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Bulgarische Landwirte erwarten staatliche Hilfe bei der Vermarktung

Nikolaj Genow: Wenig bulgarische Produktion – und trotzdem kein Absatzmarkt

Bulgarische Landwirte erwarten staatliche Hilfe bei der Vermarktung

FOTO Genossenschaft "Hrankoop"

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Die Landwirte in Bulgarien fordern höhere Erzeugerpreise und eine umfassende staatliche Strategie für die Entwicklung der Landwirtschaft. Ihrer Ansicht nach gefährden das Fehlen einer klaren staatlichen Politik und ungelöste Probleme rund um Großhandelsmärkte das Überleben der Branche. Unzureichende Absatzmöglichkeiten und blockierte Exporte haben Obst- und Gemüseerzeuger auf die Straße gebracht.

Pfirsichproduzenten aus der Region Sliwen fordern Änderungen am Gesetz über Branchenorganisationen. Sie weisen darauf hin, dass der Sektor seit Jahren mit Verlusten arbeitet. Die Erzeugerpreise von rund 37 Cent pro Kilogramm hätten sich seit einem Jahrzehnt nicht verändert. Für manche sei es deshalb wirtschaftlich günstiger, einen Teil der Ernte wegzuwerfen, als ihn auf den Markt zu bringen.

Es ist paradox: Einerseits haben wir in Bulgarien nur noch eine geringe Produktion und einen immer größeren Import von Obst und Gemüse – inzwischen werden bis zu 80 Prozent genannt. Andererseits gibt es keinen Markt für bulgarisches Obst, wenn es dann doch produziert wird. Aber beides hängt zusammen: Der Markt ist faktisch bereits von Importen besetzt“, erklärte Nikolaj Genow von „Hrankop“, einer Genossenschaft, die Produzenten und Verbraucher naturbelassener Lebensmittel zusammenbringt, gegenüber dem Bulgarischen Nationalen Rundfunk.

Nikolaj Genow

Nikolaj Genow

FOTO agrozona.bg

Selbst wenn weniger produziert werde, entstünden in Jahren mit guten Ernten Überschüsse, sagte Genow. Dies sei derzeit etwa bei Pfirsichen der Fall, aber auch Tomaten gebe es momentan in größeren Mengen. „Dann fehlt ihnen einfach der Absatzmarkt“, erklärte er im Gespräch mit Dobrinka Dobrewa vom BNR-Inlandsprogramm „Horizont“.

Genow sieht vor allem den Staat in der Pflicht, zusätzliche Absatzmöglichkeiten zu schaffen:

Der Staat kann den Produzenten helfen, indem er mehr Märkte schafft – echte Märkte wie die Bauernmärkte, die trotz aller Schwierigkeiten und der fehlenden Regulierung und Unterstützung durch den Staat langsam an Bedeutung gewinnen. Auf Bauernmärkten können die dort vertretenen Produzenten ihre Waren bereits zu einem für sie fairen Preis verkaufen. Diejenigen, die keinen Zugang zu solchen Märkten haben, leiden derzeit besonders unter den niedrigen Erzeugerpreisen. Meiner Meinung nach brauchen wir nicht so viel Kontrolle, sondern mehr Möglichkeiten“, betonte Nikolaj Genow.

Auf die Frage, ob Genossenschaften eine Lösung sein und die Wettbewerbsfähigkeit der Produzenten erhöhen könnten, antwortete Genow.

Bulgarische Landwirte erwarten staatliche Hilfe bei der Vermarktung

FOTO Genossenschaft "Hrankoop"

Ja. Wir arbeiten seit inzwischen 15 Jahren mit vielleicht mehr als 100 Produzenten zusammen. Etwa 40 bis 50 davon sind Mitglieder unserer Genossenschaft. Sie sind wirtschaftlich stabil und haben treue Kunden, die sich um sie herum zusammengeschlossen haben – nämlich unsere Genossenschaftsmitglieder“, erläuterte Genow.

Dieses Modell sei in westlichen Ländern seit mehr als 20 Jahren verbreitet und werde als Community Supported Agriculture bezeichnet – auf Deutsch etwa „von der Gemeinschaft getragene Landwirtschaft“. Hintergrund sei die veränderte Marktstruktur: Die meisten Verbraucher lebten heute in Großstädten, während die Produktion auf dem Land stattfindet. Deshalb entstünden Genossenschaften in Städten, die Produkte von Erzeugern aus ländlichen Regionen abnehmen.

Auch hier sei staatliche Unterstützung notwendig, meint Nikolaj Genow. Stattdessen erlebe man häufig das Gegenteil. In Bulgarien gebe es sowohl informelle als auch offiziell organisierte Genossenschaften. Viele der informellen Zusammenschlüsse würden jedoch von Behörden als etwas Problematisches betrachtet – fast als handele es sich um Spekulation oder einen unregulierten Lebensmittelhandel.

Aus Genows Worten wird deutlich, dass kleine Bauernmärkte und Genossenschaften häufig eher auf administrativen Druck als auf Unterstützung stoßen. Staatliche Institutionen betrachteten sie mitunter mit Misstrauen – als mögliche Quelle von Risiken oder Spekulation.

Dabei könnten Genossenschaften gerade für kleine bulgarische Produzenten eine der besten Möglichkeiten sein, ihre Waren auch über große Handelsketten zu vertreiben, ohne gezwungen zu sein, sie zu Spottpreisen an Zwischenhändler abzugeben.

Bulgarische Landwirte erwarten staatliche Hilfe bei der Vermarktung

FOTO Genossenschaft "Hrankoop"

Was wir beobachten, ist, dass ein Produzent, der für einen konkreten Markt arbeitet, auch seine Produktion entsprechend reguliert. Wenn es einen realen Markt gibt, richtet man die Aussaat und die Planung danach aus, welche Mengen man voraussichtlich verkaufen kann“, erklärte Genow.

Einige Produzenten der Genossenschaft erzielten inzwischen drei oder vier Ernten auf derselben Fläche und könnten ihre gesamte Produktion verkaufen. Dadurch entstünden keine Überschüsse, für die anschließend keine Abnehmer zu finden seien.

Nach Angaben Genows gibt es in Bulgarien derzeit etwa zwölf oder dreizehn Organisationen, die Bauernmärkte veranstalten, sowie verschiedene Genossenschaften. Diese Modelle sollten von der Politik genauer untersucht werden.

Sie mögen im Moment noch klein erscheinen, und vielleicht glauben die Zuständigen, dass sie nicht für das ganze Land funktionieren würden. Aber ich denke, dass wir der Anfang von etwas sind, das sich im ganzen Land vielfach reproduzieren lässt. Dann würden mehr Produzenten weniger leiden, wenn sie ihre Produkte auf den Markt bringen können“, sage abschließend Nikolaj Genow.


Übersetzung: Rossiza Radulowa