Bulgarische Setzlinge, die in Ungarn Wurzeln schlugen und reiche Ernte brachten

Donnerstag, 3 September 2026, 15:17

Bulgarische Setzlinge, die in Ungarn Wurzeln schlugen und reiche Ernte brachten

FOTO Alexandra Karamichalewa

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Obwohl sie in Ungarn geboren wurde und dieses Land als ihre Heimat betrachtet, ist die bulgarische Identität von Krassimira Kuzarowa ungebrochen. Für Menschen wie sie ist der Begriff „Vorfahren“ kein abstrakter Begriff, denn es geht um Menschen, die sie kennen, an die sie sich erinnern und die sie persönlich gekannt haben – ihre Eltern, Großeltern, Onkel, Tanten, Freunde und Mitschüler, mit denen sie aufgewachsen sind.

Die Kraft dieser Wurzeln liegt in einer lebendigen Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Sie hat ihren Ursprung im Dorf Polikraischte bei Weliko Tarnowo und bei den dort geborenen bulgarischen Gärtnern, die in ganz Europa berühmt wurden. Es waren erfahrene Landwirte, die nicht nur ihr Können, sondern auch ihr ausgeprägtes nationales Bewusstsein bewahrten und weitergaben. Ihre Nachkommen machen sich jeden Sommer auf den Weg ins Dorf Polikraischte, damit die Familien an einem Ort zusammenkommen.

Bulgarische Setzlinge, die in Ungarn Wurzeln schlugen und reiche Ernte brachten

FOTO Alexandra Karamichalewa

Ich bin hier, in Budapest, geboren, und letztendlich ist das meine Heimat. Aber für mich ist auch Bulgarien Heimat, denn wir sind jeden Sommer zu unseren Großeltern gefahren. Die Eltern meiner Mutter lebten in Bulgarien. Und diese Tradition ist bis heute erhalten geblieben – sobald der Sommer kommt und das Dorffest in Polikraischte stattfindet, versammeln wir uns dort alle, die wir im Ausland leben – in Ungarn, der Slowakei, Österreich oder verstreut auf der ganzen Welt. Wir kommen genauso zusammen wie hier, leben wie Brüder und Schwestern und freuen uns, dass wir die Möglichkeit haben, uns zu sehen“, erzählte sie für den Podcast „Brücke des Glaubens“ von Radio Bulgarien.

Bulgarische Setzlinge, die in Ungarn Wurzeln schlugen und reiche Ernte brachten

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Um die Kraft dieses Zusammenhalts und dieser generationsübergreifenden Verbundenheit zu verstehen, müssen wir einen Blick auf die Vergangenheit der berühmten Gärtnerkolonie aus Polikraischte und Draganowo werfen. Es ist eine Geschichte über unermüdliche Arbeit rund um die Uhr, die von Erfolg gekrönt wurde, von der Würde des bulgarischen Landwirts und von der Fähigkeit unseres Volkes, sich in einem fremden Land durch kreative Arbeit zu behaupten und Wohlstand zu erlangen.

Bulgarische Setzlinge, die in Ungarn Wurzeln schlugen und reiche Ernte brachten

FOTO Alexandra Karamichalewa

Diese fleißigen Menschen wollten ein besseres Leben. Sie begannen als Arbeiter, als Tagelöhner in den Gärten anderer, um etwas Geld zu sparen und sich eigenes Land kaufen zu können. So begann auch mein Großvater mit seinen Brüdern und seiner Schwester. Sie arbeiteten in den Gärten, sparten Geld und jeder von ihnen kaufte sich seinen eigenen Garten. Danach kam mein Vater zu dessen Vater, der bereits einen eigenen Garten hatte. So haben wir das Rad weitergedreht – mit viel Arbeit, vielen schlaflosen Nächten und großem Zusammenhalt“, erzählte Krassimira Kuzarowa.

Der ungarische Staat und die ungarische Gesellschaft nahmen diese fleißigen bulgarischen Einwanderer auf und wussten sie und ihr Können zu schätzen, denn sie brachten bis dahin im ungarischen Gartenbau unbekannte Kulturpflanzen und eine unvergleichliche Arbeitsmoral mit. Ihr Zusammenhalt ermöglichte es ihnen, ihr Zentrum im prestigeträchtigen neunten Bezirk von Budapest aufzubauen, wo sich einst die Gemüsebörse befand.

Bulgarische Setzlinge, die in Ungarn Wurzeln schlugen und reiche Ernte brachten

FOTO Alexandra Karamichalewa

Wir sind eine sehr starke, eng verbundene Gemeinschaft! Wir haben es geschafft, in einem fremden Land voranzukommen, das uns ein Zuhause gegeben und uns wie seine eigenen Leute aufgenommen hat. Als fleißige bulgarische Bürger wurden wir immer geschätzt. Wir haben uns in diesem Land nie als Fremde gefühlt, denn wir haben dazu beigetragen, dass dort Gemüse angebaut wird – Tomaten, Auberginen, Lauch, die zu jener Zeit typisch für die Balkanländer waren. Die Ungarn kannten sie nicht,“ sagte Krassimira Kuzarowa.


Heute steht der Pfarrer Tantscho Jantschew in würdiger Nachfolge dieser Reihe bedeutender Geistlicher in Budapest. Seit Jahren versammelt er mit väterlicher Fürsorge seine Gemeinde unter der historischen Kuppel der bulgarischen Kirche. Für die gesamte bulgarische Gemeinschaft vor Ort ist er eine geistige Stütze. Er kennt jede Familie und ist darauf bedacht, die Verbundenheit und den Zusammenhalt der bulgarischen Gemeinde in Budapest zu bewahren.

Bulgarische Setzlinge, die in Ungarn Wurzeln schlugen und reiche Ernte brachten

FOTO bg-patriarshia.bg

Unser Gespräch mit mit ihr hinterlässt das Gefühl eines lebendigen Bandes zwischen den Generationen, das nie abreißen wird. Und gerade wenn man über diese generationsübergreifende Verbundenheit nachdenkt, wird man Zeuge einer lebendigen, alljährlichen Tradition, die die Metapher in Realität verwandelt. Die heutigen ungarischen Bulgaren – Menschen, die sich eines unbestreitbaren sozialen Wohlstands und großer Erfolge in ihren jeweiligen Berufen erfreuen – kommen in den Hof der bulgarischen Kirche „Hll. Kyrill und Method“ in Budapest, um sich Setzlinge zu holen. Buchstäblich.

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FOTO bg-patriarshia.bg

Jeden Mai organisiert die Bulgarische Selbstverwaltung in Ungarn eine bemerkenswerte Initiative: Im Hof eben dieses Gotteshauses werden Setzlinge edler Sorten bulgarischen Gemüses verteilt. Es ist bewegend, ja geradezu surreal, zu beobachten, wie sie die Kisten mit den noch zarten grünen Pflänzchen sorgfältig in ihre teuren, modernen Autos laden und sie als wertvollste Fracht in ihre ungarischen Häuser bringen. Und es wird einem bewusst, dass diese kleinen Pflänzchen nicht einfach nur eine künftige Gemüseernte sind. Sie sind ein Symbol für die Menschen selbst – zarte Setzlinge, die ihre Vorfahren einst in ein fremdes Land brachten und dort sorgfältig einpflanzten. Setzlinge, die dank der Kirche, der Schule, des Kulturhauses und des Zusammenhalts tiefe, kräftige Wurzeln geschlagen haben, erblüht sind und in Ungarn und seinen Nachbarländern reiche Ernte tragen.


Übersetzung: Rossiza Radulowa