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Zwetana Tontschewa
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Meisterwerke bulgarischer Musikkultur:
„Lasst es Sommer sein“ – poetische Aufrichtigkeit und musikalische Magie
Freitag 31 Juli 2026 16:20
Freitag, 31 Juli 2026, 16:20
Mirjana Baschewa (1947 – 2020)
FOTO Privatarchiv
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Als Mirjana Baschewa am 12. Juli 2020 starb, berichteten die bulgarischen Medien, die „Dichterin der kosmischen Zärtlichkeit“ sei von uns gegangen. Sie war eine geschätzte Schriftstellerin und herausragende Journalistin, bekannt als das „Mädchen mit dem schwierigen Charakter“. Erst relativ spät, mit etwa 23 Jahren, begann sie Gedichte zu schreiben. Ihr offizielles Debüt als Lyrikerin gab sie mit 25 Jahren in der Zeitung Literaturen front. Ihr erster Gedichtband mit dem markanten Titel „Schwieriger Charakter“ erschien 1976, als sie 29 Jahre alt war, und wurde sofort sowohl vom Publikum als auch von der Literaturkritik begeistert aufgenommen. Das Werk Mirjana Baschewas beeindruckt durch eine unverwechselbare poetische Sprache, die bewusst raue und kühne Bildsprache mit der Eleganz von Gefühl und Gedanken verbindet.
Über sich selbst als Dichterin sagte sie einmal: „Swetlosar Igow stellte mich dem russischen Publikum einmal als die bulgarische Marina Zwetaewa vor, und ich war furchtbar stolz. Obwohl ich eigentlich lieber Anna Achmatowa ähneln würde. Vielleicht klang ich frisch und kühn, weil ich zu schreiben begann, ohne nahezu irgendeine poetische ‚Datenbank‘ im Kopf zu haben – bevor ich selbst Gedichte schrieb, mochte ich Lyrik überhaupt nicht.“
Mirjana Baschewa
FOTO Archiv
Nach ihrem ersten Gedichtband erschienen 1979 „Kleine Wintermusik“ und 1992 „Hundert Jahre Eitelkeit“, wobei jeder neue Band auch Gedichte aus den vorherigen Sammlungen enthielt. Alle späteren Ausgaben vereinten ausschließlich bereits veröffentlichte Texte, denn Mirjana Baschewa hörte schlicht auf, Gedichte zu schreiben. Sie hinterließ weniger als hundert Gedichte – dennoch genügte dieses schmale Werk, um sie dauerhaft unter den bedeutendsten Namen der bulgarischen Literatur zu verankern.
Neben ihrer originellen Gedankenwelt zeichnet sich ihre Lyrik durch besondere Musikalität aus. Daher gehörte sie zu den gefragtesten Textdichterinnen für populäre Lieder, die im Laufe der Jahre von Komponisten wie Petar Tschernew, Michail Beltschew oder Juri Stupel vertont und von den größten Stars der bulgarischen Popmusik gesungen wurden. Ihre erfolgreichste Zusammenarbeit verband sie jedoch mit dem Komponisten Stefan Dimitrow, mit dem sie bis zu ihrem Lebensende eng befreundet blieb. Aus dieser kreativen Partnerschaft gingen legendäre Hits wie „Hoffnungsloser Fall“ und „Hoffentlich“ hervor, die Bogdana Karadotschewa unnachahmlich interpretierte.
Bereits 1977 jedoch eroberte eine schlichte, aufrichtige und lebensfrohe musikalische Miniatur von Baschewa und Dimitrow, die der schönsten Jahreszeit gewidmet war, die Herzen des Publikums und gewann beim Festival „Goldener Orpheus“ den zweiten Preis. Mit „Lasst es Sommer sein“ festigte die junge, charmante und stimmgewaltige Gruppe Tonika seinen Starstatus, den es ein Jahr zuvor mit einem weiteren wunderbaren Lied Stefan Dimitrows – „Lado le“ – errungen hatte.
Jahrzehnte später erinnerte sich Stefan Dimitrow in einem Interview für die Zeitung 24 Tschasa, dass er während der Entstehung des Liedes – damals 28 Jahre alt – seinen Wehrdienst im Ensemble der Bautruppen ableistete. Als Mirjana Baschewa ihm ihren Text „Sommer“ zeigte, setzte er sich ans Klavier und komponierte die Melodie in kürzester Zeit.
Stefan Dimitrow
FOTO Privatarchiv
„Dieser Text ist ein Wunsch, in dem alles enthalten ist – das Bild einer Welt, von der die Menschheit träumt: dass es schön und warm sein möge, dass das Getreide auf den Feldern reife. Es ist ein Wunsch nach Frieden“, sagte Stefan Dimitrow.
Um am Wettbewerb des „Goldenen Orpheus“ teilnehmen zu können, ergänzte Mirjana Baschewa noch eine weitere Strophe, die sich auf den deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 bezog. Damit erhielt das Lied die damals erwartete gesellschaftlich-politische Aussage. Es wurde erstmals auf dem renommierten Festival vorgestellt, gewann den zweiten Preis, anschließend vom Bulgarischen Nationalen Rundfunk aufgenommen und von der Gruppe Tonika bei all ihren Konzerten gesungen. Wie Dimitrow später erzählte, „geriet das Publikum völlig aus dem Häuschen“. So sang schließlich ganz Bulgarien „Lasst es Sommer sein“.
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov