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Nach 22 Jahren im Ausland …

Auf dem Dorf: Ein Leben voller Ideen, Engagement und Freude

Sonntag, 30 August 2026, 16:15

Petar, seine Ehefrau Joanna und ihre beiden Kinder – Marti und Maja

Petar, seine Ehefrau Joanna und ihre beiden Kinder – Marti und Maja

FOTO Privatarchiv

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22 Jahre, verteilt auf Frankreich, die USA und Großbritannien, sind eine lange Zeit. Danach sucht manch einer wieder festen Boden unter den Füßen – an einem ruhigen Ort, weit entfernt vom Lärm und der Hektik der Großstadt. Genau das haben Petar Gizoajka, seine Ehefrau und ihre beiden Kinder getan. Vor zwei Jahren ließen sie sich in einem der Dörfer nahe Sofia in der Gemeinde Gorna Malina nieder. 

Die Arbeit im Bereich der Finanzmärkte und die angesparten Rücklagen ermöglichten der Familie, ein Haus im Dorf Neguschewo zu mieten und ein Grundstück für den Bau eines eigenen Hauses zu kaufen. Mit dem Bau wurde bisher noch nicht begonnen.

„Als wir beschlossen, nach Bulgarien zurückzukehren, mussten wir über die Bildung unserer Kinder nachdenken. Wir hatten entschieden, nicht in Sofia zu leben. Obwohl wir aus der Hauptstadt stammen, stellten wir nach 20 Jahren Abwesenheit fest, dass sich die Lebensqualität dort stark verändert hatte. Wir wollten näher an der Natur sein und erfuhren zufällig von der Schule im Dorf Ossojza. Wir führten ein Online-Gespräch mit der Direktorin und waren sehr angetan. Wir kamen für zwei Wochen zurück und begannen, uns die umliegenden Dörfer anzusehen. Über persönliche Empfehlungen kamen wir schließlich nach Neguschewo“, erzählte Petar. 

Das Dorf Neguschewo

Das Dorf Neguschewo

FOTO negushevo.org

„Im Mai 2024 hatten wir eine sogenannte Probewoche an der Schule. Die Kinder konnten in ihrer zukünftigen Klasse mitlernen und herausfinden, ob es ihnen gefällt oder nicht. Während sie in der Schule waren, suchten meine Frau und ich nach einem Haus. Als wir nach Neguschewo kamen, verliebten wir uns einfach in diesen Ort. In den Häusern, in den Menschen und in allem hier liegt ein unerklärlicher Zauber.“ 

Petar Gizoajka

Petar Gizoajka

FOTO poveyi.com

So kehrte die Familie von Petar Gizoajka in ihre Heimat zurück und ließ sich in dem traditionsreichen Dorf nieder, das im östlichsten Teil des Sofioter Talkessels eingebettet liegt. 

Doch das Leben auf dem Land bedeutet nicht nur eine ständige Verbindung zur Natur, sondern bietet auch viele weitere Möglichkeiten: 

Auf dem Dorf: Ein Leben voller Ideen, Engagement und Freude

FOTO negushevo.org

„Eine unserer Fragen war: Was macht man eigentlich auf dem Dorf? Gibt es dort überhaupt genug zu tun? Wir waren sehr überrascht von all den Initiativen – kulturelle Veranstaltungen, Volkstänze, Judo für Kinder jeden Samstag oder Sonntag. Im nahegelegenen Dolno Kamarzi befindet sich die Kunstgalerie von Wichroni Popnedelew, wo Kinder malen und mit Ton arbeiten. In Neguschewo gibt es fast jede Woche ein Sommerkino mit zeitgenössischen bulgarischen Filmen, und oft kommen die Filmemacher persönlich zu den Diskussionen. Die ländlichen Regionen werden wieder lebendig und wir werden unabhängiger von der Großstadt“, erzählte Petar. 

Das Gebäude der alten Schule in Neguschewo

Das Gebäude der alten Schule in Neguschewo

FOTO Facebook

Petar und seine Familie beteiligen sich selbst aktiv an verschiedenen Initiativen im Dorf Neguschewo. Dazu gehört auch ein wichtiges Anliegen für den Ort: die Restaurierung des Schulgebäudes und seine Umwandlung in ein Gemeinschaftszentrum. Zunächst versuchen die Initiatoren, 20.000 Euro für die Reparatur des Daches zu sammeln. 

Auf dem Dorf: Ein Leben voller Ideen, Engagement und Freude

FOTO negushevo.org

„Das Gebäude wurde 1894 errichtet und ist wunderschön – mit einem riesigen Hof und hohen Decken. Wir entwickeln die Idee, diesen Ort in ein Zentrum für Kultur und Bildung zu verwandeln. Der Schulhof ist ein Gemüsegarten, der fast drei Dekar erreichen wird. Mit engagierten Helfern bewirtschaften wir auch mehrere weitere Grundstücke, und wir bauen Einkorn an. Wir nutzen das Gebäude und den Hof als Ort für Demonstrationen nachhaltiger Landwirtschaftsmethoden. Die andere Funktion wird jedoch die kulturelle sein: Mit Ausstellungen, Konzerten und Filmvorführungen wollen wir weitere Menschen in unsere Gemeinschaft einbeziehen“, sagte Petar. 

Auf dem Dorf: Ein Leben voller Ideen, Engagement und Freude

FOTO Facebook

Mehrmals im Jahr organisieren Petar und seine Familie Konzerte auf der Bühne im Schulhof, denn Musik ist für sie Hobby und Leidenschaft. 

Immer mehr Beispiele zeigen Petar und seiner Familie, dass sie die richtige Entscheidung getroffen haben, weiter entfernt von der Stadt zu leben: 

Auf dem Dorf: Ein Leben voller Ideen, Engagement und Freude

FOTO Facebook

„Der Übergang von einem belastenden zu einem angenehmen und naturnahen Leben war eher eine leichte Anpassung. Wir haben diese Verbindung zur Natur immer gesucht. Was wir nicht erwartet hatten und was uns sehr geholfen hat, waren die Menschen. Wir hatten 22 Jahre lang nicht in Bulgarien gelebt, und das war die große Unbekannte. In den ersten Wochen kam fast jeden Tag jemand vorbei, um uns etwas zu schenken – Ljuteniza, Tomaten. Wie die Menschen sich gegenseitig helfen, hat unsere Herzen erwärmt. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine Gesellschaft funktionieren sollte.“ 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov