Sonntag 23 August 2026 11:03
Sonntag, 23 August 2026, 11:03
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Es gibt Züge, die Menschen befördern. Und es gibt Züge, die Geschichten, Emotionen und Erinnerungen mit sich tragen. Die Rhodopen-Schmalspurbahn gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Seit nunmehr einem Jahrhundert verkehrt sie zwischen den Städten Septemwri und Dobrinischte, durchquert das Rilagebirge, die Rhodopen und das Pirin-Gebirge und macht jede Fahrt zu einer Begegnung mit einem anderen – schönen, ruhigen und zeitlosen – Bulgarien.
Am 1. August jährte sich zum 100. Mal die erste Fahrt eines Zuges auf der Strecke Septemwri–Welingrad. Das war der Beginn einer Verbindung, die heute längst nicht mehr nur eine Eisenbahnlinie, sondern eine echte Legende ist. Anlässlich des Jubiläums bereitet die Bulgarische Staatliche Eisenbahn BDZ die Restaurierung einer Schmalspur-Dampflokomotive vor, die künftig wieder Sonderzüge auf der legendären Strecke ziehen soll.
- Die Schmalspurbahn in den Rhodopen
- Die Rhodopen-Schmalspurbahn unter den schönsten Herbstzugreisen der Welt
Über die Magie der Schmalspurbahn, ihre Geschichte und ihre Zukunft unterhielten wir uns mit dem Vorsitzenden des Vereins „Für die Schmalspurbahn“, Kristian Waklinow – einem Mann, der den Erhalt dieser einzigartigen Eisenbahn zu seiner persönlichen Mission gemacht hat.
FOTO Kristian Waklinow
Seiner Ansicht nach erschöpfen sich die Gründe für die große Beliebtheit der Rhodopen-Schmalspurbahn keineswegs in den schönen Landschaften.
„Sie ist nicht nur deshalb einzigartig, weil sie die einzige noch erhaltene Schmalspurbahn Bulgariens ist. Sie ist einzigartig, weil sie Menschen, Schicksale und Berge miteinander verbindet. Die wunderschöne Natur, die Tunnel, die Brücken und die Strecke selbst machen die Fahrt zu einem Erlebnis, das in unserem Land seinesgleichen sucht“, sagte Waklinow.
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Eine von Menschenhand vollbrachte Meisterleistung
Die Geschichte der Schmalspurbahn ist eine Geschichte von Arbeit, Beharrlichkeit und technischem Mut. Der Bau begann 1921, und bereits fünf Jahre später waren die ersten 39 Kilometer zwischen Septemwri und Welingrad fertiggestellt.
Was bis heute beeindruckt: Ein großer Teil der Strecke wurde von Hand gebaut – mitten in den Felsen der Tschepino-Schlucht und lange bevor moderne Technik solche Projekte erleichterte.
„Hut ab vor diesen Menschen, die diese Strecke gebaut haben. Manche haben sogar ihr Leben dafür gegeben, ohne zu ahnen, dass ihre Arbeit auch hundert Jahre später noch so viele Menschen inspirieren würde. Es sind 35 Tunnel, mehr als 1.000 Meter Höhenunterschied, die auf dem Weg zum höchstgelegenen Bahnhof des Balkans – Awramowo – überwunden werden. Dazu kommen die Schleifen, die Acht- und Sechserkurven der Strecke. All das fasziniert Menschen aus aller Welt, die kommen, um mit eigenen Augen zu sehen, was hier geschaffen wurde. Sie haben vielleicht zuvor irgendwo im Internet gelesen, dass unser kleines Bulgarien einen solchen kleinen Zug hat, der sich seit 100 Jahren durch die Berge schlängelt und seinen Weg bahnt“, betont der Vereinsvorsitzende.
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Wenn Langsamkeit zum Vorteil wird
In einer Welt, in der wir alle ständig in Eile sind, scheint die Rhodopen-Schmalspurbahn genau das Gegenteil anzubieten – die Möglichkeit, einen Gang zurückzuschalten.
Heute fährt der Zug mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 38 Kilometern pro Stunde – etwas, das einst als Nachteil galt und heute zu seinen größten Attraktionen gehört.
Statt zum Ziel zu rasen, hat man Zeit, aus dem Fenster zu schauen, den Windungen der Flüsse zu folgen, die Tunnel zu zählen, die jahrhundertealten Wälder und die hohen Berghänge zu bestaunen.
„Die wertvollste Ressource ist heute nicht Geld, sondern Zeit. Und genau das gibt uns die Schmalspurbahn – Zeit, uns umzuschauen, die Natur zu genießen und echte Freude am Reisen zu spüren“, so Kristian Waklinow.
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Touristen aus aller Welt
In den vergangenen Jahren ist das Interesse an der Rhodopen-Schmalspurbahn kontinuierlich gestiegen. Immer mehr Touristen entscheiden sich für sie, um die Bergwelt auf eine ganz andere Art kennenzulernen.
Bemerkenswert ist, dass sich unter den Fahrgästen immer häufiger Menschen aus verschiedenen Ländern und Kontinenten befinden, die eigens wegen des legendären kleinen Zuges anreisen.
Nach Worten von Kristian Waklinow ist dies der deutlichste Beweis dafür, dass die Schmalspurbahn längst über ihre Rolle als gewöhnliches Verkehrsmittel hinausgewachsen ist und sich allmählich zu einer der bekanntesten touristischen Attraktionen Bulgariens entwickelt.
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Die Dampflokomotive – eine lang erwartete Rückkehr
Zu den spannendsten Nachrichten rund um das 100-jährige Jubiläum der Rhodopen-Schmalspurbahn gehört die bevorstehende Restaurierung der Dampflokomotive.
Jahrelang war gerade sie das Wahrzeichen der Sonderzüge, und für viele Menschen gehört eine Fahrt mit ihr zu den unvergesslichsten Erlebnissen.
„Die Dampflokomotive vermittelt eine ganz besondere Emotion. Für Kinder ist sie ein echtes Wunder, für die Älteren eine Reise zurück in ihre Erinnerungen. Wir alle warten gespannt darauf, dass sie wieder auf die Schienen kommt“, erzählte Waklinow.
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Der große Traum
Obwohl die Schmalspurbahn ihr 100-jähriges Jubiläum feiert, blickt sie zugleich in die Zukunft.
Kristian Waklinow ist überzeugt, dass ihr enormes touristisches Potenzial erst noch ausgeschöpft werden muss. Zu seinen Wünschen gehören mehr historische Züge, Panoramawagen und thematische touristische Routen, die die Fahrt zu einem noch unvergesslicheren Erlebnis machen könnten.
Seiner Ansicht nach sollte diese Eisenbahn nicht nur als Verkehrsmittel, sondern als nationales Kulturgut und Symbol für Bulgariens Natur und Ingenieursgeschichte weiterentwickelt werden.
Родопската теснолинейка – 100 години магия по релсите
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Eine Reise, die man im Herzen behält
Zum Abschluss des Gesprächs richtete Kristian Waklinow eine Einladung an alle, die noch nie mit der Rhodopen-Schmalspurbahn gefahren sind:
„Steigen Sie in diesen kleinen Zug. Er bringt Sie nicht einfach nur von einem Bahnhof zum nächsten, sondern zeigt Ihnen ein anderes Bulgarien – ein Bulgarien, wie wir es nur selten durch das Fenster eines Autos sehen können.“
Und vielleicht liegt genau darin das große Geheimnis der Rhodopen-Schmalspurbahn.
Denn sie beeindruckt nicht durch hohe Geschwindigkeit, luxuriöse Wagen oder moderne Technologien.
Sie beeindruckt durch ihre Seele.
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Seit hundert Jahren durchquert dieser kleine Zug unermüdlich die Berge, verbindet Menschen und Generationen und beweist, dass die schönsten Reisen nicht immer die schnellsten sein müssen.
Manchmal sind es gerade jene Reisen, die uns dazu bringen, das Tempo zu drosseln, aus dem Fenster zu schauen und uns daran zu erinnern, dass die Schönheit im Weg selbst liegt.
Übersetzung: Rossiza Radulowa