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Chile ist für rund hundert Bulgaren, die ihre Heimat lieben, ein neues Zuhause

Die Bulgaren in Chile wollen einen eigenen Verein gründen und

Montag, 14 September 2026, 15:05

Chile ist für rund hundert Bulgaren, die ihre Heimat lieben, ein neues Zuhause

FOTO Facebook /Miroslava Petrova

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Nach Chile zu ziehen bedeutet, in eine neue Realität einzutauchen, in der Entfernungen, Natur und geografische Gegebenheiten völlig anders sind. Das weit entfernte und wenig bekannte Land hat rund hundert unserer Landsleute aufgenommen. Zu ihnen gehört auch Miroslawa Petrowa-Gutierrez, die dort seit 30 Jahren lebt. 1997 zog sie gemeinsam mit ihrem chilenischen Ehemann und ihren beiden Kindern nach Chile, nachdem sie zehn Jahre in Bulgarien gelebt hatte. Heute bezeichnet sie diesen Schritt als eine gute Entscheidung, auch wenn damals vieles ungewiss gewesen sei. 

Chile ist für rund hundert Bulgaren, die ihre Heimat lieben, ein neues Zuhause

FOTO Christina Tassewa

„Ich habe eine große, wie man hier sagt, Maisfamilie, vergleichbar mit einem Maiskolben, der viele Körner hat. Die Familien in Chile halten immer zusammen wie die Körner eines Maiskolbens, und es gibt immer jemanden, der dir hilft. Ich wurde Teil dieser Familie und fühlte mich als eine von ihnen. Ich sprach Spanisch und fand sehr schnell Arbeit. Das ist von enormer Bedeutung, denn so entstehen auch soziale Kontakte. In Chile schließt man am Arbeitsplatz keine Freundschaften. Man hat einfach gute Kollegen, und damit hat es sich. Die Chilenen haben gerne Freunde, aber diese Freundschaften sind auf das familiäre Umfeld beschränkt – auf Menschen, mit denen sie schon im Kindergarten, in der Schule oder an der Universität zusammen waren. Es fällt ihnen schwer, neue Freundschaften zu schließen, und das liegt daran, dass sie eher zurückhaltend sind. Das erklärt, warum sie lieber in Chile leben und nicht wie wir Bulgaren überallhin reisen, überall leben und anschließend nach Bulgarien zurückkehren.“

Chile ist für rund hundert Bulgaren, die ihre Heimat lieben, ein neues Zuhause

FOTO Facebook /Miroslava Petrova

Nach den Worten von Miroslawa sind die Chilenen keine guten Auswanderer und richten ihr Leben lieber in ihrer Heimat ein. Diese Besonderheit erklärt sie damit, dass sie die Psyche von Inselbewohnern hätten, weil sie sich von der sie umgebenden Welt abgeschnitten fühlten. Ihr Land ist flächenmäßig riesig. Auf der einen Seite grenzt es an den Pazifischen Ozean, auf der anderen liegen die Anden – eine gewaltige Gebirgskette, die einer Mauer gleicht. Im Norden erstreckt sich über 2000 Kilometer die Atacama-Wüste, während im Süden die Antarktis liegt, die ebenfalls eine Art Wüste ist, allerdings eine kalte. 

Chile ist für rund hundert Bulgaren, die ihre Heimat lieben, ein neues Zuhause

FOTO Facebook /Miroslava Petrova

Daher ist es nicht verwunderlich, dass Chile in den vergangenen fünf Jahren zunehmend das Interesse begeisterter bulgarischer Touristen geweckt hat. Miroslawa arbeitet als Reiseleiterin und sagt, dass ihre Landsleute von dem weit entfernten Land überwältigt seien. „Um nach Chile zu reisen, muss man eine besondere Vorliebe für Abenteuer haben, und wer dorthin reist, bleibt staunend zurück“, erzählte sie. Von der Wüste gelangt man nach Polynesien und auf die Osterinsel, die zu Chile gehört. 

Chile ist für rund hundert Bulgaren, die ihre Heimat lieben, ein neues Zuhause

FOTO Facebook /Miroslava Petrova

„Sie (die Bulgaren) sind sehr überrascht, denn wenn sie nach Chile reisen, wissen sie nicht, was sie erwartet. Sie reisen in ein Land, das sie nicht kennen und über das sie Informationen von der Agentur gelesen haben, und sind dann überwältigt von dem, was sie sehen. Normalerweise verbringen sie mehr als 15 Tage im Land. Das liegt an den großen Entfernungen: Chile hat eine 4000 Kilometer lange Pazifikküste, und diese Strecke kann man nicht auf dem Landweg zurücklegen, man muss fliegen. Deshalb kann man nicht so schnell von der Wüste nach Patagonien oder von Patagonien auf die Osterinsel gelangen – dafür braucht man Zeit. Die Vielfalt der Natur und Landschaften, die wie vom Mond oder vom Mars aussehen, beeindruckt sie sehr. In der Atacama-Wüste gibt es ein Gebiet, das Marstal genannt wird, weil die Landschaft dort genauso aussieht. Dort wurden auch Mond- und Marsfahrzeuge getestet. Es ist ein sehr trockener Ort mit starker ultravioletter Strahlung, atemberaubenden Landschaften und Vulkanen.“

Miroslawa gehört zu den aktiven Mitgliedern der bulgarischen Gemeinschaft in Chile und beteiligt sich an der Organisation von Veranstaltungen zum 3. März, zu Baba Marta und zu religiösen Feiertagen. Wie wird sich die Gemeinschaft weiterentwickeln? 

Rajna Mandschukowa in Chile (April 2026)

Rajna Mandschukowa in Chile (April 2026)

FOTO Facebook /Miroslava Petrova

„Wir Bulgaren in Chile sind nur wenige. Ich schätze, dass wir etwa 100 sind, im Gegensatz zu Argentinien, wo es rund 20.000 sind. Die Bulgaren in Chile sind entweder aus beruflichen Gründen hierhergekommen, wie etwa die Musiker, oder sie arbeiten für Speditionsunternehmen und wurden aus Europa hierher entsandt, denn Chile hat große Häfen mit Verbindungen nach Nordamerika, Japan und China. Es gibt auch Menschen, die mit einem chilenischen Ehepartner hierhergekommen sind. Wir sind wenige und hatten bisher keine wirkliche Organisation. Ich hoffe aber, dass sich das jetzt ändern wird, denn vor vier Monaten hat uns die Direktorin der Exekutivagentur für Bulgaren im Ausland, Rajna Mandschukowa, besucht. Sie kam im Rahmen einer Reise durch Südamerika. Wir sind sehr dankbar, dass sie Zeit für uns gefunden hat. Bulgaren kamen zusammen, die sie treffen wollten. Wir sind sehr isoliert. Sicherlich gibt es Regierungs- oder Wirtschaftsdelegationen aus Bulgarien, die hierherkommen, aber wir haben keinen Kontakt zu ihnen. Informationen erreichen uns zufällig, und das ist nicht gut, denn obwohl wir wenige sind, bilden wir eine Gemeinschaft, die Bulgarien in Chile repräsentiert. Ein besonderer Dank gilt der Agentur dafür, dass sie zu uns gekommen ist, und Frau Mandschukowa dafür, dass sie mit uns gesprochen hat. Sie war sehr offen und beantwortete alle Fragen, auch wenn es dabei nicht um die Agentur ging, sondern um die wirtschaftlichen Beziehungen. Dank dieses Treffens waren die Bulgaren begeistert von der Idee, eine Organisation zu gründen. Höchstwahrscheinlich werden wir nach meiner Rückkehr versuchen, eine solche Stiftung zu gründen, denn wir haben die Möglichkeit, Ausstellungen zu organisieren und dafür zu sorgen, dass Kinder an den Wettbewerben der Agentur teilnehmen können – mit Liedern, Kinderzeichnungen oder an Ferienlagern. Noch einmal vielen Dank an Frau Mandschukowa, die gesagt hat: ‚Organisiert euch, denn so können wir euch viel leichter mit Materialien und Informationen helfen.‘ Ich hoffe, dass ich Ihnen bei meinem nächsten Besuch sagen kann, dass wir bereits eine Stiftung haben.“

Chile ist für rund hundert Bulgaren, die ihre Heimat lieben, ein neues Zuhause

FOTO Facebook /Miroslava Petrova

Wir verabschieden uns von Miroslawa Petrowa-Gutierrez mit der Vereinbarung, die Entwicklungen rund um die geplante bulgarische Vereinigung weiter zu verfolgen und über die wichtigsten Aspekte ihrer Tätigkeit zu berichten. 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov