Autor
Joan Kolew
Donnerstag 13 August 2026 14:31
Donnerstag, 13 August 2026, 14:31
FOTO Stadtgemeinde Sofia
Schriftgröße
Ab dem 14. August wird das U-Bahn-Netz der bulgarischen Hauptstadt um drei Kilometer und drei neue Stationen erweitert – „Stadion Georgi Asparuchow“, „Witinja“ und „Gen. Wladimir Wasow“. Damit gelangen die Bewohner der nordöstlichen Stadtviertel Sofias in rund 12 Minuten ins Herz der Stadt – zum Nationalen Kulturpalast. Es wird erwartet, dass täglich 45.000 Fahrgäste den neuen U-Bahnabschnitt nutzen werden, die neben einer besseren Verkehrsanbindung auch die Verkehrssicherheit in der Hauptstadt verbessern soll.
FOTO BTA
„Mit der Inbetriebnahme des neuen Abschnitts ist das Ergebnis der langjährigen Arbeit nun Realität – Tausende Bewohner dieser Stadtviertel werden über eine schnellere, bequemere und umweltfreundliche Verkehrsanbindung an verschiedene Teile Sofias verfügen“, postete der Geschäftsführer der „Metropolitan EAD“, Nikolaj Najdenow, auf dem Facebook-Profil der U-Bahn.
Nikolaj Najdenow
FOTO BGNES
Der Ausbau der U-Bahn ist eine strategische Priorität der Stadtverwaltung Sofia. Der neue Abschnitt ist Teil eines größeren Projekts.2027 sollen weitere sechs Stationen eröffnet werden.
Der erste U-Bahn-Zug in der bulgarischen Hauptstadt fuhr vor 28 Jahren los und verkehrte lediglich zwischen acht Stationen auf einer 6,4 Kilometer langen Strecke. Von 1998 bis heute wurde das U-Bahn-Netz auf 52 Kilometer ausgebaut, wobei die U-Bahn das bevorzugte Verkehrsmittel in Sofia ist. Nach der Fertigstellung der neuen Stationen wird das Netz 61 Kilometer umfassen. Die 57 Stationen sollen täglich von rund 650.000 Fahrgästen genutzt werden.
FOTO Facebook / U-Bahn Sofia
Die ersten U-Bahn-Projekte für die Hauptstadt wurden bereits Ende der 1960er-Jahre ausgearbeitet, doch der tatsächliche Bau begann erst Ende der 1970er-Jahre. Die Arbeiten verzögerten sich und kamen nur schrittweise voran – mal wurde gebaut, mal wurde pausiert. Die Sofioter waren skeptisch und machten sich über das Projekt und seine Zukunft lustig. Der erste U-Bahn-Abschnitt wurde jedoch Realität – zwei Jahre vor dem Ende des Jahrhunderts verband die U-Bahn den Platz „Sweta Nedelja“ im Stadtzentrum mit einem der „Schlafviertel der Stadt“ – dem Wohnviertel „Ljulin“. Die Durchquerung der Stadt und die diagonale Verbindung der Viertel „Obelja“ und „Mladost 1“ erfolgten 2009.
„Die Bürger werden den Sinn der U-Bahn verstehen, wenn sie als System funktioniert. Sie darf nicht nur eine einzige U-Bahn-Linie sein“, erklärte damals der Architekt Petar Dikow, der 2006 das Amt des „Chefarchitekten von Sofia“ antrat und Mitglied des Vorstands der „Metropolitan EAD“ wurde. Heute ist er Vorsitzender des Verbands der Architekten in Bulgarien und erinnert uns daran, wie sich die Karte der Sofioter U-Bahn in den vergangenen 20 Jahren schnell verändert hat.
Petar Dikow
FOTO BTA
Nach und nach wissen die Bürger die Vorteile der U-Bahn zu schätzen – Schnelligkeit und Planbarkeit, unabhängig von den Wetterbedingungen. Dennoch stieß der Ausbau der U-Bahn bei einigen Projekten auf Widerstand, was zu einer Überprüfung und Änderung der Streckenführung führte. Dies erwies sich oft als rentabler und sinnvoller, erfuhren wir von Arch. Dikow. So geschah es auch bei der derzeit im Bau befindlichen dritten U-Bahn-Linie.
Das ursprüngliche Projekt wurde aufgrund von Protesten der Bürgerorganisation „Spasi metrото“ nicht umgesetzt. Diese gaben den Planern eine andere Richtung vor, um die Streckenführung vollständig zu ändern. Dies machte auch eine Änderung des Bebauungsplans der Stadt erforderlich.
„Und dann beschlossen wir, die östliche und die westliche U-Bahn-Trasse an das Viertel „Owtscha Kupel“ anzubinden, das damals am stärksten benachteiligt war, während die andere Trasse entlang des Boulevards „Wladimir Wasow“ verlaufen sollte, wo es zahlreiche Wohnkomplexe gibt, die dicht besiedelt sind und eine bessere Verkehrsanbindung benötigen. Wir führten die Strecke entlang des Boulevards „Wladimir Wasow“ weiter, stellten eine Verbindung zum Stadion „Gerena“ her, denn jedes Stadion braucht eine gute Verkehrsanbindung“, erklärte Petar Dikow.
FOTO BTA
Dank der europäischen Finanzierung wurde das Bautempo verdreifacht. Nach Angaben der Stadtverwaltung Sofia und des Portals für öffentliche Aufträge wurde die zweite U-Bahn-Linie mit europäischen Mitteln aus dem operationellen Programm „Verkehr“ in Höhe von mehr als 500 Millionen Euro realisiert. Die dritte U-Bahn-Linie erhielt die Finanzierung in zwei Etappen – 185 Millionen Euro allein für den zentralen Abschnitt und weitere 68 Millionen Euro als nicht rückzahlbare Finanzhilfe für die zweite Bauetappe. Die gesamten EU-Mittel für die dritte U-Bahn-Linie belaufen sich einschließlich der Lieferung von U-Bahn-Zügen und Erweiterungen auf mehr als 350–400 Millionen Euro.
FOTO Stadtgemeinde Sofia
Der Bau der neuen U-Bahn-Stationen in Sofia wird durch europäische Mittel sowie durch eine Kofinanzierung aus dem kommunalen und staatlichen Haushalt finanziert. Für den Abschnitt am Boulevard „Wladimir Wasow“ stellt die Europäische Union 144 Millionen Euro an Fördermitteln bereit. Kürzlich wurde bekannt, dass die Stadtverwaltung Sofia mit weiteren 265 Millionen Euro an EU-Fördermitteln für Fahrzeuge des öffentlichen Nahverkehrs rechnen kann. Ein Teil davon soll für den Kauf von 16 neuen U-Bahn-Zügen verwendet werden.
FOTO Stadtgemeinde Sofia
Während wir bequem und schnell unterwegs sind, werden wir auch die angenehme Frauenstimme hören, die die Stationen der Sofioter U-Bahn ankündigt – sie gehört der bekannten Fernsehjournalistin Nadja Obretenowa.
Nadja Obretenowa
FOTO bnt.bg
„Das Interessanteste ist, dass Freunde und Bekannte, wenn sie mit der Sofioter U-Bahn fahren und meine Stimme hören, an mich denken und sich daran erinnern, dass sie mir etwas nicht erzählt haben oder wir schon länger nichts voneinander gehört haben. Und es ist sehr interessant, dass ich häufig Anrufe von Bekannten bekomme, während ich im Hintergrund meine eigene Stimme in der Sofioter U-Bahn höre, während sie unterwegs sind“, sagte Nadja Obretenowa.
FOTO BTA
Die Sofioter U-Bahn ist das Ergebnis und zugleich die verwirklichte Vision von Dutzenden Fachleuten – Ingenieuren, Architekten, Geologen und Hydrotechnikern –, die neue Verbindungen und Wege in der Stadt schaffen. Ihre Arbeit ist mit erheblichen Risiken verbunden, und von ihrer Qualität hängt tagtäglich das Leben Tausender Menschen ab. Doch für alle ist klar, dass die U-Bahn weit mehr ist als eine ingenieurtechnische Verkehrsinfrastruktur, denn sie prägt die Lebensweise in der Großstadt.
FOTO BTA
Übersetzung: Rossiza Radulowa
Gestaltet von Rossiza Radulowa