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Swerino – ein Ort, an dem der bulgarische Geist weiterlebt

Montag, 7 September 2026, 11:25

Swerino – ein Ort, an dem der bulgarische Geist weiterlebt

FOTO Elena Karkalanowa

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Zwischen den Serpentinen der Iskar-Schlucht liegt Swerino – ein vergleichsweise großes bulgarisches Dorf mit einem ungewöhnlich aktiven Kulturleben. Hier tanzen Kinder und lernen, Musikinstrumente zu spielen, während die Erwachsenen Traditionen bewahren und bedeutende historische Ereignisse nachstellen. So wird die Vergangenheit zu einem Teil des heutigen Lebens der Gemeinschaft. 

Swerino – ein Ort, an dem der bulgarische Geist weiterlebt

FOTO BTA

Das örtliche Kulturzentrum „Fakel 1926“, das in diesem Jahr sein hundertjähriges Bestehen feiert, steht im Mittelpunkt dieses vielfältigen kulturellen Lebens. Es ist ein Ort der Begegnung, der Kreativität und der Bildung und bringt Menschen verschiedener Generationen zusammen. 

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FOTO Elena Karkalanowa

„Ich arbeite seit zehn Jahren in dieser Kultureinrichtung, die das wichtigste geistige und kulturelle Zentrum des Dorfes ist. In Swerino leben 1400 Menschen. Wir haben eine Schule bis zur zwölften Klasse und einen Kindergarten. Der starke Gemeinschaftsgeist und der Zusammenhalt der Menschen machen unsere Initiativen so wirkungsvoll“, erzählte uns die Sekretärin des Kulturzentrums, Stilijana Stojanowa. 

Swerino – ein Ort, an dem der bulgarische Geist weiterlebt

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Das Kulturzentrum „Fakel“ ist das „Zuhause“ einer Kinder-Tanzgruppe mit 60 Kindern, die in drei Altersgruppen aufgeteilt sind, sowie einer Musikschule, in der junge Menschen verschiedene Instrumente erlernen. Es gibt eine Frauen- und eine Männer-Folkloregruppe, einen Handarbeitsclub sowie einen Kunst- und Kreativclub mit 36 örtlichen Schriftstellern, Künstlern und Fotografen. Ihre Werke sind bereits in fünf Almanachen zusammengetragen worden. 

Swerino – ein Ort, an dem der bulgarische Geist weiterlebt

FOTO Elena Karkalanowa

„Wir sind stolz darauf, dass sehr junge Menschen in unseren Amateurgruppen mitmachen. Das Wichtigste ist, dass unsere Veranstaltungen die Menschen stark berühren und immer mehr von ihnen dazu motivieren, sich zu beteiligen. Das ist auch dem guten Dialog und der Zusammenarbeit zwischen Kulturzentrum, Bürgermeisteramt, Schule und Kindergarten zu verdanken. Vor allem aber kommt es von der Einstellung der Menschen zum Bulgarischen und zu den Traditionen – sie sollen bewahrt und an die nächsten Generationen weitergegeben werden“, sagte Frau Stojanowa und zeigt uns die Schätze des Kulturzentrums – den großzügigen Saal, die renovierte Bibliothek, die Garderoben mit den Trachten der Tanzgruppen und den Uniformen der Freischärler. 

Swerino – ein Ort, an dem der bulgarische Geist weiterlebt

FOTO Elena Karkalanowa

Besonders eng ist die Verbindung Swerinos mit der bulgarischen Geschichte. Im Jahr 1876, während des Kampfes um die Befreiung von der osmanischen Herrschaft, zogen die Freischärler aus der Truppe von Christo Botew durch die Region. Der örtlichen Überlieferung zufolge empfingen die Einwohner von Swerino die Kämpfer, versorgten sie mit Essen und halfen ihnen, den Fluss zu überqueren. 

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Diese Geschichte wird jedes Jahr am 4. Juni, dem Tag von Swerino, lebendig. Die örtliche Gruppe „Botew-Freischärler“ stellt den Abstieg der Kämpfer aus dem Balkangebirge nach. Im nahe gelegenen Museumshaus „Wodenizata“ erinnert zudem eine Gedenktafel an das Ereignis. 

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„Die Gruppe trägt die typische Uniform der Freischärler und stellt den Abstieg vom Balkangebirge mit Fackeln nach. Sie überqueren tatsächlich den Fluss Iskar. Dafür bereiten wir den Fluss vorher vor und sichern ihn mit Seilen. Auf diese Weise stellen wir die Überquerung des Flusses durch die Freischärler nach“, erklärte Stilijana Stojanowa. 

Swerino – ein Ort, an dem der bulgarische Geist weiterlebt

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Der Festkalender in Swerino beginnt am 6. Januar mit dem Dreikönigsfest, einem der großen orthodoxen christlichen Feiertage. Nach dem Gottesdienst in der Kirche ziehen die Einwohner in einer Prozession zum Fluss Slatiza. Dort „retten“ die Männer das Dreikönigskreuz und tanzen einen Männerreigen im eiskalten Wasser. Am bulgarischen Nationalfeiertag am 3. März veranstaltet Swerino gemeinsam mit den benachbarten Dörfern Osselna und Ignatiza eine Feier. Alle versammeln sich auf dem Dorfplatz, und das Fest endet mit einem großen bulgarischen Reigen, erzählte uns Stilijana Stojanowa. 

Swerino – ein Ort, an dem der bulgarische Geist weiterlebt

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Zu den größten Veranstaltungen des Dorfes gehört auch das Nationale Folklorefestival „Smej Gorjanin“, das mehr als 500 Amateurkünstler – Sänger, Tänzer und Solisten – aus ganz Bulgarien zusammenbringt. Sein Name ist mit der örtlichen Folkloretradition verbunden, Ziel ist es, die bulgarische Volkskunst zu bewahren und bekannt zu machen. Lebendig sind auch die Bräuche des Weihnachts- und des Lazarus-Singens. Die Hoffnung der Sekretärin des Kulturzentrums ist, dass in naher Zukunft auch das alte örtliche Ritual „Braschlenkju“ wiederbelebt wird, das mit dem sogenannten „schweigenden Wasser“ und Segenswünschen für eine reiche Ernte verbunden ist. 

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Im Kulturzentrum gibt es zudem einen eigens eingerichteten ethnografischen Bereich. Dort werden Alltagsgegenstände aus dem Leben der Einwohner sowie authentische örtliche Trachten ausgestellt – allesamt Spenden der Bewohner von Swerino. 

Doch was bewegt die Menschen dazu, in Swerino zu bleiben? Die Antwort ist nicht einfach, insbesondere weil es nur wenige Arbeitsplätze gibt. Im Dorf gibt es Gewächshausanbau von Gemüse, doch die Beschäftigungsmöglichkeiten vor Ort bleiben begrenzt. Deshalb arbeiten viele Einwohner in der Hauptstadt und pendeln täglich nach Sofia – etwas mehr als 100 Kilometer pro Strecke. 

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Und trotzdem entscheiden sich einige junge Menschen dafür, zu bleiben – die Gründe sind eher emotional: 

„Wie die Menschen sagen: Der Stein bleibt dort, wo er hingehört. Man kann es nicht in Worte fassen. Der Ort selbst hat einfach eine so starke Energie und eine wunderschöne Natur“, sagte Stilijana Stojanowa. 

Swerino – ein Ort, an dem der bulgarische Geist weiterlebt

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Swerino verfügt über eine weitere wertvolle Ressource – die Natur. Das Dorf liegt in der Iskar-Schlucht, einer malerischen Region in Westbulgarien entlang des Flusses Iskar zwischen Sofia und Mesdra. In der Nähe befinden sich das Tscherepischki-Kloster, die Felsformation „Ritlite“, das Denkmal „Djado Jotzo“ bei Otschin Dol, das von der gleichnamigen Figur aus einer Erzählung des bulgarischen Schriftstellers Iwan Wasow inspiriert wurde, sowie das Museumshaus der „Baba Ilijza“ – der Heimat der Heldin aus Iwan Wasows Erzählung „Eine Bulgarin“. 

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FOTO Elena Karkalanowa

Im Jahr 2025 starteten das Kulturzentrum und die Direktion des Naturparks „Wratschanski Balkan“ das Projekt „Ökodestination Iskar-Schlucht“, das die Natur- und Kultursehenswürdigkeiten der Region miteinander verbindet. Zwei Wanderwege wurden ausgebaut. Zu den Orten, die Touristen anziehen, gehört auch der malerische Wasserfall „Bigora“. Zu ihm führt ein sieben Kilometer langer Wanderweg entlang des Flusses Slatiza. 

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FOTO Elena Karkalanowa

Bislang ist die Region eher ein Ziel für Tagesausflüge. Doch die Menschen in Swerino träumen von mehr. Denn sie wollen hier nicht nur ihre Vergangenheit bewahren, sondern das Erbe ihrer Vorfahren zu einem Grund dafür machen, dass junge Menschen ihre Zukunft gerade hier sehen. 

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FOTO Elena Karkalanowa

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov