Autor
Zwetana Tontschewa
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Meisterwerke bulgarischer Musikkultur
„Ich breite dir bunte Teppiche aus“ – ein Lied über Liebe und Abschied
Freitag 4 September 2026 18:18
Freitag, 4 September 2026, 18:18
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Eine der schönsten folkloristischen Miniaturen aus der Region Pirin – „Ich breite dir bunte Teppiche aus“ – besitzt eine besondere emotionale Kraft. Auf den ersten Blick zeigt sich ein schlichtes Bild: Eine junge Frau bereitet ihrem Geliebten ein Lager. Sie breitet „bunte Teppiche“ aus – ein Zeichen von Nähe und Geborgenheit. Doch anstatt zu bleiben, sattelt er sein Pferd und macht sich zum Aufbruch bereit. „Wem lässt du mich zurück?“, klagt sie. Der Mann antwortet: bei den beiden Müttern – seiner und ihrer. Und er entscheidet sich für die Berge, um dort … ein Hajdut und Held zu werden. Seine Entscheidung ist ein Aufbruch in die Freiheit und in ein heldenhaftes Schicksal, dessen tragisches Ende bereits vorgezeichnet ist.
In der bulgarischen Folklore ist die Natur stets ein erhabenes Bild, zugleich aber auch eine Sprache der menschlichen Seele. In diesem Lied steht der herabgesunkene Nebel für Kummer, der Tau für Tränen. „Ich breite dir bunte Teppiche aus“ ist in verschiedenen Varianten überliefert. In einigen wird der Held als Manusch Wojwoda bezeichnet, in anderen fehlen konkrete Namen. Was bleibt, ist das Drama einer verliebten Frau, die von ihrem Mann zugunsten der Pflicht und eines möglichen ehrenvollen Todes zurückgelassen wird.
Das Lied wurde von zahlreichen bedeutenden bulgarischen Folkloreinterpreten gesungen – von Gjurga Pindschurowa bis zum Trio „Bulgarka“, von den Bisserow-Schwestern bis zum modernen und ausdrucksstarken Folkloreensemble „Nuscha“. Heute ist das Lied vor allem in der Bearbeitung des großen Dirigenten und Komponisten Kiril Stefanow bekannt. Diese Fassung von „Ich breite dir bunte Teppiche aus“ gehört zu den emblematischen Werken im Repertoire des Staatlichen Ensembles für Volkslieder und Volkstänze „Pirin“.
Prof. Kiril Stefanow (1933 – 2005)
FOTO Facebook/Pirin.Ensemble.Blagoevgrad
Der Name von Prof. Kiril Stefanow – einem der bedeutendsten Künstler in der Geschichte der bulgarischen Folkloreensembles – ist heute Legende. Er wurde in Blagoewgrad geboren, und sein Leben und seine berufliche Laufbahn waren eng mit seiner Heimatregion Pirin verbunden. Nach seinem Abschluss an der Musikakademie im Fach Chordirigieren übernahm er bereits mit 23 Jahren die Leitung des Ensembles „Pirin“ und blieb fast 50 Jahre lang an dessen Spitze. Dieses halbe Jahrhundert stellt das bedeutendste Kapitel in der Geschichte des Ensembles dar. Unter seinem künstlerischen Leiter entwickelte es sich zu einer renommierten Formation mit eigenständigem Stil und großer internationaler Präsenz.
FOTO Facebook/Pirin.Ensemble.Blagoevgrad
Kiril Stefanows Zugang zur Folklore war hochprofessionell, intellektuell und äußerst künstlerisch. Er basierte auf einer hervorragenden Kenntnis der regionalen Musiktraditionen und dem Bestreben, ihre Besonderheiten zu bewahren. In seinen Bearbeitungen vertieft die Harmonik die Schönheit der folkloristischen Vorlage und bringt sie wirkungsvoll zur Geltung. Als charismatische und unkonventionelle Persönlichkeit hinterließ Kiril Stefanow nicht nur in der Entwicklung der bulgarischen Volkschöre und -ensembles, sondern in der gesamten bulgarischen Musik eine bedeutende Spur.
Jahrzehnte nach ihrer Entstehung beweist Kiril Stefanows Fassung noch immer die Kraft des bulgarischen Geistes und die unwiderstehliche Magie unserer heimischen Folklore.
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov