Dr. Nedelina Slavova: Es gibt Werte, die die materielle Welt nicht ersetzen kann

Der Weg zur Spiritualität beginnt im Elternhaus und mit dem gesäten Samen des Glaubens

Montag, 3 August 2026, 08:40

Dr. Nedelina Slavova mit ihrem Ehemann in der Predigerkirche in Zürich

Dr. Nedelina Slavova mit ihrem Ehemann in der Predigerkirche in Zürich

FOTO Darina Grigorowa

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Die Wege der Wissenschaft führen uns oft weit von der Heimat fort – besonders dann, wenn die Entwicklungsmöglichkeiten im eigenen Land begrenzt sind. Die wahren Wurzeln bleiben jedoch dort, wo der erste Funke in der Seele entzündet wurde. Die Geschichte von Dr. Nedelina Slavova bestätigt dies. Die bulgarische Ärztin und Neurologin hat am renommierten Universitätsspital Bern (Inselspital) in der Schweiz eine erfolgreiche Karriere aufgebaut. Jenseits der Schweizer Klinik und der anspruchsvollen neurologischen Schmerzforschung hat sie sich jedoch eine andere, unsichtbare und von Entfernungen unabhängige Welt bewahrt – jene der Familie, der Heimat und des orthodoxen Glaubens. 

Der Wunsch nach beruflicher Weiterentwicklung, die in Bulgarien bis heute nur schwer zu verwirklichen ist, führte sie dorthin, wo Fachkompetenz und fundiertes Wissen hoch geschätzt werden und zugleich modernste Technologien und medizinische Ausstattung zur Verfügung stehen: 

Universitätsspital Bern (Inselspital)

Universitätsspital Bern (Inselspital)

FOTO ibra.net

„Ich bin vor mehr als 15 Jahren gemeinsam mit meiner Familie in die Schweiz gekommen, um eine Facharztausbildung zu absolvieren. Damals war die Situation in Bulgarien nicht gut geregelt. Trotz hervorragender Studienleistungen mussten wir jahrelang auf einen Ausbildungsplatz warten. Deshalb kam ich hierher, um mich zu spezialisieren. Später ergab sich die Möglichkeit, als Ärztin zu arbeiten, und nun bin ich bereits seit 15 Jahren hier.“

Die beruflichen Erfolge von Dr. Slavova, die sie in unserem Gespräch für den Kirchenpodcast von Radio Bulgarien „Brücke des Glaubens“ nur bescheiden erwähnt, spiegeln sich in Dutzenden wissenschaftlicher Publikationen wider, die auf renommierten Plattformen wie ResearchGate verzeichnet sind. Der Umzug in die Alpenrepublik wurde zugleich zu einer Bewährungsprobe für ihren Willen und ihre Anpassungsfähigkeit, die sie gemeinsam mit ihrer Familie meisterte. 

Die Schweiz bietet ihr ein geordnetes Leben und hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten. Für Dr. Slavova ist jedoch ebenso wichtig, welchen Geist man mit sich trägt. 

In ihrer Welt sind es die Familientraditionen, die sie als Persönlichkeit geprägt haben. Der Weg zur Spiritualität beginnt oft im Elternhaus – mit einer stillen Predigt: 

Dr. Nedelina Slavova: Es gibt Werte, die die materielle Welt nicht ersetzen kann

FOTO Darina Grigorowa

„Das bleibt wie ein gesäter Samen, der auf den richtigen Moment wartet, um aufzugehen. Oft geschieht das im Leben eines Menschen in Zeiten von Erschütterungen oder Veränderungen. Vielleicht war es bei uns genauso – und dieser Samen begann zu keimen.“

In ihrem Fall erwiesen sich gerade die große Lebensveränderung und die Entfernung von der Heimat als jener Augenblick, in dem der einst gesäte Same auf fruchtbaren Boden fiel. 

„Es mag wie ein Klischee klingen, aber dass jeder Stein an seinem Platz am schwersten wiegt, entspricht genau meinem Empfinden. Trotz des Erfolgs und des materiell guten Lebens hier in Westeuropa gibt es kulturelle Werte, die diese Welt nicht ersetzen kann.“

Dr. Nedelina Slavova: Es gibt Werte, die die materielle Welt nicht ersetzen kann

FOTO Darina Grigorowa

„Der Glaube und die Teilnahme am kirchlichen Leben sind ein wesentlicher Teil der Werte unserer Familie. Deshalb fahren wir, wann immer es möglich ist, zur Liturgie nach Zürich. Wir leben in Bern, und das bedeutet anderthalb Stunden Fahrt in eine Richtung, nur um am Gottesdienst teilnehmen zu können.“

Ihr größter Traum ist es, „dass Bulgarien die Prüfungen der Zeit übersteht und sein größtes Potenzial entfaltet – ein geistiges Zentrum zu sein. Ich weiß, dass das Leben in Bulgarien schwierig ist, doch für uns bleibt das Land das Wertvollste.“ Deshalb ist sie überzeugt, dass sich die Stärke einer Nation nicht allein an wirtschaftlichen Kennzahlen messen lässt, sondern am Reichtum ihres Geistes, ihrem orthodoxen Erbe und den Werten, die sie der Welt vermitteln kann. 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov