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An der Grenze der Hoffnung – das nordwestbulgarische Dorf Salasch
Sonntag 16 August 2026 13:22
Sonntag, 16 August 2026, 13:22
FOTO BNR
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Salasch ist ein malerisches Bergdorf im Nordwesten Bulgariens. Es gehört zur Gemeinde Belogradtschik und liegt etwa drei Kilometer östlich der Grenze zu Serbien. Einst bestanden alle Gebäude des Ortes aus einfachen, provisorischen Bauten, die von den Einheimischen „Salaschi“ genannt wurden – daher stammt auch der Name des Dorfes. Auf dem Dorfplatz steht ein Brunnen-Denkmal, das den im Ersten Weltkrieg gefallenen Bewohnern von Salasch gewidmet ist. Ein weiteres Denkmal erinnert an einen 1913 gefallenen Offizier. Besonders sehenswert ist auch das Gebäude des Bürgermeisteramtes mit seiner ungewöhnlichen Architektur. Es wurde 1925 nach einem italienischen Entwurf errichtet und beherbergte früher auch das Kulturhaus des Dorfes.
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Salasch blickt auf eine lange Geschichte und eine strategische Lage zurück
Bereits die Römer nutzten den Pass „Kada Boas“ und legten dort eine Straße an, die die Donauhäfen mit Niš und Westeuropa verband. Archäologen entdeckten die Fundamente einer römischen Straßenstation. Im Mittelalter befanden sich in der Nähe von Salasch eine Festung sowie die Sommerresidenz des Widiner Zaren Iwan Strazimir. Die ersten schriftlichen Erwähnungen einer Siedlung in der Gegend des Passes stammen aus dem Jahr 1455.
Heute zählt das Dorf nur noch 115 ständige Einwohner. 1934 lebten dort hingegen noch 1.460 Menschen. Damals herrschte ein reges wirtschaftliches und kulturelles Leben. Dank des Lehrer-Musikers Todor Kratschkow bestanden über viele Jahre ein Kirchenchor, ein weltlicher Chor und ein großes Blasorchester.
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Die Landwirtschaft spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle. Nach Angaben der Einwohner gedeihen vor allem Kartoffeln und Winterzwiebeln besonders gut. Der wichtigste Arbeitgeber ist ein Pflegeheim für Menschen mit Demenz. Dort arbeiten 15 Dorfbewohner und betreuen 35 Patienten. Außerdem gibt es einen kleinen Laden, der täglich nur wenige Stunden geöffnet ist, berichtet Nedka Lilkowa vom Bulgarischen Nationalen Rundfunk BNR Widin.
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Derzeit wird eine neue Straße vom Dorf bis zur serbischen Grenze gebaut. Sie soll den Zugang zu jenem Ort ermöglichen, an dem sich jedes Jahr Bulgaren und Serben zum größten grenzüberschreitenden Volksfest des Balkans am Pass „Kada Boas“ treffen. Am 19. Juli wurde dort zum 101. Mal symbolisch das Grenzband durchschnitten, sodass Besucher des Festes für einige Stunden ungehindert nach Serbien reisen konnten und umgekehrt serbische Gäste Bulgarien besuchen konnten.
An dieser Stelle soll künftig auch der neue Grenzübergang „Salasch – Novo Korito“ entstehen. Er gilt als strategisch wichtig für die Region: Er soll eine direktere Verbindung vom Schwarzen Meer nach Mitteleuropa schaffen, die bestehenden Grenzübergänge entlasten und Tourismus sowie wirtschaftliche Beziehungen im Nordwesten Bulgariens fördern. Für den Bau wurden rund 7,5 Millionen Euro bereitgestellt. Die Fertigstellung ist bis 2028 vorgesehen.
Mit der Eröffnung des Grenzübergangs können die Einwohner von Salasch ihre Verwandten leichter besuchen, die nach der Grenzziehung infolge des Vertrags von Neuilly von 1919 auf serbischem Staatsgebiet verblieben.
Für die alltäglichen Anliegen der Dorfbewohner ist Bürgermeistervertreter Georgi Nikitow zuständig. Er befindet sich in seiner ersten Amtszeit und engagiert sich mit großem Einsatz für den Ort.
Georgi Nikitow
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„Wir reinigen selbst die Flussbetten und den Friedhof. Ich mähe das Gras, und die Menschen helfen mit. Man kann sagen, dass wir sehr zusammengeschweißt sind. Es gibt auch junge Leute, die sich für das Wohl des Dorfes einsetzen. Es ist schön zu sehen, dass Unterstützung und Gemeinschaftssinn vorhanden sind“, so Nikitow.
Zweimal pro Woche fährt ein Bus nach Belogradtschik, damit die Einwohner ihre Angelegenheiten in der Kreisstadt erledigen können. Ansonsten sind sie auf ihre eigenen Autos oder die Hilfe von Angehörigen angewiesen.
Da überwiegend ältere Menschen im Dorf leben, spielt die Gesundheitsversorgung eine wichtige Rolle.
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„Jeden Dienstag kommt eine mobile Apotheke. Einmal im Monat besuchen uns medizinische Teams und bieten kostenlose Vorsorgeuntersuchungen an. Das ist besonders für unsere älteren Einwohner sehr wichtig“, sagte Georgi Nikitow.
Die Lage am Fuß des westlichen Balkangebirges bringt auch Begegnungen mit Wildtieren mit sich.
„Schakale und Füchse kommen nachts oder im Winter, wenn sie hungriger sind, durch das Dorf. Bären haben wir bisher nicht gesehen, obwohl einer unserer Jäger hoch oben im Wald einmal Spuren entdeckt haben will“, erzählte Nikitow.
Im Dorf gibt es zudem eine Jagdgemeinschaft mit zehn bis fünfzehn Mitgliedern.
Besonders stolz sind die Einwohner auf das Kulturhaus „Raswitie 1896“. Dort wurde eine Folkloregruppe namens „Rodni Swuzi“ gegründet, die den örtlichen Dialekt und das traditionelle Liedgut pflegt.
Die Sekretärin des Kulturhauses, Daniela Iwanowa, erinnerte sich:
Die Sekretärin des Gemeindezentrums in Salasch ist Daniela Iwanowa.
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„Ich arbeite seit 1983 hier. In den ersten Jahren gab es im Kulturhaus auch einen Kindergarten mit siebzehn Kindern. Außerdem wurden die Klassen eins bis vier gemeinsam unterrichtet. Wir haben alle Feste gefeiert, gemeinsame Abende veranstaltet und bis heute organisieren wir Opfermahle für Gesundheit und eine gute Ernte“, sagte Iwanowa.
Die orthodoxe Kirche des Dorfes ist der Entschlafung der Gottesmutter geweiht. Die Einwohner kümmern sich in freiwilliger Arbeit um ihren Erhalt. Ihre Gebete gelten der Gesundheit und der Rückkehr junger Menschen in dieses abgelegene, aber idyllische Fleckchen Bulgariens.
FOTO Facebook /Gemeinde Belogradtschik
„Das ist meine Heimat, und ich liebe mein Dorf. Ich versuche, etwas Neues zu schaffen, damit unser Ort bekannter wird. Ich möchte, dass die Menschen hier besser leben. Ich kämpfe dafür, dass mehr junge Leute zurückkommen – zumindest im Sommer. Momentan lebt hier eine junge Familie. Ich hoffe, dass dieser Trend anhält. Es ist allerdings schwierig, weil nicht jeder von zu Hause aus arbeiten kann“, sagte Bürgermeistervertreter Georgi Nikitow.
Redakteur: Joan Kolew
Übersetzung: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov