehr nahe. Der Text wird dadurch verständlich:
„Meine Geliebte, meine Liebste, du, die du bereit bist, meine Wünsche zu erfüllen – sag mir, wie man … Paprika pflanzt!“
Lebensfroh und leidenschaftlich inspirierte „Dilmano, Dilbero“ zahlreiche bulgarische Komponisten, darunter auch den großen Pantscho Wladigerow.
Am beliebtesten und bis heute am häufigsten aufgeführt bleibt jedoch die A-cappella-Fassung des bedeutenden Komponisten und Chorleiters Krassimir Kjurktschijski.
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov