Autor
Diana Zankowa
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Cyberkriminelle hacken nicht nur Smartphones, auch die Psyche von Jugendlichen
Sonntag 16 August 2026 16:50
Sonntag, 16 August 2026, 16:50
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In der vermeintlichen Sicherheit ihres Zuhauses verbringen viele Mädchen und Jungen stundenlang Zeit in der virtuellen Welt. In dieser Parallelrealität ist ihnen oft nicht bewusst, dass sich auf der anderen Seite des Bildschirms nicht immer ein gleichaltriger Mensch befindet, sondern ein erfahrener Cyberkrimineller, der Künstliche Intelligenz, gefälschte Profile und bewährte psychologische Manipulationstechniken als Waffen einsetzt.
Die drei größten Gefahren für Jugendliche im Internet seien Manipulation durch digitale Täter, Betrug im Zusammenhang mit Spielen und In-App-Käufen sowie der Diebstahl persönlicher Daten, die anschließend zur Erpressung missbraucht werden. Das erklärt Prof. Dr. Ilin Sawow, internationaler Experte für Cybersicherheit und Cyberprävention mit mehr als 25 Jahren Berufserfahrung im Sicherheitssystem des Innenministeriums. Das größte Risiko sei heute nicht die Technologie selbst, sondern die Vertrauenskrise. „Kinder glauben, sie kommunizieren auf Spieleplattformen mit Gleichaltrigen, doch häufig handelt es sich um Kriminelle“, sagte er.
Prof. Dr. Ilin Sawow
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„Cyberkriminelle agieren auf mehreren Ebenen – sie hacken nicht nur Systeme oder Smartphones, sondern die menschliche Psyche“, erläuterte der Experte. „Sie bauen zunächst Vertrauen auf – durch gefälschte Profile, gemeinsame Interessen, emotionale Bindungen oder scheinbare Hilfsangebote. Zuerst verlangen sie Fotos, später persönliche Informationen und Adressen. Schritt für Schritt ziehen sie die Kinder in ein Spiel hinein, das schließlich in Erpressung endet. Künstliche Intelligenz verstärkt diese Entwicklung zusätzlich: Stimmen, Fotos und sogar ganze Identitäten können inzwischen täuschend echt nachgebildet werden. Das Jahr 2026 wird das Jahr der intelligenten Nachahmung der Realität sein“, sagte Prof. Sawow.
FOTO Cyberkriminalität GDBOP
Wie können Eltern rechtzeitig erkennen, dass mit ihrem Kind etwas nicht stimmt?
Das erste Warnzeichen sei eine Verhaltensänderung: Das Kind zieht sich zurück, versteckt sein Smartphone oder reagiert zu Hause aggressiv oder ängstlich. Viele Eltern unterschätzten die tatsächlichen digitalen Risiken, obwohl diese längst zum Alltag gehörten. Deshalb sei die Aufklärung der Eltern ebenso wichtig wie die der Kinder.
„Kinder sprechen selten darüber – sie zeigen es durch ihr Verhalten. Ihr Schweigen ist das gefährlichste Warnsignal. Eltern müssen digital kompetent sein und nicht nur besorgt“, betonte Prof. Sawow.
Auch die staatlichen Institutionen seien gefordert, dieses zunehmend gesellschaftliche Problem wirksam zu bekämpfen. Fragen nach der Aufklärungsquote solcher Straftaten, nach Statistiken und angemessenen Strafen müssten noch umfassender beantwortet werden.
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„Diese Delikte sind ein Phänomen des digitalen Zeitalters. Besorgniserregend ist jedoch, dass wir auf ihre Aufklärung und Strafverfolgung nicht ausreichend vorbereitet sind“, erklärte Prof. Sawow. „Sie gehören zu den komplexesten Straftaten überhaupt. Ihre Auswirkungen ziehen sich über lange Zeit hin und betreffen oft die gesamte Familie. Zwar sind sie im Strafgesetzbuch erfasst, doch die Kriminalität entwickelt sich schneller als unsere Gegenmaßnahmen. Die Täter agieren grenzüberschreitend, digitale Beweise lassen sich leicht manipulieren, und viele bulgarische Polizeibeamte verfügen noch nicht über die notwendige Ausbildung. Der Kampf gegen Cyberkriminalität ist heute nicht mehr nur eine juristische, sondern ebenso eine technologische und psychologische Herausforderung.“
Nach Ansicht des Experten müssen sowohl das Strafgesetzbuch als auch die Strafprozessordnung an die neuen digitalen Realitäten angepasst werden. Gleichzeitig brauche die Polizei moderne technische Werkzeuge und spezialisierte Ausbildung, um im digitalen Raum wirksam ermitteln zu können.
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„In den vergangenen Jahren ist der Staat zwar langsam aufgewacht, doch das geschieht weder überall noch systematisch genug“, sagte Prof. Sawow. „Wenn ich Schulen besuche, sehe ich, dass die Schülerinnen und Schüler verstehen wollen und die Lehrkräfte helfen möchten. Oft fehlen ihnen jedoch die notwendigen Instrumente. Deshalb muss Cyberkompetenz ein fester Bestandteil des Bildungssystems werden.“
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Immer häufiger wird darüber diskutiert, den Zugang zu sozialen Netzwerken bis zu einem bestimmten Alter einzuschränken, um Cyberkriminalität einzudämmen.
Prof. Sawow hält Verbote jedoch für den falschen Weg. Sie lösten das Problem nicht, sondern verlagerten es lediglich in den Verborgenen. Die heutige digitale Generation werde immer Wege finden, Beschränkungen zu umgehen. Entscheidend sei daher nicht, die digitale Welt auszuschließen, sondern Kinder auf sie vorzubereiten.
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„Meine Mission ist seit Jahren dieselbe: eine Gesellschaft und einen Staat aufzubauen, die nicht erst nach einem Angriff reagieren, sondern ihn verhindern und vorbereitet sind. Das ist unsere Zukunft.“
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov