Autor
Zwetana Tontschewa
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Deljana Lasarowa - die erfolgreichste bulgarische Dirigentin
„Die bulgarische Kultur und insbesondere die bulgarische Musik machen den Namen Bulgariens auf der ganzen Welt bekannt – das ist eine Tatsache!“
Sonntag 26 Juli 2026 14:22
Sonntag, 26 Juli 2026, 14:22
FOTO Facebook / Delyana Lazarova
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Seit einigen Jahren erlebt Deljana Lasarowa eine steile internationale Karriere als Dirigentin. Im Jahr 2020 wurde sie Assistenzdirigentin eines der bedeutendsten Meister des Dirigentenstabs – des Briten Sir Mark Elder, langjähriger Musikdirektor des berühmten Hallé Orchestra aus Manchester. Die Bulgarin übernahm außerdem die Position der Musikdirektorin des Hallé Youth Orchestra. Sie assistierte zudem Cristian Măcelaru beim WDR Sinfonieorchester Köln sowie beim Orchestre National de France.
FOTO delyanalazarova.com
Deljana Lasarowa wurde in Plowdiw geboren und absolvierte die Nationale Schule für Musik- und Tanzkunst „Dobrin Petkow“ mit dem Hauptfach Violine. Sie besitzt einen Masterabschluss sowie ein Performer Diploma derJacobs School of Music an der Indiana University Bloomington, wo sie Violine bei Mauricio Fuks studierte und ein Stipendium für künstlerische Leistungen erhielt. Ihren Abschluss als Dirigentin machte sie an der Zürcher Hochschule der Künste in der Klasse von Johannes Schlaefli. Sie nahm an Meisterkursen einiger der bedeutendsten Dirigenten der Gegenwart teil. In den vergangenen Spielzeiten arbeitete die Bulgarin mit führenden Orchestern aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Österreich, Schweden, Estland, Rumänien und den USA zusammen. Am 10. September 2025 schrieb Deljana Lasarowa beim renommierten BBC Proms in London als erste eingeladene bulgarische Dirigentin Geschichte. Damit begann ihre Tätigkeit als Erste Gastdirigentin des BBC Scottish Symphony Orchestra.Im Dezember 2024 gab das Utah Symphony bekannt, dass Deljana Lasarowa ab Herbst 2025 die Position der Ersten Gastdirigentin übernehmen wird.
Am 27. Juni 2026 begrüßte die bulgarische Schwarzmeermetropole die junge Bulgarin mit internationaler Karriere mit großer Freude zur Jubiläumsausgabe des 100-jährigen Internationalen Musikfestivals „Warnaer Sommer“, das erstmals in seiner Geschichte von einer Frau als Dirigentin eröffnet wurde. Das exklusive Interview mit Deljana Lasarowa für Radio Bulgarien führten wir einige Tage später aus der Ferne, kurz nach ihrem Geburtstag am 1. Juli. Auf die Frage nach den Geschenken, die sie erhalten habe, sagte sie, das größte sei die Möglichkeit gewesen, gemeinsam mit ihrer Familie zu feiern. Das wertvollste und schönste Geschenk überhaupt sei jedoch, dass ihr Leben von Anfang an mit der Musik verbunden ist. Über den Abend bei der Eröffnung des „Warnaer Sommer“ am 27. Juni sagte sie, sie sei sehr glücklich, weil das Orchester wunderbar gespielt habe … Besonders wichtig war für sie die Uraufführung des Komponisten Milko Kolarow – „Kantaten-Poem für die ‚bulgarischste Zeit‘ – 1876“, das dem 150. Jahrestag des Aprilaufstands gewidmet ist.
FOTO live.varna.bg
Eine Frau als Dirigentin - noch vor etwa zwei Jahrzehnten klang das nach etwas sehr Schwierigem, zwei Jahrzehnte davor sogar nach etwas nahezu Unmöglichem. Heute jedoch hat eine ganze Generation junger Frauen den Taktstock fest der Hand und die internationalen Podien und Orchester erobert. Es besteht sogar die Meinung, dass Frauen heute leichter Positionen und Engagements erhalten. „Ja, wir haben einen langen Weg zurückgelegt. Das Dirigieren hat eine sehr männlich geprägte Vergangenheit, aber die Dinge verändern sich“, sagte Deljana Lasarowa. „Letztlich ist für mich das Wichtigste, ein guter Dirigent zu sein. Alles andere – Geschlecht, Herkunft und so weiter – ist von sehr untergeordneter Bedeutung. Ich hoffe, dass der Dialog inzwischen über die Frage hinausgeht, ob wir Männer oder Frauen sind, und wir über andere Dinge sprechen.“
FOTO Facebook / BBC Proms
Deljana Lasarowa erzählte, dass sie in den Orchestern, mit denen sie weltweit arbeitet, sehr häufig Bulgaren begegnet. Ist die Marke „bulgarischer Musiker“ noch immer ein Symbol für Prestige sowie für eine gute Ausbildung und Vorbereitung, so wie wir hier glauben?
FOTO Facebook / Delyana Lazarova
„Absolut! Die bulgarische Kultur und insbesondere die bulgarische Musik machen den Namen Bulgariens tatsächlich auf der ganzen Welt bekannt – das ist eine Tatsache. Ich habe das Vergnügen, das immer wieder zu erleben. Wohin ich auch komme, sagt jemand: ‚Oh, Sie kommen aus Bulgarien! Ich kenne Krassimira Stojanowa – ein unglaubliches Talent‘, oder: ‚Ich kenne und habe mit Wesko Eschkenasi gespielt‘, oder mit Sascho Somow, oder: ‚Vor drei Monaten haben wir ein Werk von Dobrinka Tabakowa aufgeführt‘, oder: ‚Nächsten Monat kommt Lija Petrowa zu uns.‘ Für mich ist das ein außerordentlicher Stolz – dass ich in gewisser Weise zu dieser Generation von Musikern gehöre, die den Namen Bulgariens wirklich weltweit bekannt machen“, so Deljana Lasarowa.
FOTO Privatarchiv
Sie träumt davon, in Bulgarien ein Festivalorchester zu gründen – mit bulgarischen Musikern, die im Inland und im Ausland arbeiten. Träumt sie außer von Orchestern, Repertoire und Konzerten noch von etwas anderem?
„Ich träume davon, dass die Musik so viele Menschen wie möglich erreicht. Die sogenannte ‚klassische Musik‘ kann unseren Zuhörern etwas geben, was meiner Meinung nach keine andere Musikrichtung geben kann. Ich hoffe wirklich, dass noch mehr Menschen ihre Magie entdecken und erkennen, dass wir durch Kultur und Musik zu besseren Menschen werden. Musik kann uns tatsächlich lehren und inspirieren, menschlicher zu sein.“
Heute lebt Deljana Lasarowa überall auf der Welt: in der Schweiz, in Großbritannien und in Amerika. In diesem Sommer tritt sie erneut bei den BBC Proms auf – am 30. Juli, wieder mit dem BBC Scottish Symphony Orchestra.
Gestaltet von Rossiza Radulowa