Autor
Joan Kolew
Artikel
Touristen aus aller Welt entdecken den Zauber des Rhodopendorfes Kossowo
Das Dorf ist auch ein wichtiger Teil der persönlichen Geschichte von Dimitar Ralew bei seiner Rückkehr aus Venezuela nach Bulgarien
Montag 7 September 2026 13:06
Montag, 7 September 2026, 13:06
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In Bulgarien gibt es Dörfer, in denen nur wenige Menschen leben, während andere inzwischen völlig entvölkert sind. Es gibt jedoch auch Orte, die scheinbar ihren eigenen Weg gefunden haben, das Leben zurückzubringen – nicht mit lauten Attraktionen, sondern mit Ruhe, Authentizität und menschlicher Nähe. Eines davon ist das malerische Dorf Kossowo im Rhodopengebirge, wo Touristen längst nicht mehr einfach als Gäste, sondern als Freunde betrachtet werden.
Zum 31. Dezember 2025 gab es in Bulgarien 1.280 Siedlungen mit zwischen 1 und 49 Einwohnern, während 192 vollständig entvölkert sind, wie aus den Angaben des Nationalen Statistikamts hervorgeht. Die Gründe dafür sind unterschiedlich, hängen aber meist mit der Suche nach Arbeit und besseren Lebensmöglichkeiten zusammen, die für viele nur in den Großstädten oder im Ausland zu finden sind.
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Die Geschichte der Familie Christo und Swetla Ralew ist eine andere. Nach mehr als 15 Jahren, die sie in Venezuela gelebt und gearbeitet und dort ihre beiden Kinder großgezogen und ausgebildet haben, beschlossen sie, nach Bulgarien zurückzukehren. Sie suchten einen ruhigen Ort, an dem sie ihre Lebensweise verändern können, und stießen 2004 auf das Dorf Kossowo – etwa 50 Kilometer von der zweitgrößten bulgarischen Stadt Plowdiw entfernt, an der Straße von Assenowgrad nach Smoljan und nur fünf Kilometer vom Kurort Naretschenski Bani.
Die beiden hatten zuvor keine Verbindung zu dem Dorf – er ist Elektrotechniker, sie Softwareingenieurin. Allmählich verliebten sie sich jedoch in den Ort und restaurierten drei seiner alten Häuser, die sie in kleine touristische Unterkünfte verwandelten und dort Gäste aus Bulgarien und dem Ausland empfangen.
Der Name Kossowo wird mit verschiedenen Überlieferungen in Verbindung gebracht. Er stammt offenbar nicht vom Vogel Amsel, sondern eher von einer Besonderheit des Geländes – das Dorf liegt „kòsso“ /schräg, steil/ an den Berghängen. Wer sich also im Dorf und seiner Umgebung bewegen möchte, muss auf steile Wege und Straßen gefasst sein.
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Zehn Jahre später schloss sich auch Sohn Dimitar der Familie an. Er kehrte aus Venezuela zurück, nachdem er dort ein Studium abgeschlossen und einige Zeit in Caracas als Lehrassistent für Mechatronik und Robotik gearbeitet hatte. Die wirtschaftlichen Probleme im südamerikanischen Land veranlassten ihn, seine Zukunft wieder in Bulgarien zu suchen.
Gemeinsam mit seiner Cousine Gergana Ljuzkanowa – sie hat in der Schweiz Tourismus studiert und anschließend zunächst in Barcelona und auf den Kaimaninseln in der Branche gearbeitet – begann Dimitar, seine Eltern beim Empfang und bei der Unterbringung der Touristen zu unterstützen:
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„Sie ist diejenige mit Berufserfahrung in der Branche“, räumte Dimitar Ralew ein. „Deshalb versuchen wir, ihre Erfahrung und das anzuwenden, was wir in der Welt gesehen haben. Sie lebt nicht dauerhaft im Dorf Kossowo, so wie ich, aber sie gibt uns die nützliche Perspektive einer Fachfrau, die das Gesamtbild sieht und weiß, wie man die Dinge voranbringt, und das ist sehr wichtig“, betonte Dimitar Ralew.
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Für ihn ist der gute Umgang mit den Gästen gerade an einem Ort wie Kossowo besonders wichtig. Wenn es in einem kleinen Bergdorf an einer bestimmten Dienstleistung oder einem bestimmten Produkt fehlt, muss daraus für den Touristen kein Problem entstehen. Wichtiger sei es, ihm eine passende Alternative anzubieten, damit sein Erlebnis angenehm bleibt.
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Und dieser Ansatz funktioniert offensichtlich. Die Familie Ralew gewinnt Freunde aus verschiedenen Teilen der Welt, von denen einige jedes Jahr nach Kossowo zurückkehren, während andere sogar beschließen, dort eine Immobilie zu kaufen:
„Wir nennen sie inzwischen gar nicht mehr Touristen, sondern Freunde, die nicht nur jedes Jahr kommen. Einige dieser Familien sind mittlerweile Eigentümer von Immobilien in Kossowo und nutzen sie als Ferienhäuser. Wenn sie nach Bulgarien zurückkehren, möchten sie einen Ort außerhalb der Stadt haben. Wir haben auch eine Bekannte, die gemeinsam mit ihrem Mann in Deutschland in den Ruhestand gegangen ist und die in diesem Jahr endgültig ins Dorf gezogen ist.“
Unter den Besuchern gibt es auch viele gemischte Familien aus Bulgaren und Ausländern. Sie verbinden häufig den Besuch der Heimatstädte ihrer bulgarischen Partner mit einigen erholsamen Tagen oder einer Woche in den Rhodopen.
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„Auch aus Südamerika hatten wir Gäste, aber eher als Ausnahme. Es ist eine große Überraschung, wenn sie in ein solch kleines Dorf in den Rhodopen kommen und jemand sie nicht nur auf Spanisch empfängt, sondern auch mit Südamerika verbunden ist. Wir hatten einen solchen Fall mit Gästen aus Peru. Die Frau war Bulgarin und der Mann kam aus Peru. Sie waren sehr überrascht, dass jemand in den Rhodopen Spanisch mit lateinamerikanischem Akzent spricht“, erzählte Dimitar Ralew.
Obwohl Kossowo ein kleines Dorf bleibt, nimmt die Zahl der Menschen, die das ganze Jahr über dort leben, in den vergangenen Jahren allmählich zu. Das ist vor dem Hintergrund der allgemeinen demografischen Entwicklung in den bulgarischen Dörfern besonders bemerkenswert.
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„Im vergangenen Winter waren wir etwa 15 Menschen hier, da mehrere Familien Immobilien gekauft haben und dauerhaft hierhergezogen sind. Vor der Covid-19-Pandemie gab es eine Zeit, in der wir im Winter nur sechs Menschen waren. Das Dorf wächst also langsam, auch wenn wir nicht erwarten können, dass es zu einem riesigen Dorf wird. Im Sommer und an den Wochenenden kommen viele Menschen aus Sofia, Plowdiw und Burgas, die hier Ferienhäuser haben und für eine Weile dem Alltag entfliehen möchten“, sagte Dimitar Ralew.
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Und genau das ist wahrscheinlich der größte Reichtum von Kossowo – seine Fähigkeit, einen Menschen dazu zu bringen, das Tempo zu drosseln.
Das Dorf versetzt uns um Jahrhunderte zurück. Es wurde im 17. Jahrhundert besiedelt und erlebte seine Blütezeit Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts. Aus der Zeit der Bulgarischen Wiedergeburt stammen auch viele der erhaltenen Steinhäuser mit ihren charakteristischen Schieferdächern. Dank ihrer Erwerbszweige – des entgeltlichen Warentransports, der Viehzucht, der Landwirtschaft und des Maurerhandwerks – errichteten die Einheimischen große, geräumige Häuser mit hohen Steinmauern und kunstvoll geschnitzten Decken. Es entstanden gepflasterte Straßen und Brücken, die noch heute das Erscheinungsbild des Dorfes prägen.
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Zu den Sehenswürdigkeiten gehören die 1851 erbaute Kirche „Mariä Entschlafung“, die alte Schule aus dem Jahr 1889, die Kapellen „Hl. Nedelja“ und „Hl. Peter“, die Wassermühle und die Schmiede sowie die zahlreichen erhaltenen Häuser aus der Zeit der Bulgarischen Wiedergeburt.
Auch die Umgebung von Kossowo bietet Ausflüge in die kulturhistorische Vergangenheit der Rhodopenregion – in der Nähe befinden sich das Batschkowo-Kloster und die Assenow-Festung, die Felsformation „Wunderbare Brücken“ (etwa 30 km entfernt) sowie die Thermalquellen von Naretschenski Bani (6–7 km entfernt). Auch das Klima ist sehr angenehm – im Sommer ist es kühl, während das Wetter im Winter vergleichsweise mild ist; strenger Frost und Schneestürme sind selten.
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All das macht das kleine Dorf Kossowo groß – mit seiner Geschichte, Architektur und Atmosphäre. Und obwohl laut Statistik von Ende 2025 gerade einmal 29 Menschen im Dorf leben, ist das Schönste, dass sich unter ihnen inzwischen Menschen befinden, die Kossowo nicht nur als Urlaubsziel, sondern als ihr Zuhause gewählt haben – ein Beweis dafür, dass der Weg zu einem besseren Leben manchmal nicht unbedingt in die Großstadt führt, sondern vielmehr in ein kleines Dorf, das von den Hängen der magnetischen Rhodopen umarmt wird.
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Übersetzung: Rossiza Radulowa
Gestaltet von Rossiza Radulowa